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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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DVD-Kritik: Doctor Who – 1. Staffel

DVD-Kritik: Doctor Who

Zugegeben, eigentlich ist dieser Titel ja eine faustdicke Lüge, denn bei den Episoden von Doctor Who, die 2005 entstanden sind, handelt es sich ja nur um die Fortsetzung der BBC-Kultserie nach einer 16-jährigen Pause. 1989 war der Doctor plötzlich vom Bildschirm verschwunden, aber wie jeder gute Kult war er nicht tot zukriegen. Und 2005 war er noch so lebendig, dass die BBC ihn zurück ins Leben rief – und tatsächlich, es klappte sogar.

Der 9. Doctor, gespielt von Christopher Ecclestone, trat vor eine treue Anhängerschaft und, obwohl er von vornherein nur für eine Staffel angelegt war, bestand den Härtetest. Was in solchen Fällen bekanntlich gar nicht so einfach ist, wenn Erwartungen hochgeschraubt sind und Fans manchmal auch ein Stadium erreicht haben, das mit dem Wort Fan nur noch annähernd umschrieben werden kann.

Doch Eccelstone, auch wenn er sich von seinen Vorgängern ebenso unterscheidet, wie den zwei Doctoren, die ihm schon gefolgt sind, macht seine Sache erstaunlich gut. Auch dann, wenn man sich da eigentlich nicht so ganz sicher ist. Vielleicht hilft ihm aber auch, wie kaum einem anderen Doctor, seine Begleiterin Rose (Billie Piper) ein wenig auf die Sprünge.

Wie auch immer, vorwiegend verlässt sich der Neuanlauf auf die alten Geschichten. Oder besser, auf die alte Erzählstruktur. Denn überraschenderweise ist das Genre ScienceFiction ja besonders gut geeignet die Zeit wiederzugeben, in der die Geschichte entstanden ist. Und damit ist nicht nur gemeint, das Britney Spears-Songs in einigen Millionen Jahren zu den Klassikern gehören werden. Ursprünglich war Doctor Who, in seinen Anfängen 1963, auch als eine Art Geschichtsunterricht für Kinder konzipiert. Schon damals reiste der Doctor durch die Zeit und traf auf bekannte Persönlichkeiten. Nun, Kindern würde ich diese Staffel nicht zeigen, im Gegenteil, manchmal ist FSK 12 sogar recht großzügig, aber inzwischen ist Doctor Who in gewisser Weise dieser Linie treu geblieben und zeichnet, wenn auch nur unterbewusst, die Zeit der britischen Nachkriegsgeschichte auf. So wie sich die Engländer sehen und gesehen werden wollen, was freilich nicht immer dem Bild der Wirklichkeit entspricht. Und wenn wir schon beim Thema Geschichte sind, natürlich spielt auch der 2. Weltkrieg in einer – wie ich finde, besonders guten – Doppelfolge eine Rolle. Ohne diese Rückbesinnung auf den letzten großen Erfolg des British Empire, kamen die Engländer offenbar auch im Jahr 2005 nicht aus.

Seit Jahrzehnten beeinflusst Doctor Who die britische (und internationale) Popkultur, zeigt sich aber auch immer aufnahmebereit in die andere Richtung. Da reitet ein Freund des Doctors als Reinkarnation von Dr. Seltsam eine Bombe (richtig, eine deutsche Bombe) oder auf einem Satelliten werden im Jahr 200.000 gleich mehrere Dutzend Staffeln von Big Brother gleichzeitig aufgezeichnet, nur das die Rausgewählten eliminiert werden und der Gewinner als Preis sein Leben behalten darf.

Kurzum, the Doctor is back und es hat sich gelohnt, die TARDIS wieder in Gang zu setzen.

FACTS: Doctor Who – Season 1 (UK 2005) – Darsteller: Christopfer Eccelstone, Billie Piper, John Barrowman

Unterwegs in Heidingsfeld

So richtig grün sind sich manche Würzburger und Heidingsfelder immer noch nicht, das geht zurück auf die Eingemeindung der ehemals eigenständigen Stadt im Jahr 1930. Da mögen die Bürger des “Städle” noch so dafür gestimmt haben ein Stadtteil von Würzburg zu werden. Und bei so manchem Würzburger steckt noch immer im Hinterkopf, dass erst die neuen Bürger aus Heidingsfeld Würzburgs Einwohnerzahl so groß machte, dass die Stadt auf der Liste der Ziele der alliierten Bomber auftauchte.

Ein Schiff wird geweißelt Der verrückte Hutmacher Wo ist der verrückte Hutmacher? Häuser im Wald Die Hätzfeldmaus Parken für WÜ AA 947

Aber sei’s drum, mehr oder weniger durch Zufall war ich heute mit der Fotokamera in Heidingsfeld unterwegs. Was daran lag, dass die Straba, in die ich mich setzte eben genau dorthin fuhr. Und wie das Leben so spielt, auch bei einer ungeplanten Fototour springt das ein oder andere ganz gute Foto heraus, nicht wahr?

Der Pflanzenschuh Müll kommt aus dem Boden raus Blick in den Himmel Unter der Brücke Die Tür Ausgetrunken

Und weil das Album bei Flickr ja eigentlich “Auf dem Weg nach Heidingsfeld” heißt, haben sich auch noch zwei Fotos mit meinem Lieblingsmotiv in Würzburg hinein geschlichen:

Dampf steigt auf Das Heizkraftwerk

Warum haben Nonnen auch Nazis versteckt?

In einem Artikel der heutigen Frankfurter Allgemeinen Sonntags Zeitung erzählt der jüdische Religionshistoriker Pinchas Lapide, warum er ausgerechnet über Jesus Christus forscht. Eine alte Geschichte, die sich einige Jahre nach dem Krieg abspielte, als Lapide israelischer Konsul in Mailand war und an der Ehrung einer alten Nonne teilnahm, die während des 2. Weltkrieges im Kloster Juden versteckte und ihnen so das Leben rettete.

Nach der Ehrung, so Lapide, habe ihn die Nonne plötzlich leise angesprochen und gefragt, ob er denn jetzt ein Kommunist sei, ein Jude oder ein Nazi. Das Entsetzen scheint ihm wohl ins Gesicht geschrieben worden zu sein, er starrte die Nonne fragend an und bekam seine Erklärung:

“Wissen Sie, in unserem Kloster haben wir zuerst die Kommunisten vor den Faschisten versteckt. Dann haben wir die Juden vor den Deutschen versteckt. Und dann, nach dem Krieg, haben wir bei uns alte Nazis versteckt. Und jetzt kann ich sie alle nicht mehr voneinander unterscheiden.”

Also, warum haben Nonnen auch Nazis versteckt?

Buchkritik: Tokio, besetzte Stadt

Buchkritik: Tokio, besetzte Stadt

Ein Mann betritt eine Bank und gibt sich als Arzt aus. Die Ruhr sei im Viertel mitten im Tokio kurz nach dem 2. Weltkrieg ausgebrochen und die Angestellten müssten sich sofort impfen lassen. Kurz darauf sind 12 von ihnen tot, vier überleben knapp und der falsche Arzt hat sich als Bankräuber entpuppt.

Ein wahres Verbrechen. David Peace erzählt diese Geschichte wie einen alt-europäischen Briefroman nach einer alten japanischen Erzähltradition für Gespenstergeschichten. Zwölf Kerzen brennen und jede Kerze steht für eine Geschichte, eine eigene Geschichte und dennoch dieselbe Geschichte. Und nicht wenige der Erzählenden kommen gleiten ab in den Wahnsinn.

“Sie wollen die Wahrheit wissen? Entscheiden Sie sich! Was wollen Sie wissen: Was passiert ist oder was die Wahrheit ist? Was meinen Sie damit, das sei doch dasselbe? Natürlich nicht! Ich kann glauben, dass etwas passiert ist, aber das macht es noch nicht zur Wahrheit …”

Recht realistisch, denn Peace schreibt – auch in der äußeren Form der Buchstaben – so realistisch den Wahn herbei, dass es dem Leser nicht nur aufgrund des Inhaltes manchmal schwer fällt dem Autor in diese okkulte und düstere Welt des zerstörten Tokios nach dem Krieg zu folgen. Eine Realität, die nicht nur des Massenmords an den Bankangestellten wegen brutal und tödlich ist, sondern auch der Geschichte der Einheit 731 wegen, die im 2. Weltkrieg im besetzten China eine “Tötungsfabrik” betrieb. Eine Geschichte, die den Mord an den Bankangestellten, wie einen Nebenschauplatz aussehen lässt.

Es ist kein besonders schönes Buch, noch weniger mit dem Blick darauf, das es auf wahren Begebenheiten beruht. Aber es ist ein verdammt gutes Buch, schwere Kost, aber brillant geschrieben. Nur ein Happy End darf man nicht erwarten, das kann jetzt schon verraten werden, denn auch im wahren Leben gab es für niemanden ein Happy End – außer vielleicht für den Täter. Aber so ist das halt im Leben …

FACTS: “Tokio, besetzte Stadt” von David Peace – ISBN 978-3-453-67532-2

Filmkritik: The Devil’s Rock

Filmkritik: The Devil's Rock

Ein großer Philosoph und persönlicher Freund von mir prägte den Satz “Life is a bitch”. Auf einem der Plakate zum neuseeländischen Horrorfilm “The Devil’s Rock” steht zu lesen, “War is a bitch”. Aber eigentlich wäre wohl passender zu schreiben, “The devil is a bitch” – und was für eine.

“The Devil’s Rock” startet wie ein gewöhnlicher Kriegsfilm. Kurz vor der Landung der Alliierten in der Normandie, landen zwei neuseeländische Elitesoldaten auf einer einsamen Kanalinsel um eine Stellung der Deutschen zu sabotieren. Als sie die Schreie von vermeintlichen Folteropfer hören, entschließen sich die beiden Soldaten zu bleiben und dringen in die unterirdische Katakombe der Nazis ein – um lauter zerfleischte Nazis vorzufinden. Bis auf einen SS-Offizier, ein Spezialist für Hitlers Okkultwahn, der weiß, dass die Schreie des vermeintlichen Folteropfers eher genau das Gegenteil davon sind.

Neuseeland ist im Genre längst kein Geheimtipp mehr und “The Devil’s Rock” bestätigt den Ruf aus Kiwiland auf ein Neues. Genregemäß ist der Film ziemlich blutig und trägt den roten “FSK 18″-Button nicht ganz zu unrecht. Was den Film aber sehenswert macht, ist die Tatsache das die große Abschlachterei schon vor oder im ersten Teil des Films abgehandelt ist. Was bleibt ist ein Dämon, feuerrot oder mal menschlich wandelbar, und ein Neuseeländer und ein SS-Mann. Es mag komisch klingen, aber auf weite Strecken hin ist “The Devil’s Rock” ein hervorragendes kleines Kammerspiel. Das wäre freilich noch besser gelungen, hätte man dem SS-Mann ein paar weniger Klischees und etwas mehr Boshaftigkeit erlaubt. So funktioniert das Zusammenspiel und das Gegenspiel der beiden Hauptakteure nur halb so gut.

FACTS: The Devil’s Rock (Neuseeland 2011) – Regie: Paul Champion – Darsteller: Craig Hall, Matthew Sunderland, Gina Varela

Buchkritik: Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg

Bild: Paul Golla / pixelio.de

Bild: Paul Golla / pixelio.de

Heute Abend habe ich mich mit etwas über 100 Seiten in einen Teil der Würzburger Geschichte begeben, den manch einer lieber verdrängen oder herunterspielen möchte. Doch dabei schein nach der Lektüre von Leo Hahns Abhandlung “Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg” eines klar zu sein – ohne sie wäre während des 2. Weltkriegs in der Stadt rein gar nichts mehr gegangen. Denn, das zeigen die von Hahn ausgewerteten Tabellen der Einsätze der Frauen und Männer, Fremdarbeiter waren längst nicht nur in jenen Betrieben eingesetzt, von denen man es erwartet hätte. Auch so manch Bäcker, Metzger oder Schuhmacher ersetzte den eingezogenen Gesellen durch Franzosen, Belgier, Polen oder Russen. Und auch so manch klangvoller Würzburger Name aus dem Winzergeschäft findet sich in den Listen ebenso, wie Cafés und Hotels, die in der Stadt noch immer einen guten Klang hatten.

Jeder schien seine Zwangs- und Fremdarbeiter zu haben, mal nur einen, mal Hunderte. 9000 waren es in Spitzenzeiten, so Hahns Rechnung.

Wobei man mit Zahlen, das weiß auch Hahn, recht vorsichtig sein muss. Denn obwohl die Stadt Würzburg nach dem Krieg Listen über Fremd- und Zwangsarbeiter erstelle, so richtig exakt wollten sich die örtlichen Unternehmer und das Arbeitsamt, das für die Vermittlung zuständig war, nicht erinnern. Beim Feuersturm vom 16. März 1945 ist viel verloren gegangen – nicht immer wirklich, möchte man auch vermuten. Und so manche Karteikarte tauchte später dann aber doch wieder auf. Und auch Jahrzehnte später gibt es noch einige Mauern des Schweigens, wenn man sich bei pensionierten Bäckern nicht mehr erinnern will – wie Hahn in seinen Recherchegeschichten berichtet.

Obwohl Hahn selbst von einer “ganz persönlichen Betrachtung” spricht, ist das vorliegende Werk doch in erster Linie eine Bestandsaufnahme gegen das Vergessen. Nur selten schildert er persönliche Schicksale wie russische Zwangsarbeiterinnen, die barfuß Schneeräumen und von Würzburgern nur hören, das seien sie schließlich gewöhnt. Vielleicht gelingt es ihm aber auch deshalb gut, zu verdeutlichen welche Dimensionen die Fremdarbeit auch in einer Stadt wie Würzburg hatte. Er zeichnet ein durch und durch realistisches Bild warum und auch wie die Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, auch wenn dieses Bild manchmal lückenhaft ist und im Zustandekommen dem Autor auch eine mehr als große Geduld abverlangt haben muss.

FACTS: “Kriegsgefangene und Fremdarbeiter in Würzburg” von Leo H. Hahn – Herausgeber Leo H. Hahn, Würzburg 2005 – ISBN 3-00-017731-0