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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Der Tod kommt zum Sommersemester

"Der Tod und die Künste: Ringvorlesung"

Auf den ersten oberflächlichen Blick scheint es ein bisschen komisch gerade zu einem Sommersemester die Ringvorlesung “Der Tod und die Künste” anzubieten. Tod und das Sterben, das klingt doch alles ein bisschen mehr nach kalten dunklen Wintertagen, als nach einem ausklingenden Frühlings- oder Sommerabend. Aber wie gesagt, eigentlich auch nur auf dem ersten Blick, denn schon die erste Vorlesung lenkte den Blick auf den Tod, wie er wirklich ist – allgegenwärtig und gar alltäglich.

Oder zumindest war er das einmal, in der Antike zum Beispiel wie der erste Referent Professor Dr. Michael Erler von der Uni Würzburg in seiner Vorlesung ” ‘Wandle umher wie in einem Leichentuch’. Philosophisch-literarische Strategie im Umgang mit dem Tod in der Antike” darlegte.

Zwei Methoden mit dem Tod umzugehen, die von Epikur und jene von Platon, referiert Erler in seinem Vortrag, die weit weniger gegensätzlich sind, als sie zu sein scheinen. Gegensätzlich scheinen ihre Ansichten vor allem in einem Punkt zu sein, für Anhänger Epikurs ist der Tod das Ende, während die Anhänger Platons den Tod nur als eine Art Durchgangsstation sehen. Einig sind sich beide Gruppen aber in ihrer Schlussfolgerung, die recht simpel ist und darauf hinausläuft, das Leben zu nutzen und zu genießen. Kurzum, eine tägliche Beschäftigung mit dem Tod führt nicht, wie die Moderne es nahe legen möchte, zu einer Depression, sondern sollte in einem gesunden Umgang mit diesem Thema führen.

Der moderne Umgang mit dem Tod muss den antiken Philosophen ein Graus sein, scheint er doch vor allem auf Ablenkung, Verleugnung und dem ignorieren des Themas zu beschäftigen. Ein Umgang den der Anhänger Epikur, Philodemos von Gadara, explizit ablehnt. Seiner Aufforderung tagtäglich im Leichentuch umherzuwandeln ist der Titel des Vortrags entnommen. Bewusst mit dem Tod zu leben lässt Philodemos schlussfolgern, dass so jeder Tag einen Gewinn bringen würde – “als sei dieser Tag die Ewigkeit”. Nun, wenn nach dem Tod keine Ewigkeit kommt, muss man ihn ja auch genießen.

Die Moderne macht den Tod zu einer Bedrohung von Außen.

Platon sieht die Sache etwas anders, für ihn ist die Seele unabhängig und damit der Tod des Körpers nicht das Ende. Der Körper allerdings ist kein Gefängnis, eher ein Behälter für die Seele und das Leben so auch nicht, wie fälschlicherweise unterstellbar, nichts weiter als ein Wegbegleiter zum Tod. Die Seele lässt den Tod nicht als Übel erscheinen, wie es Sokrates sah und der dank dieser Erkenntnis in der Lage war furchtlos den Becher Gift zu nehmen. Nicht ohne Trauer, aber mit einer Mischung aus Lust und Trauer sei der Tod des Sokrates verarbeitet worden – und mit dieser Balance sind wir wieder beim Umgang der Epikuräer mit dem Tod.

Bleibt die Frage warum der Umgang der Moderne mit dem Tod Verdrängung ist, während in der Antike die Meinung vorherrschte Leben und Tod gehörten zusammen. Erlers eigene Erklärung dafür ist meiner Meinung nach sehr nachvollziehbar. Der Tod ist letztlich etwas natürliches, zu Sterben gehört zur Natur. Doch während man früher den Menschen als Bestandteil der Natur betrachtet hätte, so neigt man heute ihn herauszunehmen und die Natur zu einer Art Erkenntnisobjekt des Menschen zu machen. Ich würde sogar sagen, zu degradieren. Der Mensch wird herausgenommen aus der Natur, aus der Schöpfung, und der Tod zurückgelassen. Und weil er nicht mehr alltäglich zu sein scheint, wirkt er weit bedrohlicher als er ist – er ist zu einem Angriff von Außen geworden.

Kategorie: Philosophie


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