
Doctor Who - Eine Spur zu britisch?
Es soll Kontinentaleuropäer geben, die eine Menge Dinge an den Briten nicht verstehen. Ihre Angewohnheit auf der falschen Straßenseite zu fahren oder gerne auch mal einen Snickers zu fritieren. Oder warum sich die Briten über Jahrzehnte von Doctor Who begeistern lassen. Denn so wirklich Fuß hat der gute Doctor auf dem Kontinent – auch wenn sich mit der neuen Serie etwas verändert hat – nie wirklich. Zwar hatte schon früher der ein oder andere Privatsender versucht die BBC-Serie nach Deutschland zu bringen, aber wie RTL dann zum Beispiel mitten in der Nacht sprichwörtlich versendet. Wie gut, dass ich noch nie viel von Schlaf gehalten habe.
Solltes es übrigens in good old England eine Diskussion darüber geben, wer von den inzwischen insgesamt 11 Doctors (nur auf die BBC-Serie bezogen) der Beste ist, sollte das eigentlich klar sein: Es ist zweifellos der 7., gespielt von Sylvester McCoy. Und dementsprechend ordere ich auch nur von ihm und seiner Begleiterin Ace (Sophie Aldred) die DVDs bei Amazon.co.uk. So wie “Battlefield” zum Beispiel, einer Story die ich in Deutschland zuvor noch gar nicht gesehen habe.
Doctor Who aka. Merlin, der Zauberer
“Battlefield” greift tief in die Mythologie der britischen Insel, zurück in die Welt von Arthur und Excalibur und zieht sie in die Moderne. (Na ja, oder die 1980er Version der Moderne.) Und vielleicht zeigt das auch ganz deutlich auf den Grund, warum Doctor Who so lange eine rein britische Veranstaltung war. Die Serie ist einfach zu britisch, und erst die Neuauflage hat mehr auf den internationalen Markt (oder eigentlich den amerikanisierten Markt) abgezielt. Und auch mein Lieblingsdoktor ist letztlich vom Auftreten eher ein skurriler britischer Intellektueller, als ein intergalaktischer und interdimensionärer Timelord. Kurz um, ich habe das düstere Gefühl man muss schon ein bisschen anglophil sein, um schon seit Jahren Fan des Doctors zu sein.
Vorrangig geht es in “Battlefield” um Kampf und Ehre, für den ausgewachsenen Pazifisten Doctor Who natürlich eine kleine Herausforderung. Hintergründig spielt sich aber hier konzentriert das ab, was einige als Emanzipation der Companions, der Begleiterinnen des Doctors, die ebenso wie der Doctor selbst in den letzten 40 Jahren durchgewechselt haben, bezeichnen würden. Zwar wird die BBC nie auf die Idee kommen aus dem 12. Doctor vielleicht eine Frau zu machen, aber seit der guten Ace sind zumindest die Begleiterinnen keine kleinen Frauchen mehr, die eher schmücken, als zur Geschichte beitragen. Überhaupt ist “Battlefield” sehr weiblich geprägt. Nicht nur mit Morgana (sehr gut gespielt von Jean March) als Gegenspielerin des Doctors, der sich auch als Regeneration von Merlin herausstellt.
Am Ende ist der Doctor immer noch der Held
Am Ende ist der Doctor zwar immer noch der Held der Geschichte, aber eben nicht mehr ihre einzige tragende Person. Das macht die Handlung vielschichtiger und interessanter und es macht auch den Timelord menschlicher.
FACTS: Doctor Who – Battlefield (GB 1989) [UK-Import] – Regie: Michael Kerrigan – Darsteller: Sylvester McCoy, Sophie Aldred, Jean March, Angela Bruce, Nicholas Courtney
