Buchkritik: And Good Is

Buchkritik zu "And Good Is"

In gewisser Weise ist es fast schon ein Paradox. Die kulturelle Globalisierung unter amerikanischen Vorzeichen führt dazu, dass wir alle ein bisschen den American Way of Life leben und dennoch erscheint uns das Leben in den USA manchmal ebenso fremd, wie die indische Kultur oder das Leben in einem Stamm in Papa Neuguinea. Wir begegnen ihnen jeden Tag im Fernsehen, aber der Amerikaner an sich ist uns fremd und unverständlich. Dabei müssten wir einfach mehr angeln.

“Angeln verkörpert den amerikanischen Geist: jenes Gefühl von ungebremstem, im gesamten Land spürbarem Optimismus, dass jedes Auswerfen das Potenzial zu einem noch tolleren Resultat birgt.”

Quelle: John Madison in “And Good Is”

In “And Good Is” erklärt uns John Madison als Insider wie sie sind, diese Amerikaner. Und ganz nebenbei, hat er auch den ultimativen Tipp in den USA reich zu werden: Einfach einen Biergarten aufmachen, das ist praktisch die Lizenz zum Geld drucken – wären da nicht die von Bundesstaat zu Bundesstaat merkwürdigeren Gesetze, wenn es ums Alkohol trinken geht.

Der Nachfolger des Bestsellers “Nothing For Ungood” kann gleich doppelt sinnvoll sein. Für die einen ist es ein amüsantes Buch über Amerika, so für zwischendurch. Für die anderen aber hat das Ehepaar John und Bettina Madison den ultimativen Survival Guide für einen Urlaub oder gar ein Leben in den USA geschrieben. Mit “And Good Is” in der Reisetasche stehen die Chancen einen US-Trip zu überleben ganz gut – auch weil man sich dort über jeden Bundesstaat einzeln informieren kann.

Natürlich ist das Buch aber in erster Linie eine humorvoll geschriebene Liebeserklärung an ein etwas verrücktes Land und seine noch ein bisschen verrückteren Einwohner – die natürlich trotzdem die Tollsten sind. Und ganz nebenbei räumt Madison auch noch mit diesen skurrilen Gesetzen auf, die manchen in Europa so amüsieren. Klar gibt es die, aber die Amerikaner haben einen ganz sinnvollen Weg gefunden damit umzugehen – sie beachten sie gar nicht. Und dürften im schönen Staat Montana auch eine Gruppe von acht Indianern ungestört gemeinsam spazieren gehen, obwohl man sie per Gesetz erschießen dürfte.

FACTS: “And Good Is” von John Madison, Bettina Madison – 1. Auflage erschienen 2011 bei Bastei Lübbe – ISBN: 978-3-404-60009-0

Hausrecht bei Facebook hat nur Facebook

Meine Facebook-Seite gehört mir! So manches Unternehmen, Sportverein oder Webseite glaubt das tatsächlich noch, wenn eine Facebook-Seite angelegt wird. Doch schon zweitklassige Social Media-Experten ziehen diesen Zahn recht schnell, denn eine Facebook-Seite gehört nicht dem Unternehmen oder der Marke, die links oben im Profilbild prangt – sondern den Facebook-Usern, den Fans dieser Webseite.

Soweit die Theorie, die Praxis führt uns aber vor Augen, dass das natürlich alles nur Quatsch mit Soße ist. Egal was auf Facebook online ist, es gehört niemanden außer Facebook. Mit der Causa München hat Facebook der Welt noch einmal klipp und klar bestätigt, wer als einziger das Hausrecht hat.

Fast eine Woche lang war die Facebook-Seite Münchens kurzerhand aus Facebook verschwunden und der Online-Welt die Machtlosigkeit eines Admins einer Facebook-Seite vor Augen geführt. Zum nachlesen noch Mal folgender Link: Facebook löscht München-Seite ohne Vorwarnung Ohne Vorwarnung vielleicht, aber wie nachzulesen ist, nicht ohne Hintergedanken, will das Social Network doch eigene Seiten für Städte machen und da stören die Facebookseiten der Städte eben. Und was Facebook beschließt, das wird in Facebook auch gemacht. Übrigens könnte es auch andere treffen, Sportvereine oder andere Organisationen – je nachdem, was den Strategen von Facebook einfällt (und was als Werbekunde nicht wichtig genug ist).

“Ohne Vorwarnung, ohne erkennbaren Grund. Über die Facebook-Seite konnte man schnell und einfach die Abonnenten der Fanseite über Veranstaltungen auf dem Laufenden halten oder Bilder teilen. Csery [Geschäftsführer von muenchen.de] ärgert sich vor allem über die Unzuverlässigkeit seines Geschäftspartners.”

Quelle: Handelsblatt.de

Man muss also ein bisschen Schmunzeln, wenn Facebook hier als “Geschäftspartner” verstanden wird. Zumindest handelt es sich dabei nicht um einen Geschäftspartner der alten Schule, als AGBs noch eine gewisse Haltbarkeitszeit hatten. Nicht wenige Admins von Facebook-Seiten glauben, wie wohl auch in diesem Fall, eine Seite bei Facebook zu betreiben sei wie eine Webseite bei 1&1, Domainfactory oder anderen Providern ins Netz zu stellen.

Mit all dem will ich jetzt aber natürlich nicht sagen, dass Facebookseiten keinen Sinn machen. Sie sind im Social Media-Bereich noch immer das Mittel der ersten Wahl (nicht in allen, aber den meisten Fällen), wenn es darum geht in Kommunikation mit Kunden, Fans, Zuschauern – echten Menschen zu treten. Wer begriffen hat, dass das Internet ein Kommunikationsmedium ist und dies auch für sich nutzen will, dem bietet Facebook eine kostengünstige, wenn auch arbeitsintensive Methode dies zu tun. Aber ähnlich wie Privatleuten bewusst sein muss, dass Facebook nur funktioniert, wenn man etwas von sich preis gibt und auch weiß, dass Facebook diese Daten nutzt, so müssen sich Unternehmen eben bewusst sein, dass sie sich mit einer Unternehmensseite der Willkür von Facebook aussetzen. Mit diesem Faktor muss man rechnen – und das verbietet auch ein bisschen mehr, als die Unsitte und krude Idee, die vor gar nicht allzu langer Zeit umging, Webseiten zugunsten eines Facebookauftritts abzuschaffen.

Update:

Ein weiterer Fall, diesmal betraf es aber schon ein Medienunternehmen: Facebook dreht Antenne Voralberg Freunde ab [via medienrauschen]

Filmkritik: Super – Shut Up, Crime!

Super - Shut Up, Crime!

Es gibt ein paar Grundregeln in Sachen Film, die wahrscheinlich immer irgendwie zutreffen. Eine dieser Grundregel lautet spätestens seit Hard Candy, es gibt keine schlechten Filme mit Ellen Page - und das trifft auch voll auf “Super – Shut Up, Crime!” zu.

Koch Frank Darbo (Rainn Wilson) hatte wenig glückliche Momente im Leben. Einmal zeigte er einem Polizisten, wo sich ein Verbrecher versteckte, das andere Mal heiratet er die Kellnerin Sarah (Liv Tyler). Doch als die ehemalige Alkoholikerin mit dem Drogendealer Jacques (Kevin Bacon) durchbrennt, bricht für Frank die Welt zusammen. Von einer Vision geplagt, der überdimensionale Finger Gottes legt sich auf sein vorher von Tentakeln freigelegtes Gehirn, wird er schließlich zum feuerroten Superhelden – der freilich etwas übertreibt und schon mal Leuten, die sich in der Kinoschlange nach vorn drängeln, krankenhausreif schlägt. So richtig unterstützt wird er dabei von Comic-Verkäuferin Libby (Ellen Page), die, erstmal im Kostüm des Sidekick Girl, auch gar nicht zu wenig auf die Bösen einprügeln kann.


Das Einzige was man dem Film von James Gun wirklich vorwerfen kann, ist seine nicht zu übersehende Ähnlichkeit zu Kick Ass. Beide Filme haben zwar klar die gleiche Thematik, entstanden aber etwa zeitgleich. Im Vergleich zu “Kick Ass” wirkt aber realistisch und in Sachen Selbstjustizdrama im Comicheldengewand satirischer, dunkler und – eben einen Tick besser.

Das liegt nicht zuletzt natürlich an den hervorragenden Schauspielern. Rainn Wilson als der typische amerikanische Looser, der sich ins Superheldenkostüm klemmt – verdammt überzeugend. Ellen Page als Comic besessenes Supergirl – zuerst bezaubernd, dann beängstigend. Kevin Bacon als narzistischer Drogendealer – durchaus einem Tarantino-Film würdig. Kurzum, Regisseur James Gunn scheint für sowas ein verdammt gutes Händchen zu haben. Besonders die Chemie zwischen den beiden Möchtegern-Superhelden passt perfekt. So gut, dass man ihr keine Sekunde nicht abkaufen würde, dass sich hier – trotz allen Schmalz in Richtung Liv Tyler, die übrigens ziemlich blass bleibt – die wirkliche Lovestory innerhalb des Films abspielt.

FACTS: Super – Shut Up, Crime! (USA 2010) – Regie: James Gunn – Darsteller: Rainn Wilson, Ellen Page, Kevin Bacon, Liv Tyler

Der Blick des heiligen Kilian

Kann man einen Abgabetermin für einen Literaturwettbewerb verpeilen? Ja, man kann. Der Vorteil ist aber, man kann die Kurzgeschichte, die man einreichen wollte, schon vorher hier veröffentlichen:

Der Blick des heiligen Kilian

Der vorletzte Rückblick

Wohl zum vorletzten Mal, mein Würzburger Wochenrückblick für das TV touring Blog.

Filmkritik: Underworld Awakening

Filmkritik: Underworld: Awakening

Ganz ehrlich, “Underworld: Awakening” war ein Film, auf den ich mich 2012 durchaus gefreut habe. Wahrscheinlich hat das letztlich nur dafür gesorgt, dass ich nach dem Ende des Films noch ein bisschen mehr enttäuscht war. Nicht das der 4. Teil der Underworld-Reihe wirklich schlecht wäre, aber mit den ersten beiden Teilen und nicht mal mit dem Prequel “Underworld – Aufstand der Lykaner” – und das will was heißen – kann der neueste Streifen der Reihe mithalten. Und wenn man das offene Ende richtig deutet, dann wird es wohl auch einen 5. Teil geben, der nicht besser wird.

“Underworld: Awakening” hat den dunkel-düsteren Touch der Vorgänger komplett ad acta gelegt, fast schon auf den Müll geworfen. Einem riesigen Müllhaufen, auf dem sich auch der mythologische Aspekt, und schlimmer noch, die Story wiederfindet. Die Ansätze sind da, der Hintergrund durchaus geschaffen. 12 Jahre nach “Underworld: Evolution” weiß die Menschheit von der Existenz der Vampire und Lykaner und hat sie beinahe ausgerottet. Doch was an Hintergrund vorhanden ist, wird von Regisseur Måns Mårlind nur soweit ausgearbeitet, wie man es für ein Videospiel tun würde. Und so wirkt Selene (Kate Beckinsale) auch nur wie eine Computerspielheldin, die sich zum großen Finale hin durchkämpft.


Das Durchkämpfen ist freilich ordentlich inszeniert, wenn man auch den ein oder anderen “Wir machen jetzt auf 3D”-Unsinn zu sehen bekommt.Vielleicht ist das aber auch die simple Erklärung für die Schwächen des Films. Schließlich neigt Hollywood dazu 3D-Filme zu drehen, um 3D zu zeigen – Handlung wird bei soviel Effekthascherei zur kleinen Nebensache. Und wenn wir schon beim Thema sind, wer dachte angesichts der 3D-Version würde Måns Mårlind die Regieanweisung von Len Wiseman in “Underworld: Evolution” wiederholen, möglichst oft Kate Beckinsale in ihrem hautengen Latexkostüm zu zeigen, der hat sich getäuscht – obwohl die ein oder andere kleine Kamerafahrt auf Selenes Hinterteil wird dem männlichen Publikum dann doch nicht vorenthalten.

Was am Ende aber übrig bleibt, ist ein blutarm auf die Leinwand gebrachter 4. Teil einer Filmserie, die durchaus das Zeug gehabt hätte über den 3. Teil hinaus gut zu sein – und so dem allgemeinen Filmtrilogie-Regeln hätte widersprechen können. Doch Måns Mårlind und Len Wisman als Mit-Autor und Mit-Produzent haben es am Ende einfach vermasselt.

FACTS: Underworld: Awakening (USA 2012) – Regie: Måns Mårlind – Darsteller: Kate Beckinsale, Stephen Rea, India Eisley, Sandrine Holt

Buchkritik: Blauer Montag

"Blauer Montag" von Nicci French

Kann man in einer Therapie ein Verbrechen gestehen? Oder, was macht ein Therapeut, wenn er glaubt sein Patient würde gerade ein Verbrechen begehen? Was wird dann aus der Vereinbarung zwischen Therapeut und Patient, das nichts die Praxisräume verlässt, was dort im Vertrauen erzählt wird? Na ja, Therapeuten sind keine katholischen Priester, derartige Gewissenkonflikte bleiben ihnen erspart – und so geht auch Frieda Klein, Protagonistin im Thriller Blauer Montag des Autorenduos Nicci French irgendwann zur Polizei.

Wie alle Therapeuten nur ein Wink davon entfernt, selbst wieder eine Therapie zu machen, landet nämlich Alan Decker bei Frieda Klein in der Praxis. Ein Mann mit übermäßigem Kinderwunsch, so übermäßig, dass seine Therapeutin ihn zu verdächtigen beginnt, er könne hinter der Entführung eines kleinen Jungen stecken, die kurz vor Weihnachten ganz London in Aufregung versetzt.

Nicci French, das Autorenpaar Nicci Gerrad und Sean French, beginnen durchaus furios, rasant, ohne dabei aber ein zu schnelles Tempo vorzulegen. Ihre Hauptfigur führen sie bald ebenso gut ein, wie die ein oder andere Nebenfigur – und beginnen zu gleich einen guten Spannungsbogen aufzubauen. Erstaunlicherweise gelingt es ihnen sogar im Großen und Ganzen den Spannungsbogen die über 400 Seiten des Thrillers aufrechtzuerhalten, ohne ihn allzu sehr zu überspannen. Nur ganz am Ende ist es vielleicht das ein oder andere Finale zu viel und das Ende des Bösen hätte man sich wohl doch besser gespart. Unglaubwürdig, dabei handelt es sich nicht mal um den fiktionalsten Akt dieser Geschichte die tief in die Psyche und Zwillingsforschung hineingeht. Man hat eher das Gefühl, dass den Autoren das Happy End am Ende noch nicht unhappy genug war.

Das kann jedoch den Gesamteindruck nicht zerstören, mit “Blauer Montag” einen soliden und spannenden Thriller gelesen zu haben, der Auftakt eine ganzen Reihe mit Geschichten rund um die Psychotherapeutin Frieda Klein sein soll. Ob es allerdings reicht, dass ich mir das Erscheinungsdatum von “Eisiger Dienstag” – angepeilt ist Ende diesen Jahres – in meinen Kalender zu notieren, wage ich zu bezweifeln. “Blauer Montag” ist nicht schlecht, aber weit davon entfernt überragend zu sein.

FACTS: “Blauer Montag” von Nicci French – 1. Auflage, erschienen bei C. Bertelsmann – ISBN 978-3-570-10082-0

2 x Zellerau

Fußball mit Aufklebern

Vorsicht, Eisball!

Filmkritik: Gothic & Lolita Psycho

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Manchmal, das muss ich schon zugeben, sehe ich mir einen Film an und am Ende schüttle ich den Kopf und murmele: Okay, das muss ich jetzt nicht verstehen. Neu in dieser Reihe von Filmen, findet sich seit heute der “Einmal blutig bitte”-Streifen aus Japan “Gothic & Lolita Psycho”. Die ersten 3/4 des Films sind ja noch irgendwie logisch, nicht besonders einfallsreich, aber rasant, blutig – japanisches Gemetzelgenre halt. Yuki (Rina Akiyama) muss als Teenager mit ansehen, wie ihre Mutter von einer Bande brutal ermordet wird und beginnt ein paar Jahre später als Gothiclolita kostümiert mit einem tödlichen Regenschirm ihren Rachefeldzug. So’ne Art “Kill Bill”-Story auf gut 90 Minuten zusammengekürzt.

Es kommt zum finalen Kampf zwischen Yuki und dem Anführer der Bande, SPOILERWARNUNG !!! sie muss noch mit ansehen, wie ihr Vater ermordet wird und darüber wird sie so wütend, dass sie sich in einen Dämon verwandelt. Ein Erbe der mütterlichen Seiten, wie ein ein paar Szenen zuvor in die Handlung geschobener Traum nahelegt.

Wie gesagt, im Film wird das ganze nicht so recht verständlich. Aber macht ja auch nichts, man kann sich ja auf den “Kill Bill”-Teil konzentrieren, der langweilig ist, aber blutig und gut choreographiert. Der skurrile Humor kommt etwas zu kurz, einzig Lady Elle (Misaki Momose) hält ihn am Ende ein bisschen hoch – übrigens die deutlichste Hommage von Regisseur Gô Ohara an Quentin Tarantino’s “Kill Bill”. Als wollte sie sämtlich bizarren Humor auf sich vereinen, killt sie sich als Schulmädchen mit einer Augenklappe durch das Tokio der nahen Zukunft. Nur sie alleine reicht irgendwie nicht, aber zumindest hat es allein ihr Klingelton auch schon auf YouTube geschafft. Wie auch immer, sobald Yuki auch Lady Elle erledigt hat, fehlt dem Film auch die letzte Chance doch noch nennenswert zu werden.

Kurz um, so richtig zünden will “Gothic & Lolita Psycho” in keinerlei Hinsicht. Nicht einmal als Lückenfüller für Genrefans zwischendurch.

FACTS: Gothic & Lolita Psycho (Japan 2010) – Regie: Gô Ohara – Darsteller: Rina Akiyama, Ruito Aoyagi, Misaki Momose, Asami Sugiura

Ich google, also bin ich?

Meditationes de prima philosophia - Renatus Cartesius

Denken, oder googlen?

Es ist schon das ein oder andere Jahr her, als der Philosoph René Descartes den Satz prägte “Ich denke, also bin ich”. Würde man diesen Satz heute formulieren, nicht wenige Gesellschaftskritiker würden wohl im verzweifelten Versuch zu provozieren schreiben: Ich google, also bin ich.

Vor ein paar Tagen habe ich von einem Konzept mancher Philosophen gelesen, das sich wohl am besten mit ein “erweitertes Bewusstsein” oder einem “erweiterten Geist” beschreiben ließe. Die prinzipielle Annahme ist eigentlich recht simpel, man geht davon aus, dass sich in Sachen Geist die Sache nicht innerhalb des eigenen Kopfes erschöpft. Der Mensch greift auf Hilfsmittel / Datenspeicher außerhalb seines eigenen Gehirns zurück, sozusagen eine Art Erweiterung des Denkapparetes.

Ein klassisches Beispiel: Person A, will ein Museum besuchen, erinnert sich aber erst nach einiger Zeit an die Adresse. Person B, will das gleiche Museum, leidet aber an Demenz schreibt sich deshalb alles auf und schlägt die Adresse nach.

Und was das Notizbuch des einen ist, das ist der Suchschlitz von Google für den anderen. Frei nach dem Motto, wir müssen uns die Dinge nicht merken, sondern nur wissen, wo wir sie finden. Das ist effizient und unser Gehirn weiß das auch. Vor allem ist die Idee des ausgelagerten Wissens nicht neu, oder warum sonst wurden Bibliotheken erfunden. Und was ist die größte Bibliothek von allen, richtig, Google.


Natürlich hinkt die Analogie ein bisschen, Google ist eher so etwas wie ein dynamisches Inhaltsverzeichnis, aber das kann man vernachlässigen. Wichtig ist nur, dass wir spätestens seit der Erfindung des Smartphones immer und überall Zugriff auf das Wissen der Welt haben können. Das Smartphone von heute ist so etwas wie das Notizbuch von dem selbst Mr. Spock nur hätte träumen können. Es stellt uns mehr Wissen als jede einzelne Bibliothek bereit und wir müssen es nicht mal selbst eintragen – wenn wir auch freilich die ein oder andere Notiz hinzufügen.

Eine schöne neue Welt also, in der niemand viel wissen muss, um bei Bedarf alles zu wissen. Doch wie das mit den schönen neuen Welten so ist, sie sind eigentlich gar nicht so furchtbar toll, wie die Idealisten glauben.

Problem Nummer 1: Das Quasimonopol von Google sorgt dafür, dass wir bei Bedarf nicht alles wissen, was wir wissen könnten / müssten. Wir wissen nur, was uns Google zu wissen ermöglicht / erlaubt. Wir sind abhängig von Suchmaschinen … Problem Nummer 2: Wir sind abhängig von Suchmaschinen und was ist, wenn wir plötzlich auf Entzug sind. Was ist, wenn mal kein Smartphone zur Hand ist oder keine Verbindung zum Netz möglich ist. Unter uns, im Zweifel ist im Ernstfall ein MacGyver vielleicht nützlicher, als ein Smartphone.

Denn das Konzept des erweiterten Geistes hat ein großes Manko, der Geist wird ja gar nicht erweitert, sondern das Wissen. Google entlastet also sozusagen unser Gedächtnis – die Frage ist nur, ist das jetzt auch gut so. Schließlich passt sich das Gehirn organisch erstaunlich schnell an die Umstände an und wollen wir wirklich, dass unsere Gedächtnisfähigkeit abbaut, nur weil wir Google nutzen können / könnten. Am Ende hat selbst MacGyver vergessen, wie man mit einer Büroklammer und Kaugummipapier die Kernschmelze aufhält und ausgerechnet in diesem Moment hat sein iPhone keinen Empfang. Und das wär doch blöd, oder?