
Und schon brennt die erst Kerze, drei warten noch.
Schon auf dem Weihnachtsmarkt gewesen? Ich persönlich noch nicht, vielleicht hebe ich mir den ersten Besuch noch bis zum Freitag auf, vielleicht schlendere ich vorher schon mal drüber. Wie auch immer, vielleicht frage ich mich dann auch, was ein Weihnachtsmarkt mit der Adventszeit zu tun hat. Wie, was der Weihnachtsmarkt mit der (Vor-)Weihnachtszeit zu tun hat? Ist doch klar, der gehört einfach dazu!
Doch gehört er wirklich noch dazu? Was ist auf den Weihnachtsmärkten eigentlich noch weihnachtlich, also wirklich weihnachtlich im ursprünglichen Sinn des Festes der Feste. Wenn es um einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt geht, scheint es immer mehr nur noch um Glühwein zu gehen. Ein einträgliches Geschäft, ein Glühweinstand, so war am Samstag im Wirtschaftsteil der Welt zu lesen, ist an vielen Orten praktisch so etwas wie die Lizenz zum Gelddrucken. Und das es überhaupt noch Handwerk oder andere Stände zu sehen gibt, liegt weniger an der Selbstregulierung des Marktes, sondern an den Verantwortlichen in den Behörden, die nur eine gewisse Zahl von Glühweinständen erlauben.
Glühweinstände sind eine Lizenz zum Geld drucken geworden
Sucht man dagegen nach dem ursprünglichen Anlass, also weshalb in diesen Tagen überhaupt Marktbuden aufgebaut werden, muss man schon einige Zeit suchen. Hier in Würzburg ist es zum Beispiel eine große Krippe aus Holz, direkt an der Marienkapelle gelegen, die dann doch noch den ein oder anderen zumindest für ein paar Augenblicke an – na ja, an Weihnachten erinnert. Aber zumindest findet man noch etwas, auf Märkten wie Santa Pauli in Hamburg dürfte man da lange suchen und wer will, kann sich währenddessen seinen eigenen Dildo aus Fichtenholz anfertigen lassen. Auch hier scheint man nicht nur auf aphrodisierenden Glühwein setzen zu wollen. Bleibt die Frage, wird hier die Idee des heutigen Weihnachtsmarktes pervertiert oder doch nur konsequent zu Ende gedacht.
Womit ich jetzt aber nicht gesagt haben will, das man Weihnachtsmärkte abschaffen sollte – oder zumindest umbenennen könnte. Und schon gar nicht, dass ich mich dieses Jahr von Weihnachtsmärkten fernhalten wollte. Auch die ein oder andere Tasse Glühwein werde ich mir sicher gönnen, schließlich ist der ja auch lecker. Wahrscheinlich wollte ich es einfach mal sagen – wahrscheinlich ist das auch so eine Sache mit dem richtigen Maß. Schließlich ist der Advent eigentlich ja keine Zeit in der nur ungehemmt geschlemmt werden soll, sondern tatsächlich – ich wette damit überrasche ich jedes Jahr immer wieder den ein oder anderen – ist die Adventszeit eine Art zweite Fastenzeit. Die Wochen vor Weihnachten haben also auch noch ein zweites Gesicht, das ebenso sein Recht hat beachtet zu werden.



