2014 gab es nur einen einzigen Popsong

Ganz ehrlich, wenn man sich diesen Zusammenschnitt von DJ Daniel Kim so ansieht, könnte man meinen es hätte dieses Jahr nicht nur lediglich einen einzigen Song gegeben, sondern eben auch nur ein einziges Video.

Aber wir alle wissen ja, dass es keinen Musikrückblick geben kann, ohne Helene Fischer:

via turi2 & Mashable

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Sollen sie ihre Wintermärkte doch haben!

Berlin ist nicht nur die deutsche Hauptstadt, es ist auch die Hauptstadt der Atheisten. Nicht nur, weil der Atheistennachwuchs dort seit Kurzem zum Welthumanistentag schulfrei bekommt, auch weil in einem Sitzungsprotokoll des Bezirkstags in Berlin-Kreuzberg folgendes zu lesen ist:

“Das Bezirksamt Kreuzberg verständigt sich darauf, dass grundsätzlich keine Genehmigungen für Veranstaltungen von Religionsgemeinschaften im öffentlichen Raum erteilt werden.”

Im öffentlichen Raum dürfen also keine christlichen, islamischen, buddhistischen usw. Veranstaltungen mehr statt finden. Manche nennen das in ihrer Blindheit noch Trennung von Kirche und Staat, andere einen falsch verstandenen und Amok laufenden Laizismus. Man könnte es auch als eine Religionsverbot im öffentlichen Raum bezeichnen.

Nun, diese Entscheidung hat mindestens zwei Auswirkungen: Sie stellt unter Beweis, dass die Mehrheit der Abgeordneten im Kreuzberger Bezirkstag das Konzept von Dingen wie Demokratie und Freiheit nicht verstanden haben und es sorgt dafür, dass der dortige Weihnachtsmarkt jetzt offiziell Wintermarkt heißt.

Zumindest mit der Namensgebung ist der dortige Markt nicht alleine, in ganz Deutschland gibt es inzwischen Winter- statt Weihnachstmärkte. Nicht immer zurückzuführen auf eine politische Entscheidung, die so eigentlich eher ein paar Jahrzehnte früher und im Ostteil Berlins zu verorten wäre.

Doch abgsehen von solchen Entscheidungen finde ich die Umbenennung auch als Katholik durchaus reizvoll, denn was haben Weihnachtsmärkte noch mit Weihnachten zu tun? Weihnachten ist doch nur noch das kalendarische Feigenblatt für Geschäftemacherei und Glühweinsauftouren nach Feierabend. Weihnachtsmärkte haben doch kaum noch etwas mit dem Weihnachtsfest zu tun, zu dessen Stattfinden sie pünktlich geschlossen werden. Sie sind doch viel mehr einer der Gründe, warum die Mehrheit in diesem Land inzwischen glaub, Weihnachten ende am 26. Dezember – obwohl es in Wahrheit da doch erst seit ein paar Tagen begonnen hat. Wo manche erst zu feiern beginnen, sinken andere vollgefressen mit Lebkuchen und getränkt von Glühwein erschöpft von alldem Stress zusammen.

Und dazu hatten sie reichlich Gelegenheit, denn Weihnachtsmärkte wachsen und in manchen Städten sind sie längst als Wirtschaftsfaktor nicht mehr weg zu denken. Neben den traditionellen Märkten entstehen dort sogar immer mehr, kaum eine Nebenstraße wird noch verschont. Blühende Weihnachtsmärkte gibt es gerade im durch die versteckte Religionsfeindschaft der Nationalsozialisten und die offene Religionsfeindschaft der SED weitestgehend entchristianisierten Osten. Gerade dort sind Weihnachtsmärkte nur noch Einnahmen versprechende Folkloreveranstaltungen. Ein Geschäftsmodell wie jedes andere. Und das sollte meiner Ansicht nach dann auch Wintermarkt heißen, oder meinetwegen in einem Anfall von Ostalgie auch Jahresendemarkt.

Vielleicht wäre es sogar besser, die Atheisten würden gleich Konkurrenzmärkte aufmachen. Im Sommer zum Beispiel, wo sie dann ihrem Spaghettimonster huldigen können und Fleischbällchenkugeln für die Spaghettimonstertanne verkaufen.

Nun bin ich natürlich nicht für die Abschaffung von Weihnachtsmärkten. Das wäre auch verlogen, denn zumindest einmal im Jahr trinke ich dort auch mein Gläschen Glühwein. Die rücksichtslose Vermarktung von Weihnachten macht mir allerdings auch hier Sorgen, vor allem weil sie die eigentliche Bedeutung der Adventszeit geradezu pervertiert. Ist der Advent doch eigentlich als eine kleine Fastenzeit konzipiert.

PEGIDA: Gegen Wahnvorstellungen helfen keine Argumente

Ich hab ja lange überlegt, ob ich zu diesen PEGIDA-Leuten was bloggen soll. Immerhin ist die Situation in Würzburg recht gut, auf einen Pegidianer kommen zehn Gegendemonstranten (von denen man freilich auch wieder den ein oder anderen abziehen muss, weil er keinen Deut besser ist, aber am linken Rand des Spektrums wenig mit Freiheit und Toleranz anfangen kann).

Wenn ich aber nach Dresden schaue, dann überrascht es mich nicht, dass dort Nazis rumlaufen. Das tun sie überall, im Westen nur ein bisschen unauffälliger. Wenn ich aber sehe, dass dort inzwischen 10.000 Menschen auf die Straße gehen, dann kommt mir nur noch der Rattenfänger von Hammeln in den Sinn. Klar, man kann das alles differenziert sehen. Da demonstrieren Menschen, die die schlimmen Auswirkungen von Hartz IV sehen, die nicht in einer “marktkonformen Demokratie” leben wollen und ganz generell mit “denen da oben” nicht viel anfangen können. Auch das war schon immer so. Nicht alle, die in der Weimarer Republik die NSDAP gewählt haben, waren glühende Antisemiten, sie haben den Antisemitismus nur schulterzuckend in Kauf genommen. Was es allerdings auch nicht besser macht, oder?

Lohnt es sich also eine differenzierende Haltung einzunehmen, zu versuchen, den Menschen ihre irrationalen Ängste zu nehmen? In Sachsen wird derzeit von der CDU regiert (Gerüchten zufolge zusammen mit der SPD), ein Einknicken und ausländerfeindliche Gesetze dürften da nur eine Frage der Zeit sein. Was angesichts des nicht einmal 3%igen Ausländeranteils ein schlechter Witz ist. Wenn man nur die Muslime nimmt, dann muss man jene, gegen die die PEGIDA demonstriert, schon mit der Lupe suchen. Ob die wirklich eine Islamisierung des Abendlandes auf die Reihe kriegen?

Gegen Sündenböcke zu demonstrieren war allerdings ja auch nie anders. Das Prinzip ist seit Jahrhunderten gleich: Eine Minderheit, die sich nicht wehren kann, wird mit Verschwörungstheorien zur großen Macht/Bedrohung fantasiert, und dann kann man sich die Sündenböcke vorknöpfen. Das war so und das wird immer so bleiben. Leider, aber damit müssen wir leben.

PEGIDA ist eine Gruppe, die von Rassisten und schlecht getarnten Nazis gelenkt wird, und der inzwischen mehr als 10.000 hinterherlaufen. Fern auch nur den Horizont der Realität zu sehen, gröllen sie in plumpe Parolen gepackte Unwahrheiten nach und kämpfen gegen eine Bedrohung an, die psychologisch betrachtet quasi die Bedingungen von Wahnvorstellungen erfüllt. Verständnis, Differenzierung, Erklärungen oder das entgegenhalten der Wahrheit ist reine Zeitverschwendung. Menschen, die sich derart in ihr eigenes Weltbild geflüchtet haben, sind kaum noch zu erreichen.

Und diese beiden Dinge machen mir als Anhänger von Thomas Hobbes Angst. Über 10.000 Unbelehrbare, die aufgrund ihrer rassistischen Einstellung eine wandelnde Gefahr für Bürger dieses Landes sind, ängstigen mich, angesichts der Tatsache, dass der deutsche Staat hinlänglich unter Beweis gestellt hat, wie unfähig er im Umgang mit rechter Gewalt ist. Mir klingen noch Rostock, Lichtenhagen und Hoyerswerda in den Ohren, als die Staatsgewalt nicht ohnmächtig zuschaute, sondern nicht eingreifen wollte. Oder die NSU-Morde, die Jahre als eine Mordserie unter Ausländern galt. Ein Umstand der, sagen wir es einmal so, nicht unbedingt ein motivierendes Element für die Polizei war die Taten aufzuklären.

Die Etablierung der AfD im deutschen Parteiensystem war der Dammbruch, NPD und Republikaner hatten oder haben auch ihre Abgeordneten, aber erst die AfD macht in Deutschland rechtes Gedankengut wieder salon- und politikfähig. Und wenn jetzt 10.000 Demonstranten in Dresden offen ihren Rassismus zur Schau tragen, dann ist das alles andere als ein gutes Zeichen für den Fortbestand der demokratischen Grundordnung in diesem Land. Einem Land, in dem die staatliche Ordnung schon einmal auf ganzer Linie versagt hat. Wenn es also PEGIDA gelingt den Wahnvorstellungen, die um keinen Deut besser sind als Hitlers jüdische Weltverschwörungen, wieder im deutschen Kleinbürgertum zu etablieren, sehe ich sehr schwarz – verdammt schwarz.