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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Ist Moral katholisch?

Führt Säkulasierung zum Moralverfall?

Ist Moral katholisch oder zumindest christlich? Und wenn ja, ist die Säkularisierung an dem Moralverfall Schuld? Oder, gibt es eigentlich einen Moralverfall? 

Ja, der Leser mag es spätestens anhand des Symbolbildes links gemerkt haben, ich war wieder einmal an der Uni. “Führt Säkularisierung zum Moralverfall? Einige empirische Überlegungen”, so der Titel der Ringvorlesung gehalten von Professor Hans Joas von der Uni Erfurt. Die schlichte Antwort, ist ein schlichtes “Nein”. Wofür es eigentlich nicht einmal empirische Versuche geben müsste, dies zu belegen. Denn die Moral an sich ist ein ziemlich komplexes Ding, viel zu komplex um in die Bedeutungslosigkeit zu fallen, wenn mit der Religion einer ihrer Mitträger und Mitschöpfer wegfallen würde. (Die Betonung in beiden Fällen liegt übrigens auf der Silbe “Mit-”.)

Die meisten von uns verorten die Säkularisierung in die Zeit der Französischen Revolution, genauso wie sie annehmen Hexen hätte man im finsteren Mittelalter verbrannt. Dabei loderten die Scheiterhaufen erst mit Beginn der Renaissance und die ersten säkularen Gesellschaften in Europa gibt es erst seit den 1950ern oder 60ern. Ein massiver Moralverfall ist seitdem nicht eingetreten, es sei denn man überbewertet medial hochgespielte Einzelfälle, z.B. einen Säuglingsmord in der ehemaligen DDR, für denen es mindestens einen medial nicht hochgespielten auf dem Gebiet der alten BRD gibt, oder man hält die hohe Scheidungsrate nach wie vor für einen Indikator des Moralverfalls.

Wobei hier natürlich eines der Probleme liegt, welche Werte sind maßgebend für einen Verfall der Moral? Homosexualität war einmal ebenso ein Indikator wie Ehescheidungen, heute ist beides nicht mehr der Fall. Zumindest für die Mehrheit der Gesellschaft, deren Werte im positiven Sinne einem Wandel unterliegen. Sprich es gibt gewisse absolute Grundlagen, die quasi allen Herangehensweisen gemein sind. Was du nicht willst, das man dir antut, das füg auch keinem anderen zu, ist so eine Gemeinsamkeit, die sich zum Beispiel in der Bibel, bei Kant oder auch im Volksmund wiederfindet. Und da liegt auch schon einer der Gründe, warum selbst ein fortschreitende Säkularisierung zu einem totalen Verfall der Moral führen würde.  Manche moralischen Regeln ergeben sich von selbst, so wie Kinder selbst ohne erzieherische Maßnahmen selbstständig lernen, das Fairness beim Spielen von Vorteil ist.

Andere für das funktionieren unserer Gesellschaft notwendige (und nicht notwendige) Moralkonzepte hingegen gehen sehr wohl auf einen christlichen Ursprung zurück. Dahinter steckt das berühmte christlich-jüdische Abendland und seine Werte, der Haken ist wahrscheinlich nur – zumindest aus Sicht der Gläubigen – dass das inzwischen auch ohne christlich-jüdisch funktioniert. Die christlichen Werte sind den Menschen so in Leib und Seele gegangen, dass sie moralische Handlungsweisen und Vorstellungen an den Tag legen, deren Ursprung christlich ist, aber selbst Atheisten es wie eine Selbstverständlichkeit sehen – meist ist ihnen der christliche Ursprung nur nicht bewusst oder sie blenden ihn ganz bewusst aus.

Kurz um, der Erhalt der Moral scheint mit einer fortschreitenden Säkularisierung nichts zu tun zu haben. (Wobei es eine eigene Diskussion wäre, ob es eine Säkularisierung so überhaupt gibt. Zumindest weltweit kann man das in Zweifel ziehen.) Die Pointe ist eigentlich viel tragischer, nämlich das das Gewaltniveau, Abtreibungen oder etwa Teenangerschwangerschaften in stark säkularisierten Staaten geringer ist, als in Staaten deren Mehrheit sich als Gläubig bezeichnet. (Und nein, damit sind nicht nur die USA gemeint.) Moral scheint hier vorrangig etwas zu sein, woran man scheitert.

Und das ist Moral letztlich immer, wenn sie als starres Regelwerk daher kommt. Und so ist das vielleicht auch mit den christlichen Werten, sind sie ein starres moralisches Regelwerk, das Unterwerfung erwartet, keine Interpretationen zulässt und unmenschlich wird, sind sie nur ein Zerrbild dessen, was der Glaube eigentlich sein soll. Auch Gott zwingt uns nicht so zu handeln, er macht uns nur das Angebot so zu handeln.

Meine Umsonst & Draussen-Bilanz 2011

Auch 2011 hieß es wieder Umsonst & Draussen auf den Mainwiesen.

Wie das mit Plänen halt mal so ist, sie sind hauptsächlich dazu da, sich nicht dran zu halten. Nachdem ich am Freitag kurzfristig gleich nach der Redaktion aufs Umsonst & Draussen gegangen bin hab ich mir bei einem Feierabendbierchen einfach mal so was angesehen. Die 3 Songs-Bühne z.B., die den großen Vorteil hatte überdacht gewesen zu sein. Denn was im Fußball das Fritz Walter-Wetter, das ist im Würzburger Festivalkalender das U&D-Wetter. Aber mal unter uns, Veranstaltungen wie diese machen ein Festival doppelt so wertvoll. Schließlich bekommt das Publikum dort Abwechslung und vielleicht auch kommende Musikgrößen geboten, von 13-jährigen Milchgesichtern die gerade anfangen über das Leben-Liebes-Leid zu singen bis zu Entertainern wie Wild mustang, die nach alter Südstaaten-Tradition Gitarren aus Zigarrenschachteln basteln.

Meinen Plan eingehalten habe ich dann aber am Samstag, so ein Regenschauer kann mich doch nicht davon abhalten das Haus Richtung Mainwiesen zu verlassen, um mir 20 viel zu kurze Minuten Hillarious zu gönnen. Wenn Irish Folk rockt, dann bei dieser Würzburger Nachwuchsband die wie immer ihre eigenen Folkgirlies mitgebracht hat und bei mir die üblichen zwei Fragen aufrief: 1. Warum zieht der Typ mit den langen Haaren immer sein T-Shirt aus? 2. Wie kann eine Geigerin bloß so süß sein? Ich hoffe doch mal stark, die Worte des Moderators der U25-Bühne kann man beim Wort nehmen und im nächsten Jahr spielen Hillarious auf der großen Draussen-Bühne gegenüber.

Ansonsten gabs eben mal wieder ein gutes und abwechslungsreiches Musikprogramm, diesmal fand sogar ein umgebauter Coca Cola-Weihnachtstruck seinen Weg auf die Mainwiesen. Dort war man auch so weitsichtig, nicht nur USB-Sticks in die Menge zu werfen, sondern auch Gehörschütze. Denn eines ist auch klar, das diesjährige U&D hat die Besserung meines Tinnitus mal locker um das ein oder andere Jahr nach hinten geworfen.

... und bloß nicht den Pfandbon verlieren.

So ein Festival lebt allerdings ja nicht nur von der Musik, sondern da kann man auch lecker essen. Und mal unter uns, das ist auch eine der Gelegenheiten, bei denen ich lieber mit einem Bier drüber schlendere, als einem Gläschen Wein. Ich glaube beim U&D trinke ich meine Jahresration Distelhäuser (eine kleine Jahresration, möchte ich anmerken). Und man tut es ja für den guten Zweck, finanziert sich das Festival doch neben Sponsorengeldern vor allem durch den Getränkeverkauf. Was mir allerdings nach wie vor noch nicht ganz klar ist, ist das gute alte Bonsystem auf dem Umsonst & Draussen. Ich meine wenn Wasser, Cola, Bier usw. eh alles einen Einheitspreis hat? Gut, vielleicht liegt der Sinn ja auch darin, dass es Leute wie mich gibt, die am folgenden Montag einen nicht eingelösten Getränkebon in ihrem Geldbeutel finden. Was ich übrigens trotz meiner Getränkemäßigen Unterstützung nicht benutzt habe, waren die halb öffentlich herumstehenden Pissoirs auf dem Gelände. Mal ehrlich, klar ist das besser als wenn die Leute Männer an die Bäume pinkeln, aber ein paar Trennwände hätten dort echt nicht schaden können …

Meine Tipps fürs Umsonst & Draussen

Auf zum Umsonst & Draussen 2011!

Jungs und Mädels, wenn diese zwei Wochen vorbei sind, mach ich echt 3.000.000 Kreuze im Kalender. Da kommt mir das Umsonst & Draussen doch gerade recht, um mich ein bisschen vom beruflichen Stress zu erholen. Und weil ich wie ein echter Russe ohne Plan nicht mal aufs Klo gehe, hab ich das Programm schon mal durchgewälzt und nur ein paar Highlights drin markiert:

  • Donnerstag, 22:55 Uhr: Oh my Darling, hört sich an wie richtig gute Bluegrass von der anderen Seite des Atlantiks. (Ja, ich hab einen merkwürdigen Musikgeschmack, hatte ich das vergessen zu erwähnen?)
  • Freitag, 21:05 Uhr: Chapeau Claque, ein Video hab ich vor ein paar Wochen hier ja schon mal gepostet. Klang irgendwie wie Mia, bloß wesentlich echter und besser.
  • Freitag, 00:00 Uhr: Poetry Slam um Mitternacht, das Poetenduel auf dem Umsonst & Draussen steht schon aus purer Tradition auf meiner Liste.
  • Samstag, 20:40 Uhr: Hillarious, von dieser frischen Irish Music Band bin ich schon seit ein oder zwei Jahren ein bekennender Fan, sollte man auf keinen Fall verpassen!
  • Sonntag, 11:05 Uhr: Gospelmesse, auch die ist so ein Termin, den ich beim Umsonst & Draussen nicht verpasse. Es gibt immer guten Gospel und manchmal auch ein Brötchen zum essen.
  • Sonntag, 16:30 Uhr: Ann-Helena Schlüter, gibt es als Songwriterin auch schon um 13:05 Uhr zu hören und dann eben nochmal als klassische Pianistin.
Aber wie gesagt, das ist nur eine kleine Auswahl, da gibts noch eine ganze Menge mehr bei Würzburgs einzig wahrem Festival!

Seien wir ein bisschen tugendhafter

Tugendhaft Haltung bewahren.

Was sind Weisheit, Wahrheit, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Friedfertigkeit, Stärke, Glaube, Mäßigkeit, Güte, Demut, Hoffnung und Liebe? Richtig, dahinter verbergen sich Tugenden. Ein ziemlich altmodisches Wort, um dass sich die heutige Ringvorlesung “Haltung zeigen!” von Dr. Petra Bahr an der Neuen Universität in Würzburg drehte. Denn Tugenden scheinen heute ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein, aufgerieben zwischen den Lastern auf der einen und den Sekundärtugenden auf der anderen Seite.

Beide Konkurrenten haben es einfacher uns zu begeistern, schon allein weil beide medial besser zu verarbeiten sind – in unserer modernen Gesellschaft ist das ein nicht unterschätzbarer Vorteil. Das Laster reizt mehr, lässt sich besser in Literatur und Kunst verarbeiten und ist das Leben von lasterhaften Menschen nicht schon per Definition interessanter, als jenes von tugendhaften Vertretern unserer Art? Und die lieben Sekundärtugenden, die Lafontaine einst mit der Führung eines Konzentrationslagers in Verruf brachte, bieten einfache Lösungen. Wirst du mit der Jugend nicht fertig, vergiss nach den Ursachen zu suchen und stülpe ihnen Disziplin über. Disziplin, Behnehmen, Pünktlichkeit können auch einfach nur ein Versuch sein das Chaos zu bewältigen, ohne sich mit dem Chaos – das manche “Leben” nennen – zu beschäftigen.

Tugenden sind Haltungen zum Leben, sie brauchen keine Regeln und Gesetze, sie brauchen Charakter. Zwar lassen sich sowohl Tugenden wie Sekundärtugenden einüben, müssen sogar eingeübt werden, aber die Sache mit den Tugenden ist weit schwieriger. Hier kommt der Titel der Vorlesung leicht abgewandelt ins Spiel, Haltung bewahren.

Haltung bewahren muss der tugendhafte Mensch in zweierlei Hinsicht. Zum einen erfordert es Rückrat mit seinen eigenen Tugenden, seinem eigenen Wertkonstrukt, durch eine orientierungslose Welt zu gehen, in der die Frage der Moral zu einer Frage der Sichtweise geworden ist. Zum anderen ist ein tugendhafter Mensch aufgrund der Umstände fast zwangsläufig immer wieder scheitern – und im Angesicht des Scheiterns heißt es, richtig, Haltung bewahren.

Was aber letztlich bleibt, ist die Frage, lohnt es sich überhaupt ein tugendhaftes Leben zu führen? Theoretisch ist die Antwort darauf ein klares “Ja”. Wenn wir alle tugendhaft miteinander umgehen würden, würden wir alle mittel- bis langfristig davon profitieren. Dummerweise zählt in der Praxis oft genug der kurzfristige Gewinn, weshalb man gerade deshalb als tugendhafter Menschen – ja, genau, Haltung bewahren muss.

Buchkritik: Alte fränkische Küche

Mal unter uns, für was genau ist die fränkische Küche eigentlich berühmt – na ja, richtig, berühmt ist sie wahrscheinlich gar nicht. Oder für was ist sie bekannt, oder was verbindet man am ehesten mit der fränkischen Küche? Das erste was den meisten Leuten, selbst dem ein oder anderen Franken, einfallen dürfte, wären wohl die Bratwürste und danach kommt lange nichts. Irgendwann kommt einem vielleicht noch in den Sinn, dass es auch einen fränkischen Sauerbraten gibt und dann diese Zipfel. Saure Zipfel, blaue Zipfel – oder so ähnlich halt, aber jeden Fall nicht jedermanns Sache.

Fränkische Küche gehört irgendwie in alte – ehemals verauchte – Gasthäuser, sie ist deftig, schwer, nicht besonders kreativ usw. usf. Natürlich könnte man aber auch sagen, die fränkische Küche ist traditionell, kräftig und ehrlich, frei von Schnörkeln die nur dazu dienen weniger Essen auf den Tisch, dafür aber mehr Euro auf die Rechnung zu bringen.

Schlicht gestaltete der Tandem Verlag sein im Imprint 7Hill erschienenes Kochbuch “Alte Fränkische Küche”. Bilderlos und im Stil von Großmutters Kochbuch ist es auf die beiden wesentlichen Dinge beschränkt, mit denen ein Kochbuch daher kommen muss: Rezept und Zubereitung Ein “Merkzettel” am Ende jeder Zubereitungsanleitung, der Ratschläge zum Gericht oder bestimmten Zutaten enthält, oft sinnvoll, manchmal eine Binsenweisheit, ist so ziemlich die einzige Zusatzinformation in einem Buch, das so schlicht gehalten ist, dass selbst das Register schon irgendwie wie eine Zusatzinformation anmutet.

Diese Schlichtheit ist irgendwie schade, denn sie wird dazu führen das wohl nur die klassische Hausfrau zu dem Buch greifen wird, statt eine breitere Schicht für die fränkische Küche zu begeistern. Dabei scheint man bei der Zusammenstellung der Rezepte durchaus auch wenig Am-Herd-Steher im Auge gehabt zu haben, die man tatsächlich z. B. mit einem Rezept für Leberkäse mit Spiegelei – richtig, Leberkäse braten und Spiegelei in die Pfanne hauen – versorgt.

Freilich sind auch ein wenig kompliziertere Rezepte vorhanden, keines aber, das man als nicht nachkochbar bezeichnen würde. Besagter fränkische Sauerbraten, Hähnchen im Silvaner, fränkisches Bierfleisch und freilich dürfen auch die Scheufele nicht fehlen Und natürlich dürfen auch die saueren Zipfel, nicht jedermanns Sache, aber man sollte sie mal probiert haben.

FACTS: “Alter fränkische Küche” von Klaus Teuber –  erschienen 2010 bei Tandem – 1. Auflage – ISBN 978-3-8331-5951-0