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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Comickritik: Geschichten aus dem Wunderland I & II

Geschichten aus dem Wunderland II

Was macht man, wenn man eine Trilogie erfolgreich abgeschlossen hat? Nein, keinen 4. Teil, d. h. zumindest nicht, wenn man noch eine Menge Geschichten drumherum zu erzählen hat. Für diese Lösung haben sich zumindest die Köpfe hinter der Wunderland-Trilogie entschieden und zwei Sammlungen von Comickurzgeschichten veröffentlicht, die mal vor, mal nach oder auch mal während der Horrorabenteuer von Calie, Heldin der Trilogie, spielen.

Und für reichlich Erklärungsbedarf hat die Trilogie ja auch gesorgt, so manche Geschichte wirkt dann auch wie ein erklärendes Fragment, ein Rückblick auf Ereignisse, die sonst nur in einer kurzen Erzählung erschienen sind. Wie zum Beispiel Calies Ururgroßvater einst das Portal ins Wunderland fand und sich die ewige Jugend erkaufte. Oder wie das Portal überhaupt entstanden ist.

Doch die beiden Bände – mehr werden wohl folgen – haben sich mehr vorgenommen als ein Sequel für die Geschichte zu sein, die im Mittelpunkt der Wonderland-Trilogie steht. Viel mehr scheint das Motto gewesen zu sein, wenn schon auch Vorgeschichten erzählen, dann aber wirklich … Und so wird auch die ein oder andere Frage geklärt, auf die auch Lewis Carroll keine Antwort lieferte.

“Tretet ein ins Wunderland und blutet bitte nicht auf den Boden.”

Wie kam zum Beispiel die Herzkönigin ins Wunderland? Wer ist der verrückte Hutmacher wirklich? Und warum sind Didledum und Didlei in dieser Variante des Wunderlandes keine netten dicken Jungs?

Die Macher der Comicserie bleiben sich auch in den beide Folgebänden treu, im Guten, wie im Schlechten. Die Story, in den drei Bänden zuvor schon nicht die übersichtliste, wird auch durch so manche Erklärung nicht klarer. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, springen die Handlungsstränge doch hier hin und her. Und so manche der Kurzgeschichten scheint so lange gedacht, das sie fortgesetzt wird oder werden wird. Am Ende von “Geschichten aus dem Wunderland II” scheinen die Macher dem selbst ein bisschen entgegen wirken zu wollen, in dem sie eine Charaktergalerie an den Schluss setzen und zumindest etwas Klarheit schaffen, wer nun wer ist und warum er was tut.

Die Storys und die Zeichnungen werden im Vergleich zur Trilogie noch einen Tick härter, so dass man langsam aber sicher über den “Empfohlen ab 16 Jahren”-Hinweis nachdenken sollte. Man kann nur hoffen, dass mit weiteren Folgen keine Spirale von mehr Erotik und mehr Gewalt in Gang gesetzt wird – oder vielleicht auch schon längst in Gang gesetzt wurde. Schade wär es schon, denn noch steckt in der Idee einiges an Potential.

Comickritik: Jenseits vom Wunderland

Comickritik: Jenseits vom Wunderland

Die bizarre Neuauflage der Geschichte von “Alice im Wunderland” durch Raven Gregory und Team geht weiter. Auch wenn der 1. Teil <Werbung> Rückkehr ins Wunderland </Werbung> für eine Reihe vergleichsmäßig gut abgeschlossen wurde – oder eben nicht, denn in “Wonderland – Jenseits vom Wunderland” gibt es einige Erzählstränge die aufgegriffen und recht brutal abgeschnitten werden.

“Brutal” ist übrigens auch ein gutes Stichwort, denn Comics wie der 2. Teil der Wonderland-Reihe werfen durchaus eine Frage auf, die der Jugendfreigabe. “Empfohlen ab 16 Jahren” steht auf der Rückseite des Comicbandes, ganz unten, eingeklemmt zwischen Barcode und Werbezitat – sprich, nicht gerade auffällig, dafür aber gut versteckt. Und was heißt überhaupt empfohlen, darf sich das jetzt eine 12-Jähriger kaufen, oder nicht?

“Jenseits vom Wunderland” ist mehr als einen Tick brutaler als der erste Teil, es wird gemordet, geschlachtet und mehr als einmal gehäutet. Überwiegend übrigens nicht einmal im Wunderland, das in Gregorys Version ja ein Hort des Wahnsinns in seiner blutigen Variante ist, sondern im realen New York. Das widerspricht dem Konzept weniger, als man auf den ersten Blick zu glauben scheint. Das es in der Realität brutaler zugeht, als im dem Wahnsinn verfallenen Wunderland, ist mehr als ein Resultat des in die reale Welt hineinsickernden unrealen Wahnsinns.

Die Story geht weiter

Im Gegensatz zum ersten Part ist “Jenseits vom Wunderland” ganz eindeutig ein Zwischenstück mit offenen Ende. Sogar ein so offenes Ende, dass der Leser – also ich – froh ist, die Serie erst in Angriff genommen zu haben, als schon alle Teile veröffentlicht sind. Da sieht man es dem Autor auch nach, dass das Ende nicht wirklich so überraschend ist, wie es vielleicht gemeint war.

FACTS: “Wonderland – Jenseits vom Wunderland” von Raven Gregory – Zeichnungen: Rich Bonk, Daniel Leister, Nei Ruffino – erschienen bei Panini Comics 2010 – ISBN 978-3-86201-016-5

Comickritik: Wonderland – Rückkehr ins Wunderland

Wonderland - Rückkehr ins Wunderland

Ich werde alt, Zeit sich wieder etwas Vergangenem zuzuwenden. Comics zum Beispiel. Und nachdem ich die japanische Phase durch habe und mir ein Micky Maus-Heft zu kaufen irgenwie zu peinlich ist, wurde es eben “Rückkehr ins Wunderland” – der 1. Teil von Raven Gregorys Serie “Wonderland”.

Etwa zeitgleich mit Tim Burtons neuer Version der alten Geschichte von Lewis Carroll brachte das Trio Raven Gregory, Daniel Leister und Nei Ruffino ihre eigene Neuinterpretation von “Alice im Wunderland” heraus. Und im Gegensatz zu Burton, kann man hier auch tatsächlich von einer gewaltigen Neuinterpretation sprechen.

Was dort zwischen den BuchComicdeckeln zu finden ist, ist soweit von der Geschichte von Lewis Carroll in Meilen soweit entfernt, wie Kapstadt und die Faoerinseln – scheint es zumindest auf den ersten Blick. Die Geschichte strotzt nur so von Gewalt, von wahnsinnigen und blutrünstigen Bewohnern des Wunderlandes und natürlich von einer genreüblichen Beimischung an Erotik. Und doch ist diese Interpretation vielleicht auch deshalb weit näher am Original, als es viele andere zuvor waren.

Und selbst wenn dem nicht so wäre, das Buch zeigt manigfache Homagen an den Ursprung und darüber hinaus. Denn Alice Liddle ist groß geworden, von ihrem Ausflug ins Wunderland gezeichnet, kommt jetzt ihre Tochter Carol zu dem zweifelhaften Vergnügen dem Kaninchen zu folgen. Alice Liddle gab es übrigens wirklich, sie soll Carroll damals zu seiner Geschichte inspiriert haben – und die Macher des Comics haben ihre Heldin ihrerseits Carol “Calie” genannt.

“Aber das Mantra verfehlte seinen Zweck. Ihr Herz klopfte vor Angst und immer noch befand sie sich an diesem Ort. Der so plötzlich die Realität ersetzte.”

Kurzum, Storymäßig eine durchaus zu empfehlende Anschaffung (wenn wohl auch eher für Genrefans). Handwerklich kann man dagegen wohl nur eine durchschnittliche Bewertung abgegeben. Die Idee ein paar Seiten mit Tagebucheinträgen (der kleinen Alice) und Blogeinträgen ihrer beiden Kinder einzufügen ist ganz nett, aber nicht der Knaller. Die Texte sind oft zu klein und laden geradezu zum überlesen ein und manch Dialog ist reichlich flach – ich hoffe, das daran wie bei den meisten Filmen auch die deutsche Übersetzung Schuld ist.

FACTS: Wonderland – Rückkehr ins Wunderland von Raven Gregory – Zeichnungen: Rich Bonk, Daniel Leister, Nei Ruffino – erschienen bei Panini Comics 2010 – ISBN 978-3-86607-986-1