
Buchkritik: Japanese Graphics Now!
Wenn sich der hiesige ABC-Schütze mal wieder beschwert, das Buchstaben lernen sei ziemlich anstrengend, sollte man ihnen mal zu einem Schüleraustausch nach Japan schicken. Die Schüler dort haben es nicht nur mit einigen 1.000 Schriftzeichen zu tun, sondern auch gleich mit zwei Alphabeten – und das westliche ABC lernen sie übrigens dann auch noch. Mit Hiragana und Katakana lernen die japanischen Schüler das Schreiben, und welche Worte damit geschrieben werden, ist recht klar. Was von Außen nach Japan kam wird in Katakana geschrieben, da wird recht klar unterschieden.
Wenn den Herausgebern von “Japanese Graphics Now!” glauben mag, findet diese Unterscheidung auch noch in den Köpfen der japanischen Designern statt. Produkte mit einem traditionell-japanischen Background werden auch die traditionell-japanische Art gestaltet, während man westliche Elemente den westlich-importierten Produkten vorbehält. Sieht man sich die zahlreichen Grafiken, Produktdesigns und Plakate an, die in diesem Buch gesammelt sind, wird diese Trennung auch recht gut eingehalten.
Dabei scheint es schwer in Sachen Design in Japan eine Trennung einzuhalten. Denn obwohl es auch die gegenseitigen Pole der klassischen Schlichtheit und des quitsch-bunten Kitsches gibt, verschwimmt alles zu einer gelungenen Einheit. Wahrscheinlich ist dieser kleine Fotoband auch deshalb wie der Gang durch eine Designausstellung auf dem Sofa zu hause, man findet es bei so manchem Exponat nur schade, dass manch Grafik nicht einmal eine ganze Seite gegönnt wird, die man sich glatt übers Sofa hängen würde.
FACTS: Japanese Graphics Now! – Herausgegeben von Gisela Kozak und Julius Wiedermann – erschienen 2003 bei Taschen – ISBN 978-3-8228-5088-6