
Filmkritik: Mary und Max
Es gibt Filme, die man lange schon mal sehen wollte und dann sieht man sie – und ist enttäuscht. Und es gibt Filme, die man lange schon mal sehen wollte und dann sieht man sie – und sie sind noch viel besser, als man es erwartet hat.
Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? ist ein Film der zweiten Kategorie, denn der Knetanimationsfilm aus Australien ist ein wundervolles Kleinod, wie es einem Cineasten viel zu selten begegnet. Die Geschichte einer Freundschaft zweier einsamen Menschen, mal komisch, mal tragisch – nie aber lächerlich oder melodramatisch.
In Australien lebt die kleine Mary einsam, der Vater interessiert sich nur für ausgestopfte Vögel, die Mutter eine trinkende Kleptomanin, die wissen will, wie in Amerika die Kinder geboren werden. Also wählt sie sich einen Namen aus einem New Yorker Telefonbuch und schreibt Max Horowitz, einem einsamen Mann, der noch nicht weiß, dass die Welt ihm deshalb so fremd ist, weil er Autist ist und das Asperger Syndrom hat. Und obwohl der Brief, wie alle nachfolgenden auch, bei Max eine Panikattacke auslöst, antwortet er ihr und so beginnt eine Jahrelange Brieffreundschaft und beide begleiteten sich durch ein Leben, das mehr Tiefen als Höhen für sie bereithält.
Was Regisseur Adam Elliot aus dieser Grundstory macht, ist eine wundervolle Geschichte die zwischen herzzerreißend und herzerwärmend hin und her pendelt, ohne dabei je in die Gefahr abzugleiten zu kitischig zu sein. Max und Mary sind ein ungleiches Paar der Filmgeschichte, das einen manchmal laut lachen lassen möchte, manchmal weinen und am Ende konsequent mit gemischten Gefühlen zurücklässt. Die Geschichte zweier Menschen, die es im Leben nicht besonderes leicht haben – die aber sich haben, um die Klippen und Tiefen des Schicksals zu überwinden und trotz allem weiter zu leben.
“Mary & Max” ist ein Film über den Wert und die Wichtigkeit von Freundschaft, vielleicht der Beste, den ich darüber seit langer Zeit gesehen habe. Tiefberührend und absolut sehenswert. So das das einzige, was man wirklich kritisch anmerken könnte, tatsächlich die deutsche Altersfreigabe ab 6 Jahren überrascht – den wie gesagt, der Film mag für Jung und Alt sein, aber bei kleinen Kindern sollte im Anschluss zumindest ein Erwachsener bereit sein, um zu reden.
FACTS: Mary & Max – oder: Schrumpfen Schafe, wenn es regnet? (Australien 2009) – Regie: Adam Elliot
PS: Auf der Facebook-Seite von matterne.eu findet sich übrigens der Trailer zum Film, einfach reinklicken.