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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Buchkritik: Psychologie für die Westentasche

Kann man eine “kompakte und zugleich umfassende Einführung” in die Psychologie in unter 130 Seiten schreiben? Linde Salber hat es versucht und ist damit klar gescheitert. Die Psychologin und Psychotherapeutin legt ein Büchlein vor, bei dem hauptsächlich der 2. Teil des Titels stimmt. “Psychologie für die Westentasche” passt ganz gut in die Westentasche. Wer sich allerdings eine gute Einführung in das Thema “Psychologie” verspricht, der wird enttäuscht sein.

Dabei hat Linde Salber ein durchaus interessantes kleines Büchlein vorgelegt, das bisweilen kurzweilig und informativ das besagte Thema streift, aber wahrscheinlich nochmal um gut 30 Seiten hätte gekürzt werden können, würde man die bildungsbürgerlichen Selbstverliebtheiten der Autorin herausstreichen. Diese typische wie dümmliche Glorifizierung der Antike zum Beispiel oder der wissenschaftliche Zwang Aufklärung und Religion nur in der Konfrontation sehen zu können. Und bisweilen wäre die Autorin auch ein wenig glaubhafter, würde sie die von ihr geforderte Objektivität auch selbst vorleben – vorschreiben.

“Psychologie schüchtert ein und fasziniert zugleich.”

Linde Salber in “Psychologie für die Westentasche”

So aber hält der von der Psychologie faszinierte Leser eine wenig geeignete Einführung in das Thema in denen Händen, die mir weder für den Laien noch für den eventuell an einem Studium der Psychologie jungen Menschen geeignet scheint in das Thema einzusteigen. Trotz einem strukturierten Inhaltsverzeichnis haben die rund 130 Seiten nämlich nicht einmal wirklich Struktur und manches Mal fragt man sich sogar, was hat das denn jetzt eigentlich mit dem Thema zu tun. Das liegt nicht einmal daran, dass die entsprechende Schilderung nichts mit Psychologie zu tun haben würde, sondern eher daran, dass es der Autorin nicht gelingt den Zusammenhang zu verdeutlichen.

Kurzum, man sollte sich von der kompakten Form und dem gleichnamigen Versprechen auf dem Buchumschlag nicht täuschen lassen und im Zweifel doch lieber zu einem etwas dickeren Buch greifen.

FACTS: Psychologie für die Westentasche von Linde Salber – 1. Auflage – Piper 2006 – ISBN 978-3-492-04975-7

Buchkritik: Baseball verständlich gemacht

Kann man Baseball aus einem Buch lernen? Wahrscheinlich nicht, man muss es wohl selbst spielen oder zumindest Spiele sehen – und mindestens Amerikaner sein. Denn auch wenn die Baseballleidenschaft in unseren Breitengraden gelegentlich einmal aufzuflammen scheint, so richtig durchsetzen wird sich die vielleicht amerikanischste aller Sportarten in Deutschland leider weder mittel- bis langfristig.

So bleibt für viele der praktische Nutzen zumindest ein bisschen etwas von Baseball zu verstehen darin begründet, mit diesem Wissen den Amerikaner an sich besser zu verstehen oder zumindest die Filme und Serien, die er über den Atlantik schickt. Und vielleicht ist ja dann auch ab und zu wieder ein Film dabei wie “Die Bären sind los”, der die Baseballeuphorie wieder ein bisschen anheizen kann. Bei mir hat das seinerzeit zumindest funktioniert und wenn man Thomas D. Cyrol, Autor von “Baseball verständlich gemacht”, glauben darf, war ich damit bestimmt nicht der einzige.

Und diese Begeisterung merkt man Thomas D. Cyrol durchaus an, da geht man auch schon mal davon aus, dass die positive Stimmung was den Aufschwung von Baseball angeht zum Zeitpunkt in dem das Buch entstand wahrscheinlich sogar da war und man sie nur im Rückblick nicht mehr sieht.

“Baseball verständlich gemacht” gliedert sich im Wesentlichen in zwei Teile. Im 1. Teil stellt Cyrol die Grundzüge des Spiels vor, die wichtigsten Regeln und Zählweisen sowie ein paar typische Spielzüge. Mit anderen Worten, er gibt dem interessierten Baseballfan die Mittel und Wege an die Hand nach sechs Monaten voller Baseballspiele gucken vielleicht zum ersten Mal einen Spielzug selbst verstanden zu haben.  Das dabei nicht alles sofort komplett verständlich ist, kann man getrost auf die Sportart schieben und den Autor damit reinwaschen. Der 2. Teil widmet sich kurz der Geschichte des Baseball in den USA und in Deutschland und stellt dann die MLB-Teams in ein zwei Sätzen vor. Und gibt damit auch den ein oder anderen Überblick, schließlich kann es bei der Entdeckung von Baseball auch nicht schaden mit einem eigenen Lieblingsteam mitzufiebern – es müssen ja nicht unbedingt wie bei mir die Chicago Cubs sein.

FACTS: Baseball verständlich gemacht von Thomas D. Cyrol – 4. Auflage – Copress Sport 2004 – ISBN 3-7679-0561-2

Restaurantkritik: Schwarzer Adler, Uffenheim

Bild: Benjamin Klack / pixelio.de

Bild: Benjamin Klack / pixelio.de

Gibt es eigentlich eine statistische Erhebung darüber wie viele Gasthäuser in Deutschland “Schwarzer Adler” heißen? Wahrscheinlich ziemlich viele und so hat der “Schwarze Adler” in Uffenheim lieber gleich die Domain www.gastsein.de für seinen  Internetauftritt gewählt. Die Webseite stammt im Wesentlichen wohl aus dem Jahr 2007 und spiegelt irgendwie nicht mehr die Liebe zum Detail wider, die dem Gast zum Beispiel beim Studieren der Speisekarte entgegen kommt. Da gibt es zum Beispiel einen Habenichtsteller, bei dem (ältere) Kinder mit eigenem Besteckt gerne bei ihren Eltern mitessen dürfen. Oder den Sauerbraten von Oma Sophie, der mit einer Familiengeschichte in der Karte vertreten ist.  Ein echter Familienbetrieb eben, nicht nur was Service und Küche angeht.

Der Sauerbraten von Oma Sophie

Die Küche ist gut fränkisch, berücksichtigt die Saison und hat preislich ein günstiges bis angemessenes Niveau. Abgerundet von einer guten Weinkarte und dem ein oder anderen Zwetschger, der den Gast von der Theke her anlächelt. Die Einrichtung mit ihren Parkettböden und altmodischen Tischen und Stühlen bewahren den Gasthausstil, ohne modernen Komfort zu verhindern.

Die Küche serviert schnell, wenn auch nicht ganz fehlerfrei – was z.B. eine Sonderbestellung bei einem Salat betrifft. Kleine Fehler lassen sich aber auch schnell wieder beseitigen und bei vollem Haus kann man auch mal eine Minute länger auf die Bedienung warten. Der Kunde/Gast ist zwar König, aber auch ein König weiß schließlich sich zu benehmen.

Der Sauerbraten von Oma Sophie hat übrigens wie bereits erwähnt eine nette kleine Geschichte, deshalb ist er aber dennoch “nur” gut und nicht “sehr gut” oder “ausgezeichnet”. Im Gegensatz zu den perfekten Kartoffelklößen fehlt ihm irgendwie das besondere Etwas, der letzte Pfiff, die Note, die ihn von anderen abhebt. Vor allem die Soße wirkt am Ende in ihren Geschmacksnoten ein bisschen allein gelassen, als hätte die ein oder andere Zutat noch gefehlt. Aber wer ist schon perfekt?

FACTS: Gasthof Schwarzer Adler, Uffenheim – Adelhofer Str. 1, www.gastsein.de

Wenn Atomkraftbefürworter sich in Spot flüchten

Eigentlich wollte ich zum Thema Atomkraft an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich viel schreiben. Zum einen, weil wir schon so lange mit dem unverantwortlichem Risiko vor unserer eigenen Haustür leben, dass ein paar Tage mehr, um die Diskussion nicht auf dem Rücken der Opfer in Japan auszutragen, auch nichts mehr ausmachen. Und zum anderen könnte ich schwer etwas über die Atomlobby schreiben, ohne dabei Worte wie “Wichser” zu verwenden – und das sind schmutzige Worte, die man nicht verwenden sollte.

Aber offenbar hat Kernenergie-Fan Angela Merkel die Schonfrist selbst verkürzt, schließlich stehen ja auch Wahlen an, da darf man keine Zeit verlieren. Und auch lange geplante Anti-Atomkraft-Demonstrationen haben ein paar Tausend Besucher mehr. Die Diskussion ist also längst eröffnet.

Und so wie die Horrormeldungen in den TodesLiveTickern aussehen, hat Fukushima mehr als das Zeug dazu ein zweites Tschernobyl zu werden, die Mobilisierung der Massen eingeschlossen. Freilich haben wir diesmal in Deutschland nur eine diffuse Angst, ohne wirkliche Bedrohung. Und freilich gehen viele die jetzt gegen die Atomkraft demonstrieren auf die Straße, weil sie von ihrer Angst dazu getrieben werden irgendwas zu tun. Das hilft den Opfern in Japan nicht weiter, aber es gibt auch schlechtere Formen Aktionismus zu zeigen. Und der Spot mancher Atomkraftbefürworter ist psychologisch noch billiger, denn wer jetzt daraufhinweist deutsche Mahnwachen würden den Japanern auch nicht helfen, war nicht selten vorher ein Befürworter der Kernenergie. Für ihn war die Kernenergie sicher – und wenn dann eine Kernschmelze nach der anderen einsetzt, muss man eben auch irgendwie kompensieren mehr als total daneben gelegen zu haben.

Dann argumentiert man auch schnell mal, das sei jetzt alles voll schlimm in Japan, aber schließlich gibt es rund um München keine Beben der Stärke 10 und der Rhein ist auch nicht gerade für seine Tsunamis bekannt. Freilich übersieht man dabei die eigentliche Lektion von Fukushima: Es kommt nicht darauf an welche Risiken man ausschließen muss. Fukushima lehrt uns, dass sich diese Risiken nicht ausschließen lassen.

Die einzige Risikominimierung die wirklich funktioniert ist der schnellstmögliche – was leider nicht sofort heißen kann – Ausstieg aus der Kernenergie. Und selbst wenn manche unserer Nachbarländer dazu noch ein bisschen länger brauchen, ist es immer noch ein Anstoß der zumindest das Leben in Deutschland ein bisschen sicherer macht – auf jeden Fall sicherer als alle Sicherheitsvorschriften, die Risiken letztlich nicht ausschließen können

Buchkritik: Welcome to your Brain

In zahlreichen Star Trek-Folgen hat man sich doch gefragt, wie menschlich ist Mr. Spock eigentlich? Sicher weit menschlicher, als er zugegeben hätte. Schließlich handelte Spock nicht immer so logisch, wie es sich für einen Vulkanier eigentlich ziemen würde und damit hatte er vor allem eines, ein menschliches Gehirn.

“Die meisten Urteile im wirklichen Leben können sich nicht allein auf Logik stützen, weil die vorliegenden Informationen in der Regel unvollständig und mehrdeutig sind.”

Und mit Blick auf das menschliche Gehirn ist es vom Standpunkt eines Vulkaniers vielleicht sogar noch schlimmer.

“Meistens bevorzugt das Gehirn die Geschwindigkeit und interpretiert die Ereignisse aufgrund von Faustregeln, die leicht anzuwenden, aber nicht immer logisch sind.”

Und um das Desaster perfekt zu machen, klären uns die Autoren Sandra Aamodt und Samuel Wang noch über eine kleine Unart unseres Gehirns auf, es lügt uns ständig an – nur zu unserem Besten, versteht sich. “Ein respektloser Führer durch die Welt des Gehirns”, so der Untertitel von “Welcome to your Brain”, haben die beiden zwischen Buchdeckel gebracht. Respektlos ist das Ganze nicht geworden, dafür aber locker und meist auch verständlich. Sensationell neues findet sich dort freilich nicht und auch die Mär von “wir nutzen nur 10% unseres Gehirns” ist inzwischen schon aus den Anzeigen diverser Esoterikgurus verschwunden.

Dennoch haben sich Aamodt und Wang den ein oder anderen Mythos vorgenommen, den sie im jeweiligen nach Themen sortierten Kapiteln ebenso separat auf den Grund gehen, wie sie in die Kapitel auch den ein oder anderen praktischen Tipp eingefügt haben. Eingeteilt in die Bereiche “Ihr Gehirn und die Welt”, “Die fünf Sinne”, “Ihr Gehirn im Lebenslauf”, “Ihr emotionales Gehirn” und “Ihr rationales Gehirn” kann vielleicht nicht jedes Kapitel, wie die Autoren in der Einleitung meinen, für sich stehen, aber doch zumindest jeder Teil und so gestaltet sich in diesem Buch tatsächlich eine kleine Reise durch das Gehirn.

Eine durchweg interessante Reise, auch wenn die Autoren gelegentlich doch das ein oder andere Mal von ihrer populärwissenschaftlichen Schreibweise abweichen und man dann eben doch das Gefühl hat ein bisschen in neurowisschenschaftlicher Sekundärliteratur – oder zumindest Wikipedia – nachschlagen zu müssen.

FACTS: Welcome to your Brain von Sandra Aamodt und Samuel Wang – 2. Auflage – dtv – ISBN 978-3-423-34615-3