Rezension: „Die Stadt der besonderen Kinder“ von Ransom Riggs

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Um ehrlich zu sein, hat Ransom Riggs‘ Fantasyroman Die Stadt der besonderen Kinder nur einen wesentlichen Nachteil: Es empfiehlt sich den Vorgänger kurz zuvor noch einmal zu lesen, geht die Handlung im zweiten Teil der Reihe doch fließend über. Wobei das natürlich streng genommen kein wirklicher Nachteil ist, gehörte Die Insel der besonderen Kinder doch zu den besten Büchern, die ich 2014 gelesen habe.

In der Fortsetzung setzen die Kinder unter der Führung des 15jährigen Jacob von ihrer Insel nach Wales über, um sich auf dem Weg nach London zu machen. Dort hoffen sie ihre Beschützerin Miss Peregrine wieder zurück in denen Menschen verwandeln zu können, steckt diese doch verletzt in ihrer Vogelgestalt fest. So macht sich also eine Gruppe, verfolgt von den blutrünstigen Whites, die mal als deutsche, mal als britische Soldaten verkleidet sind, von Kindern mit besonderen Fähigkeiten auf ins vom Krieg verwüstete London.

Die Stadt der besonderen Kinder ist deutlich düsterer und damit auch spannender geraten, als der Vorgänger. Setzte der Autor Ransom Riggs dort noch mehr auf Mystik und lange auch die Unsicherheit, ob Jacob nicht doch nur den Fantasien seines verstorbenen Großvaters hinterher jagt, besteht im 2. Teil naturgemäß kein Zweifel mehr an jenen besonderen Kindern und den Whites, die mit ihren Hollows, nicht nur die Herrschaft über die „Besonderen“, sondern auch über den Rest der Menschheit erlangen wollen. Und so beschränkt sich das Erstaunen über die neuen Fähigkeiten auch eher darauf, dass es eben immer mehr für den erst vor kurzem zu ihnen gestoßenen Jacob zu erfahren gibt. Statt dessen baut der Autor in diesem Teil einen Spannungsbogen auf, der sich auf der Flucht der kleinen Kinderschar in Richtung London und schließlich auch in der von Fliegerangriffen erschütterten Stadt aufbaut. Es ist eine gnadenlose Jagd und sie lässt die Fortsetzung auch wesentlich brutaler werden, als es noch auf der Insel der Fall war, wo sich solche Szenen im Wesentlichen auf den letzten Teil der Geschichte beschränkte. Vielleicht gehört das aber auch ein bisschen dazu, denn die Kinder mussten schließlich ihre Zeitschleife verlassen, die sie über 60 Jahre lang vor der Außenwelt verborgen hatte. Und auch wenn sich die Handlung des Buches lediglich über vier Tage erstreckt, so merkt man dennoch wie die Kinder zum ersten Mal seit Jahrzehnten zu altern beginnen.

Und was gehört zum Erwachsenwerden ebenso dazu? Richtig, die Liebe. So entwickelt sich die zarte Romanze zwischen Jacob und Emma auch während der Geschichte immer weiter. Eine durchaus nicht unkomplizierte Geschichte, war Emma doch vor 60 Jahren bereits in Jacobs Großvater verliebt, bevor dieser in die richtige Welt hinauszog um Hallows zu töten. Wie ist das wohl für einen Teenager, der sich zwar bewusst ist eigentlich über 70 zu sein, aber dennoch nie wirklich erwachsen geworden ist – richtig, wie gesagt, es ist kompliziert.

Aber das ist diese Sache mit dem Erwachsenwerden bekanntlich ja immer, und wenn es um die erste große Liebe geht wird es nur noch komplizierte. Und so ist Ransom Riggs nicht nur gerade dabei eine Fantasyreihe für Jugendliche zu schreiben, die man auch voller Begeisterung als Erwachsener noch lesen kann, sondern in gewisser Weise auch eine Geschichte über das Erwachsenwerden. Über eine Phase in der Entwicklung eines jeden Menschen, in der man sich meist anders fühlt, anders und vielleicht auch besonders. Dazu muss man kein Feuer aus dem Nichts erschaffen oder unsichtbar sein.

Fazit: Auch wenn ich mich im Gegensatz zum ersten Band bei Die Stadt der besonderen Kinder auch mal schlafen legen konnte, bevor das Buch zu Ende gelesen war, hat auch die Fortsetzung ihre fünf Kaffeebecher durchaus verdient. Für den in die Handlung gezogenen Leser bleibt jedoch noch ein kleiner Nachteil, auch dieses Buch endet mit einem Cliffhanger und lässt einen voll Spannung auf den nächsten Teil warten.

Bewertung: fünft

Warum Werbung beim Super Bowl einen Warnhinweis braucht!

Ich bin ja durchaus ein Fan von American Horror Story, da lassen sich die Macher durchaus auch das ein oder andere Bizarre einfallen. Aber ganz ehrlich, von diesem Super Bowl Spot könnten die Jungs noch einiges lernen:

Darauf mal ein angemessenes WTF! Mal ehrlich, wer kann nach diesem tanzenden Puppymonkey noch eine Nacht schlafen, ohne schreiend und schweißgebadet aus seinen Alpträumen aufzuschrecken? Ich jedenfalls werde wahrscheinlich nie wieder schlafen – nur zur Sicherheit!

Aber immerhin gab es bei den diesjährigen Werbespots zum Super Bowl – manche sehen sich das Spiel ja nur deswegen an – was für den Darm. Der kann einem ja auch bei Angstzuständen zu schaffen machen, so als zweites Gehirn haben manche Innereien im menschlichen Körper mehr drauf. Nur, ob ich wirklich neben einem Darm ein Footballspiel sehen möchte?

Meine Bestellungen bei Amazon (2003 bis 2015)

Eines vorweg, ich weiß, ich bin ein ziemlicher Heuchler. Habe ich an anderer Stelle doch Ende letzten Jahres einen Beitrag darüber geschrieben, dass ein Leben ohne Amazon durchaus möglich ist. Aber so ist das halt, der Geist war willig, aber der ganze Rest schwach. Frei nach Loriot: Ein Leben ohne Amazon ist möglich, aber auch sinnvoll?

Wer einen Blick in sein Kundenkonto bei Amazon wirft, bekommt einen weiteren Eindruck der alten Weisheit „Das Internet vergisst nichts“. Und ein Online-Shop, der dich ständig mit neuen Angeboten zu Käufen verführen will, vergisst erst recht nichts. Und die Zeiten, bei denen ich bei Amazon drei Bestellungen abgeschickt habe, sind ja auch schon längst vorbei. Damals war ich aber auch noch ein armer Bettelstudent.

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Mehr als 10 Jahre Einkaufen bei Amazon.

Ich war selbst ein bisschen überrascht, dases ausgerechnet dieses Jahr die 100er Marke erreicht wurde. Aber so ist das halt mit Analysen, sie bergen auch die ein oder andere Überraschung. Nicht wenige solcher Grafiken dürften ab 2007 einen gewaltigen Schub bekommen haben, damals wurde nämlich Amazon Prime eingeführt. Und tatsächlich, den Anstieg von 2009 auf 2010 würde ich durchaus auch der Tatsache zuschreiben, dass ich seit dem Amazon Prime-Kunde bin. (Im Augenblick übrigens aus Einspargründen nicht mehr, aber das ist eine andere Geschichte.)

Zum Musterkunden bin ich wegen Amazon Prime aber offenbar nicht geworden. Doch dann kam das Jahr 2012, der enorme Anstieg ist auch leicht erklärt: Ich hatte mir ein Kindle zugelegt und jede Menge E-Books dafür gekauft bzw. auf kostenlose Klassiker zurückgegriffen, die Amazon allerdings auch als Käufe statistisch erfasst. Tja, und was soll ich sagen, die Begeisterung für mein Kindle ließ schnell nach, weshalb die Kurve dann auch wieder nach unten ging. Allerdings hatte ich mich inzwischen so daran an das Online-Einkaufscenter Amazon gewöhnt, dass ich dort nur noch gut zur Hälfte wirklich Bücher kaufte, ein Teil dieses Einkaufsverhaltens ließ die Kurve dann auch wieder nach oben steigen. Und was habe ich letztes Jahr wieder aus der Schublade geholt und entstaubt – richtig, mein Kindle.

Wie sieht das bei Euch aus? Ist eure Einkaufskurve auch ein auf und ab? Oder stieg sie kontinuierlich an bzw. blieb irgendwie gleich? Gibt es dafür Gründe, seit ihr vielleicht der klassische Amazon Prime-Kunde?

Die Filmtrailerüberdosis zum Super Bowl 50

Wer sagt denn, dass alte Männer nicht noch was reißen können. Als ältester Quarterback aller Zeiten hat Peyton Maning in der Nacht auf den heutigen Montag die Denver Broncos zum Super Bowl geführt. Und vom deutschen TV-Publikum unbemerkt gab es in den Werbepausen des Sportereignisses natürlich wieder die traditionellen Super Bowl Werbespots. Seit einiger Zeit dürfen da auch die Trailer jener Filme nicht fehlen, die mehr als Blockbusterpotential haben.

Den Anfang machen ein paar Sekunden aus dem Dschungelbuch. Nicht viel, aber genug um weiter zu bestätigen, dass die Animatoren der Tiere offenbar großartige Arbeit geleistet haben:

Der Vollständigkeit halber – und falls es DC Comic Fans unter meinen Lesern gibt – natürlich auch die beiden Werbespots von Turkish Airlines, die jetzt auch nach Metropolis und Gotham City fliegen. Passend zum neuen Film Batman vs. Superman:

Unsereiner wartet natürlich wesentlich sehnsüchtiger auf Captain America: Civil War aus dem Hause Marvel. Auch wenn die Entscheidung zwischen dem Team Cap und dem Team um Iron Man sehr, sehr schwer sein dürfte. Wer kann sich schon zwischen Captain America und Black Widow entscheiden – Cap wer?

Und noch einmal Marvel, diesmal mit ein paar Szenen aus X-Men: Apocalypse:

Zum Abschluss gibt es noch den Trailer zu Gods of Egypt mit Gerard Butler, Geoffrey Rush und Game of Thrones-Star Nikolaj Coster-Waldau. Der Film ist bisher unter meinem Radar gelaufen, scheint aber zumindest optisch verdammt viel herzumachen. Gehört sich ja so, wenn sich Götter im alten Ägypten so richtig kloppen:

Warum Twitter dem Wachstumswahn zum Opfer fällt

Heute ist die Bombe dann endlich offiziell geplatzt. Nachdem schon seit 2014 hinter vorgehaltener Hand darüber spekuliert wurde, dass auch Twitter die Timeline seiner Nutzer durch einen Algorithmus bestimmen lassen will, meldete heute etwa The Verge, dass genau das jetzt kurz bevor steht. Schon in der kommenden Woche könnte es soweit sein.

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Willkommen bei Twitter – nur wollen das alle 7,39 Milliarden Menschen auch wirklich sein?

Vor einigen Wochen machte Twitter mit der Ankündigung seine „140 Zeichen“-Begrenzung für Tweets aufzuheben jede Menge Lärm in der Szene. Schon damals war die Aufregung groß, denn gerade für viele Heavyuser des Kurznachrichtendienstes gehörte diese Begrenzung zu den großen Vorteilen. Allerdings meldeten sich auf andere Stimmen zu Wort, die das – zurecht – nicht ganz so apokalyptisch gesehen haben. Zwar stimmt es schon, dass gerade der Zwang sich kurz zu fassen dazu führt, dass die Leute sich auf das Wesentliche konzentrieren – was man aber nie zu sehen bekommt, sind jene Tweets, die sich nicht auf 140 Zeichen haben beschränken lassen. Zudem dürfte der deutsche Sprachraum zu jenen Gegenden gehören, die insgeheim aufgeatmet haben. Im Gegensatz zum Englischen, fällt es im Deutschen durchaus schwerer sich derart minimalistisch auszudrücken. Dafür sorgt nicht nur das ein oder andere Schlangenwort, dass uns Muttersprachlern außerhalb einer solchen Begrenzung gar nicht mehr auffällt. Kurzum, der – kommende – Fall der „140 Zeichen“-Grenze hat beileibe nicht nur Nachteile. Beide, Kritiker und Befürworter hatten durchaus gute Argumente.

Und so dürfte es auch neben den üblichen „Jetzt verlasse ich Twitter endgültig“-Kommentaren, auch in Sachen durch einen Algorithmus kontrollierte Timeline wieder Befürworter geben. Sie werden unter anderem sicher darauf hinweisen, dass Twitteruser, die hunderten Accounts folgen – und wer tut das nicht – doch längst die Übersicht verloren haben und gar nicht wissen, was ihnen alles entgeht. Mag in gewisser Weise auch sein – allerdings fällt es mir in diesem Falle schwer mich aus dem Kritikerlager herauszubewegen.

Neben den 140 Zeichen war die chronologische Timeline einer der letzten USP’s die Twitter noch sein eigen nennen konnte. Der wieder an die Spitze des Dienstes zurückgekehrte Jack Dorsey, der ja übrigens nicht umsonst einst gehen musste, scheint zunehmend panischer zu reagieren, um dem Wachstumswahn der Wallstreet genüge zu tun. Der Kurznachrichtendienst ist längst an der Börse und die Aktionäre wollen Erfolge sehen. Erfolge allerdings kommen nur durch Wachstum, und genau daran hapert es gerade. Das alles ist nicht frei von Komik, also kosmisch betrachtet. Sind Silicon Valley-Unternehmen doch mitunter dafür bekannt die Priorität auf Wachstum, Wachstum, Wachstum zu setzen und sich erst später den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man damit eigentlich Geld verdienen will. Durch das System der Risikokapitalgeber, die unter uns, ja auf Masse, statt Klasse, bei ihren Investitionen setzen, hat das auch sehr lange ganz gut funktioniert. Ja, und irgendwann ist man dann an die Börse gegangen und hat so richtig abkassiert. Allerdings verlangt die Börse auch ihren Tribut und da gerade Börsianer nicht gerade zu den intelligenten Menschen gehören, kennen auch sie nur Wachstum, Wachstum, Wachstum – das einzige was sie nicht zu kennen scheinen, ist die simple Einsicht, dass Wachstum begrenzt ist. Der Börsianer wird von Twitter mehr Wachstum fordern, selbst wenn alle 7,39 Milliarden Menschen einen Twitteraccount hätten.

Twitter-Boss Jack Dorsey steht also nicht vor einer Herkulesaufgabe, sondern vor einem unlösbaren Problem. Sein großes Vorbild ist Apple-Gründer Steve Jobs, dem Vernehmen nach soll Dorsey allerdings nur die Menschenverachtung von Jobs gelernt haben und nicht dessen geschäftliche Genialität. Kein Wunder also, dass er die „Leute entlassen“-Karte schon längst gezogen hat. Und jetzt bleibt ihm nichts anderes übrig, als zu versuchen, was zu versuchen ist. So ist auch die Einführung eines Algorithmus für die Timeline letztlich der verzweifelte Versuch Twitter in den Mainstream zu schieben, also dort, wo Facebook wächst und wächst.

Nur wird das funktionieren? Nein!

Aus mehreren Gründen dürfte Twitter aber scheitern. Zum einen gilt zum jetzigen Zeitpunkt schlicht die Tatsache: Es wird kein Facebook neben Facebook geben! Mark Zuckerberg unangefochten die Nummer eins, und alles was ihm zum Beispiel im Messengerbereich gefährlich werden könnte, hat er vorsichtshalber schon aufgekauft. Zum anderen, auch der Facebookalgorithmus funktioniert nicht! Das fällt 99% der Facebookuser nur nicht auf, weil 99% gar nicht wissen, das ihre Timeline derart stark manipuliert wird. Übrigens bekommt selbst der User keine chronologische Timeline angezeigt, der bei Facebook „Neueste Meldungen“ anklickt bekommt eine sortierte Timeline vorgesetzt. Aus diesem Grund habe ich auch wenig Hoffnung, dass die bei Twitter vermutete Möglichkeit den Algorithmus für die eigene Timeline abzuschalten großen Sinn macht.

Algorithmen dieser Art gehören aber nach wie vor zu den gefährlichsten Entwicklungen im Internet, nicht nur, weil den meisten Menschen gar nicht bewusst ist wie stark sie manipuliert werden. Die Lernfähigkeit des Algorithmus beschränkt sich auch selbst, da ab einem gewissen Zeitpunkt die Themenwahl nur noch enger werden kann. Ist der Algorithmus erst einmal davon überzeugt, dass der User Thema A, B, C und D besonders interessant findet, erscheinen die Themen E, F und G immer weniger. Irgendwann favorisiert der User Thema A und D, so das jetzt B und C immer weniger erscheinen – und wenn E, F oder G plötzlich aus – vielleicht ja analogen – Gründen für den User wieder interessant wird, bekommt der Algorithmus davon nichts mit und der User keine Beiträge angezeigt, um es ihm irgendwie mitzuteilen. Was dem Algorithmus als perfekt zugeschnittener Themenmix erscheint, ist am Ende nur eine Themenmischung die zufällig und zeitabhängig entstanden ist.

Inwieweit der von Twitter verwendete Algorithmus genau in diese Falle tappen wird, bleibt sicher noch abzuwarten. Möglich ist ja eben auch, dass er sich etwa darauf beschränkt Tweets zu puschen, die besonders geliked werden, also retweeted wurden oder ein Herz bekommen haben. Es ist allerdings nur schwer anzunehmen, dass etwa der Faktor Interaktion dabei keine Rolle spielt und genau das führt zu ja zu den Einschränkungen. Schließlich folge ich auch so manchem Twitteraccount, den ich interessant finde oder den ich zwar wegen seiner politischen Einstellung nicht mag, aber dennoch informiert sein möchte. Und gerade letzterer bekommt sicher keine Retweets oder Herzen von mir. So steht aber zu befürchten, dass genau dieser mittelfristig so schlecht durch den Algorithmus gewertet wird, dass er quasi aus der Timeline verschwindet. Einfach weil er aufgrund der Meinung des Algorithmus soweit unten angezeigt wird, dass man ihn ganz bestimmt nicht mehr lesen wird – auch so ein Facebookprinzip, um weiter behaupten zu können, ja irgendwie doch alles anzuzeigen.

Ob es Twitter damit aber nun gelingt die Nutzerzahl wieder zu steigern ist wie gesagt aber mehr als fraglich. Wie jedes Angebot hat auch Twitter seine natürlichen Grenzen, der Markt ist nicht identisch mit jenem Teil der Weltbevölkerung, die über einen Internetzugang verfügt. Die gute alte Marktanalyse ist ja noch so eine Sache, die dem Wachstumswahn längst zum Opfer gefallen ist. Vielleicht mag es bei Twitter ja den ein oder anderen Strategen geben, der sich der ganzen Misere bewusst ist, spätestens seit die Wallstreet am Ruder ist, dürfte sich dieser aber nicht mehr durchsetzen können. Das Argument eine bestimmte Zielgruppe abzudecken und innerhalb dieser zu wachsen ist für die meisten Internetangebot obsolet geworden, woran die Kiddies im Silicon Valley, die sich nicht vorstellen können, dass da draußen Menschen anders denken als im Valley, nicht wenig Mitschuld tragen. Twitter hat eine treue Nutzerschafft, aktiv wie auch passiv. Und das Angebot hat durchaus auch noch jede Menge Potential innerhalb seiner Zielgruppe, allen voran auch bei uns in Deutschland. Die jetzt in die Wege geleitete Verwässerung wird allerdings genau diese Nutzer verprellen. Ein Umstand, der für Twitter aus zwei Gründen lebensgefährlich werden wird. Zum einen werden durch die Änderungen keine Nutzer aus anderen Marktsegmenten nachkommen, oder einfach ausgedrückt, deine Eltern sind jetzt vielleicht auf Facebook, aber was wollen sie bei Twitter? Welchen Nutzen hätten sie davon eine übersichtliche Timeline zu haben und mehr als 140 Zeichen verwenden zu können? Zum anderen ist die Grundidee hinter dem Angebot des Kurznachrichtendienstes nun wirklich nicht sensationell, sondern hat gerade durch ihre Einfachheit eine so treue Nutzerschafft gewonnen. Ein Alternativangebot, übrigens auch verknüpft mit dem Messengerbereich, online zu stellen ist schnell gemacht. Bisher hatten diese Angebote eben nur keinen Erfolg, weil Twitter immer noch Twitter war. Doch das könnte wie gesagt demnächst vorbei sein.

Update 07.02.2016 – 09:56: Der österreichische Standard berichtet über die Reaktion von Jack Dorsey auf die Empörung unter den Twitterusern. Und wirklich, man kann sich nicht entscheiden, ob es sich dabei jetzt um ein Dementi oder nicht handelt: Twitter-Chef nach Empörungssturm: „Wir hören die Kritik“