Das Diskussionsthema des Monats August dürfte in Würzburg die geplante Aussichtsplattform am Stein sein – siehe zum Beispiel hier oder hier. Beim Würzburger Stein handelt es sich nicht nur um die bekannteste Weinlage der Stadt, oder gar ganz Weinfrankens, sondern es war einmal auch einer der Hingucker. Bis, ja bis das Hotel am Stein folgenden Erweiterungsbau bekam:

Der Würzburger Stein, von der anderen Mainseite aus betrachtet.
Wer findet den architektonischen Widerspruch? In einer Stadt, in der man gefühlt keinen Baum fällen kann, ohne das jemand schreit “Bürgerbegehren”, ist es schon erstaunlich, dass ein solch hässlicher Bungalowklotz an so prominenter Stelle Platz gefunden hat. Mal ehrlich, das Ding sieht doch aus wie die Luxushotelvariante alter Plattenbauten in Ostberlin, oder? Der Würzburger Stein war zuvor mal einer der Orte, zu denen man hinauf sehen konnte und sich dachte “is’ scho’ schö’ hier”. Jetzt sieht man lieber nur noch zur Festung oder zum Käppele hoch.
Sieht man sich die Entwürfe für die neue geplante Aussichtsplattform an, die ab 2013 dafür sorgen soll, das niemand mehr rauf, aber alle runter sehen werden, kommt einem der Verdacht, Betonklotz und Aussichtsplattform passen so gut zusammen, dass man eigentlich das alte Gebäude dort oben abreißen sollte. Dann wäre der Anblick zumindest wieder einheitlich und damit nicht mehr ganz so schlimm.
Sprich, der Würzburger Stein ist schon so verschandelt worden, da macht die geplante Aussichtsplattform jetzt auch nichts mehr aus. Und dem resignierenden Würzburger bleibt der Trost, dass noch niemand auf die Idee gekommen ist den Blick hinauf zur Feste Marienberg zu verschandeln. Noch nicht ….
Update 27.08.2012: Gegen die Aussichtsplattform am Würzburger Stein gibt es inzwischen auch eine Online-Petition.
Kilian Martin sagt:
Sehr gut!
Ich hab persönlich selten ein Problem mit Neubauten in der Stadt. Offensichtlich gehts mir da anders, als vielen Mitbürgern.
Ich finde das “Forum” nicht schlecht, mir gefallen die Pläne für das Ämterhochhaus, den Hotelturm empfand ich schon immer als Bereicherung.
Aber dieses Ding auf dem Stein ist einfach die pure Zerstörung: Es zerstört nicht nur das Ensemble der “historischen” Hotelbauten, sondern auch – wie du sehr richtig schreibst – quasi den kompletten Stein. Vollkommen absurd!
An meisten wundert mich eigentlich die Tatsache, dass sich jemand freiwillig einen derart unpassenden Anbau in den Vorgarten stellt… Sei’s drum. Das Ding steht und so ist es nunmal.
Bei der Geschichte mit der Aussichtsplattform zeigt sich m.E. aber wieder mal die Anti-Haltung der Würzburger Bevölkerung, bzw. eines Teils dieser. Anstatt den Vorschlag zu bringen, doch ein anderes Design zu verwirklichen, wird grundsätzlich dagegen gewettert. Was ist denn so schlimm an einer Aussichtsplattform dort oben? Ich persönlich finde den Blick vom Stein zwar nicht so wahnsinnig prickelnd, aber gerade für Touristen (und Eisenbahnliebhaber) ist er bestimmt sehr reizvoll. Immerhin hat man nur von dort oben Stadt und Festung gemeinsam im Blick.
Traurig-Witzige Anekdote am Rand: Im Rahmen der Debatte um die Aussichtsplattform war in der MP zu lesen, dass der Stein-Wein-Pfad e.V. vorgeschlagen hätte, den bereits vorhandenen “Aussichtsturm” zu reaktivieren. Gemeint ist damit der Bismarckturm. Der Autor des MP-Artikels wusste zwar richtig, dass es sich dabei um einen Turm des Typs “Götterdämmerung” handelt, dass dieser aber noch nie als Aussichtsturm konzipiert war, konnte auch er nicht richtig stellen…