
Foto: Thorben Wengert / pixelio.de
Ganz ehrlich, eigentlich wollte ich mich ja nicht zum Leistungsschutzrecht äußern, das gerade die aktuelle Sau ist, die durchs (deutsche Internet-)Dorf getrieben wird. Aber Texte wie der Leitartikel Guter Journalismus hat seinen Preis von Main Post-Chefredakteur Michael Reinhard sind eben symptomatisch für eine Gruppe Journalisten, die man mehr oder weniger nur noch bemitleiden kann.
Der Artikel spult das komplette Repertoire der Zeitungsverlage ab, das soweit von der Realität entfernt ist, dass sich der unbeteiligte – aber informierte – Leser langsam Gedanken macht, ob da jemand das A & O des Handwerks (Recherche) verlernt hat.
Ich meine mal ehrlich, allein der Vorwurf an Google mit seinem Angebot Google News direkt Geld zu verdienen ist doch allein schon dadurch widerlegbar, wenn man sich einmal die Google News-Seite ansieht und nach Werbung sucht. Es gibt dort keine Werbung. Natürlich könnte man jetzt anmerken, dass Google mit diesem Angebot trotzdem Traffic für sich generiert und diesen auch auf Seiten mit Werbeanzeigen umleitet. Aber dieser Weg wirkt auf mich arg konstruiert, denn in der Regel leitet Google den Traffic eher in die umgekehrte Richtung, also von der Suchmaschine zu Google News. Und außerdem glaube ich auch nicht, dass die Zeitungsleute dieses Prinzip des Traffic generierens nicht begriffen haben, sonst wüssten sie was Google News nämlich in Wahrheit ist. Google News ist für die deutschen Zeitungsverlage einer der größten Trafficlieferanten. Statt da raus zu wollen, sollten die Verlage lieber rein gehen.
Muss der Kioskbesitzer jetzt auch zahlen?
Machen wir es den alten Medien etwas verständlicher: Google News tut im Grunde das gleiche, was der Kiosk um die Ecke tut. Google bringt Menschen dazu, Nachrichten zu lesen (und die Werbeeinblendungen natürlich auch), nur verdient er im Gegensatz zum Kioskbesitzer kein Geld dabei. Und das gilt nicht nur für Google News so, denn auch Angebote die Werbung schalten, bringen den Zeitungsverlagen Traffic. Und ist es nicht legitim, dass sie dafür Geld verdienen? Alternativ wäre es fast logischer, die Verlage würden sie für diesen Traffic bezahlen?
Und wer übrigens nicht mehr bei Google News gelistet sein will, der kann das innerhalb von fünf Minuten auch umsetzen. Das ist überhaupt kein Ding und erfordert nicht einmal die ultimativen Programmierkenntnisse. Aber wenn man nicht mehr gelistet wird, kann man ja auch keine Lizenzgebühren verlangen. Es drängt sich der Verdacht auf, da soll ein neues Finanzierungsmodell der deutschen Verlage installiert werden.
Denn auch der Chefredakteur der Main Post beklagt, dass Zeitungsverlage kein Geld im Internet verdienen und Online noch immer ein Zuschussgeschäft ist. Paid Content hat es in der Gratis-Kultur des Internets schwer, das Werbegeschäft reicht zur Finanzierung nicht aus. Wobei es im Gegensatz zu den Printanzeigen aber zumindest nicht im Sinkflug ist. Auch weil, wie Reinhard ja weiß, die Menschen ins Internet abwandern und die Auflagen sinken.
Himmelherrgottsakramentnochmal!
Zusammengefasst kann man die Klage der deutschen Verlage in etwa so beschreiben: Es gibt im Internet kein Geschäftsmodell, mit dem wir Geld verdienen können. Himmelherrgottsakramentnochmal! Natürlich gibt es kein Geschäftsmodell im Internet mit dem man Geld verdienen kann, weil ihr es nicht entwickelt. Natürlich kann ich kein Geschäftsmodell entwickeln, wenn ich die Grundzüge des neuen Mediums nicht begriffen haben und meine Energie statt in Innovationen in Lobbyarbeit für ein Leistungsschutzrecht investiere. Ein Leistungsschutzrecht, das im Übrigen auch nur eine aufschiebende Wirkung haben dürfte. Umso wichtiger wäre es für die Verlage jetzt zu handeln, wo ihr Geschäft noch nicht am Abgrund steht – morgen könnten sie schon einen Schritt weiter sein.
olschok sagt:
Danke für den sehr guten Artikel! Leider werden diese Holzmedien es nie verstehen. Gerade bei der Mainpost werde ich das Gefühl nicht los, dass sie alles aufsaugen wollen, aber selbst niemals etwas abgeben möchten.
Frank sagt:
Übrigens kann man durchaus Geld mit Artikeln im Netz verdienen: Zu dem Thema einfache “Bezahlschranke” (paywall) für online-Medien gibt es einen Beitrag bei “Zapp – Das Medienmagazin“. Es ist das erste Video in der Sendung:
http://www.ndr.de/flash/zapp/interactivePlayer.html?xml=zappsendung409-interactiveBroadcasts.xml&sr=zapp
News sagt:
Sehr guter Artikel. Ich kann dazu nur noch hinzufügen: “Man beißt nicht die Hand, die einen füttert.”