Monatsarchive: Juli 2012
Olympia, Treffpunkt der sportlichen Ich-AGs!
Der olympische Geist hatte wahrlich genug Gelegenheiten das Zeitliche zu segnen. War es 1936, als sich die olympische Idee niemand geringeren andiente, als Adolf Hitler selbst? Oder war es 1972, als nicht einmal ein blutiger Terroranschlag die Spiel zum stoppen brachte? Was rückblickend eigentlich weniger verwundert, wenn man weiß das Avery Brundage 1936 ausschlaggebend war dass die USA nach Berlin reiste und 1972 ICO Präsident war. Den Mann konnte also nichts und niemand von den Spielen abhalten.
Danach aber gab es noch weitere Gelegenheiten, die freilich weniger blutig waren, aber mit dem olympischen Geist auch nicht so richtig vereinbar sind. Moskau und Los Angeles boykottierten sich kurz mal quasi gegenseitig, so das man eigentlich die beiden Ergebnisse hätte zusammenrechnen müssen. 1996 zeigte das US-Publikum in Atlanta das Patriotismus im amerikanischen Verständnis der sportlichen Fairness vor allem parteiisch gelebt wird. Und 2008 schaffte es Peking mit einer perfekten Inszenierung auch den letzten Rest Menschlichkeit zu entfernen.
Auf schlechte Spiele folgen auch mal gute Spiele
Warum faszinieren uns die Olympische Spiele also trotzdem und warum lebt der olympische Geist dann doch noch irgendwie? Vielleicht auch weil nach den Amerikanern die Australier 2000 die Spiele ausrichteten und den USA eine Lektion darin erteilte wie man patriotisch und fair sein kann. Vielleicht auch, weil London nach dem chinesischen Perfektionismus wieder so etwas wie eine menschliche Komponente in die Spiele brachte.
Doch kann das die Olympischen Spiele retten? Zuviel Kommerz, zuviel Politik, zuviel Doping, zuviel mediale Ausschlachtung – zuwenig Sport, zuwenig Fairness, zuwenig Positives. Aber das ist nicht neu, schon 1983 schuf der Philosophieprofessor Hans Lenk den Begriff “Teledopiokommerziade”, in dem er alles vereinte, was man – nicht zu unrecht – den Spielen vorwerfen kann.
Buchkritik: Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus
“Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus” – wenn ich an dieses Buch denken muss, habe ich oft die junge Sophie Scholl vor Augen, die in den Bekenntnissen las, während sie 1941 den Reichsarbeitsdienst ableisten musste. In einer Zeit, die wir getrost als besonders dunkel, besonders unfrei und besonders glaubenslos bezeichnen können, fand die junge Sophie in den Werken des Augustinus etwas, was ihr die nationalsozialistischen Herrscher vergebens einflößen wollten, Orientierung. Während das Gros ihrer Altersgenossen ohne groß darüber nachzudenken im Gleichschritt marschierten, betrat sie eine andere, bessere Welt – aber auch eine Welt, in der zu leben, von der Außenwelt ein großer Preis verlangt wurde.
Die Wahrheit spielt in den Bekenntnissen eine große Rolle, mit ihr setzt sich Augustinus ebenso ausführlich auseinander wie mit dem Begriff Zeit. Es sind zwei Begriffe, die wir so alltäglich wahrnehmen und uns gar keine Gedanken mehr darüber machen, dass es umso überraschender ist mit welcher Tiefe Augustinus diese beiden für den Menschen doch so zentrale Begriffe analysieren kann.
Doch diese Aspekte gehören, neben der Frage nach der Schöpfungsgeschichte, zum zweiten Teil dieses Werkes. Der erste Teil kommt dem Titel wesentlich näher, in dem Augustinus seine Autobiographie vorlegt. Von seiner Geburt bis zu seiner Rückkehr nach Nordafrika, nach dem er in Mailand bekehrt wurde und zu jenem Augustinus wurde, den wir uns heute vorstellen.
Liebeserklärung an Gott
Es ist ein Bekenntnis gegenüber Gott, der freilich aber schon alles weiß und nicht in den Schriften von Augustinus lesen muss. Dieses Paradox bewusst wendet sich Augustinus natürlich des öfteren direkt an seine Leser, ohne aber direkt zu benennen, um was es sich bei diesem Buch tatsächlich handelt. Im Grunde sind die Bekenntnisse des Augustinus eine nicht enden wollende Liebeserklärung an Gott, an der Augustinus die ganze Welt teilhaben lassen möchte.
“Aus Liebe zu deiner Liebe tue ich es.”, Augustinus
Eine Liebe, die wie Augustinus schreibt, auf Gegenseitigkeit beruht und auch das mag eine Motivation für sein Werk zu sein. Auch von dieser tiefen und festen Überzeugung zeugen die Bekenntnisse des Augustinus. Und diese tiefe Zuversicht mag auch auf Sophie Scholl übergegangen sein, die in einer dunklen Zeit dennoch den richtigen Weg ging, auch wenn kaum ein anderer bereit war die richtige Wahl zu treffen.
Warum man ein Impressum haben sollte
Da finde ich heute im Briefkasten eine Postkarte … und dann noch eine … und noch eine … und … und schon hat man was neues an der Wand hängen:

Ein neuer Wandschmuck für meine Wohnung.
Des Rätsels Lösung ist, die Tatsache, dass mein Blog offenbar immer noch eines der wenigen ist, die gleichzeitig von faulit gelesen werden und ein Impressum haben.
Auf jeden Fall, Danke an Sebastian. Sind ja im Augenblick Tage, an denen eine Aufmunterung nicht schaden kann, das hat auf jeden Fall funktioniert.
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Men Step Up For Gold – auch in Würzburg
Heute Abend beginnen in London die Olympischen Spiele und so manche Goldmedaille wird wieder verliehen werden. Eigentlich muss man sich dafür ja ziemlich anstrengen, es sei denn man kauft in Würzburg den passenden Rasierer:
… und ich glaube so ein Aufstand wird in London auch nicht gemacht.
Buchkritik: Identität

Buchkritik: “Identität” von Dan Chaon
Wer bin ich? Und kann ich mit jemanden tauschen? Ist der Name, mit dem ich aufgewachsen bin, mein Name? Oder ist mein Geburtsname austauschbar, wie jeder andere?
Identität, das ist nicht nur der Titel von Dan Chaons Thriller, es ist auch sein Thema. Dabei widmet sich der US-Autor nicht nur dem Geschäft des Identitätdiebstahls, sondern auch der Frage nach der eigenen Identität selbst. Denn sind nicht viele Identitäten, die uns tagtäglich begegnen oder die wir vielleicht selbst leben, so dünn und austauschbar, dass sie schon nach kurzer Zeit niemand vermissen wird? Und was ist ein Name überhaupt mehr, als ein Begriff auf der Geburtsurkunde, die zuhause in irgendeiner Schublade verstaubt?
Chaon schickt seine Helden Ryan, Miles und Lucy auf einen Roadtrip quer durch Amerika und verwebt ihre Geschichten zu einer einzigen, ohne dass sich die drei jemals begegnen. Doch ihr Leben hat eine Gemeinsamkeit: Hayden, ein halb verrückter und halb genialer Betrüger, der mit Identitäten hantiert, wie ein Jongleur und am Ende sich selbst nicht mehr von einer der Keulen unterscheiden kann, mit der er hantiert.
Ryan, gelangweilt vom College, erfährt, dass sein Vater nicht sein Vater ist und sein echter Vater sein Geld mit Betrug und Identitätshandel verdient. Lucy, gelangweilte Highshoolabgängerin, brennt mit ihrem Lehrer durch. Und Miles, ganz und gar nicht gelangweilt, ist besessen von der Suche nach seinem psychisch kranken Bruder Hayden.
In “Identität” sind sie alle auf der Suche, nach irgendetwas, was ihnen selbst zu fehlen scheint. Chaon verwebt ihre Suche über verschiedene Zeitphasen hinweg und macht sie zu einer aufregenden Jagd, die sein Buch spannend und lesenswert macht. Der Autor legt Spuren, weckt im Leser Vermutungen, nur um am Ende klar zustellen, dass eben doch alles ganz anders ist als man denkt.
FACTS: “Identität” von Dan Chaon erschienen 2012 bei Rowohlt Taschenbuch Verlag – ISBN 978-3-499-25428-4


