“Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus” – wenn ich an dieses Buch denken muss, habe ich oft die junge Sophie Scholl vor Augen, die in den Bekenntnissen las, während sie 1941 den Reichsarbeitsdienst ableisten musste. In einer Zeit, die wir getrost als besonders dunkel, besonders unfrei und besonders glaubenslos bezeichnen können, fand die junge Sophie in den Werken des Augustinus etwas, was ihr die nationalsozialistischen Herrscher vergebens einflößen wollten, Orientierung. Während das Gros ihrer Altersgenossen ohne groß darüber nachzudenken im Gleichschritt marschierten, betrat sie eine andere, bessere Welt – aber auch eine Welt, in der zu leben, von der Außenwelt ein großer Preis verlangt wurde.
Die Wahrheit spielt in den Bekenntnissen eine große Rolle, mit ihr setzt sich Augustinus ebenso ausführlich auseinander wie mit dem Begriff Zeit. Es sind zwei Begriffe, die wir so alltäglich wahrnehmen und uns gar keine Gedanken mehr darüber machen, dass es umso überraschender ist mit welcher Tiefe Augustinus diese beiden für den Menschen doch so zentrale Begriffe analysieren kann.
Doch diese Aspekte gehören, neben der Frage nach der Schöpfungsgeschichte, zum zweiten Teil dieses Werkes. Der erste Teil kommt dem Titel wesentlich näher, in dem Augustinus seine Autobiographie vorlegt. Von seiner Geburt bis zu seiner Rückkehr nach Nordafrika, nach dem er in Mailand bekehrt wurde und zu jenem Augustinus wurde, den wir uns heute vorstellen.
Liebeserklärung an Gott
Es ist ein Bekenntnis gegenüber Gott, der freilich aber schon alles weiß und nicht in den Schriften von Augustinus lesen muss. Dieses Paradox bewusst wendet sich Augustinus natürlich des öfteren direkt an seine Leser, ohne aber direkt zu benennen, um was es sich bei diesem Buch tatsächlich handelt. Im Grunde sind die Bekenntnisse des Augustinus eine nicht enden wollende Liebeserklärung an Gott, an der Augustinus die ganze Welt teilhaben lassen möchte.
“Aus Liebe zu deiner Liebe tue ich es.”, Augustinus
Eine Liebe, die wie Augustinus schreibt, auf Gegenseitigkeit beruht und auch das mag eine Motivation für sein Werk zu sein. Auch von dieser tiefen und festen Überzeugung zeugen die Bekenntnisse des Augustinus. Und diese tiefe Zuversicht mag auch auf Sophie Scholl übergegangen sein, die in einer dunklen Zeit dennoch den richtigen Weg ging, auch wenn kaum ein anderer bereit war die richtige Wahl zu treffen.
