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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Buchkritik: Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus

Benozzo Gozzoli (Public domain), via Wikimedia Commons

Benozzo Gozzoli (Public domain), via Wikimedia Commons

Mit was könnte man einen modernen Kindle besser einweihen, als mit einem Buch, als noch niemand an Amazon oder E-Books gedacht hat. In einer Zeit in der, lange vor Erfindung des Buchdrucks, noch nicht einmal das Buch auf dem Weg zur Massenware war, sondern noch jedes Exemplar eine kleine Kostbarkeit darstellte.

“Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus” – wenn ich an dieses Buch denken muss, habe ich oft die junge Sophie Scholl vor Augen, die in den Bekenntnissen las, während sie 1941 den Reichsarbeitsdienst ableisten musste. In einer Zeit, die wir getrost als besonders dunkel, besonders unfrei und besonders glaubenslos bezeichnen können, fand die junge Sophie in den Werken des Augustinus etwas, was ihr die nationalsozialistischen Herrscher vergebens einflößen wollten, Orientierung. Während das Gros ihrer Altersgenossen ohne groß darüber nachzudenken im Gleichschritt marschierten, betrat sie eine andere, bessere Welt – aber auch eine Welt, in der zu leben, von der Außenwelt ein großer Preis verlangt wurde.

Die Wahrheit spielt in den Bekenntnissen eine große Rolle, mit ihr setzt sich Augustinus ebenso ausführlich auseinander wie mit dem Begriff Zeit. Es sind zwei Begriffe, die wir so alltäglich wahrnehmen und uns gar keine Gedanken mehr darüber machen, dass es umso überraschender ist mit welcher Tiefe Augustinus diese beiden für den Menschen doch so zentrale Begriffe analysieren kann.

Doch diese Aspekte gehören, neben der Frage nach der Schöpfungsgeschichte, zum zweiten Teil dieses Werkes. Der erste Teil kommt dem Titel wesentlich näher, in dem Augustinus seine Autobiographie vorlegt. Von seiner Geburt bis zu seiner Rückkehr nach Nordafrika, nach dem er in Mailand bekehrt wurde und zu jenem Augustinus wurde, den wir uns heute vorstellen.

Liebeserklärung an Gott

Es ist ein Bekenntnis gegenüber Gott, der freilich aber schon alles weiß und nicht in den Schriften von Augustinus lesen muss. Dieses Paradox bewusst wendet sich Augustinus natürlich des öfteren direkt an seine Leser, ohne aber direkt zu benennen, um was es sich bei diesem Buch tatsächlich handelt. Im Grunde sind die Bekenntnisse des Augustinus eine nicht enden wollende Liebeserklärung an Gott, an der Augustinus die ganze Welt teilhaben lassen möchte.

“Aus Liebe zu deiner Liebe tue ich es.”, Augustinus

Eine Liebe, die wie Augustinus schreibt, auf Gegenseitigkeit beruht und auch das mag eine Motivation für sein Werk zu sein. Auch von dieser tiefen und festen Überzeugung zeugen die Bekenntnisse des Augustinus. Und diese tiefe Zuversicht mag auch auf Sophie Scholl übergegangen sein, die in einer dunklen Zeit dennoch den richtigen Weg ging, auch wenn kaum ein anderer bereit war die richtige Wahl zu treffen.

Augustinerkirche in Würzburg – Auch ein Lenssen kann mal danebenliegen

Der Heilige Augustinus als Holzkopf.

Als Kirchenbesucher in Würzburg ist mir der Name Jürgen Lenssen natürlich ein Begriff, der Domkapitular zeigt sich seit Jahren verantwortlich in einer hervorragenden Symbiose von Kunst und Kirche. Sein Einfluss auf die Neugestaltung von Neumünster in Würzburg halte ich nach wie vor für die gelungenste Kombination moderner Kunst und dem klassischen Inneren einer Kirche. Und auch bei der Umgestaltung der Augustinerkirche, im Herzen Würzburg, ist Jürgen Lenssens Handschrift unverkennbar.

Und eigentlich ist man versucht, die erfolgreich Fortsetzung der Arbeit in der nicht weit davon entfernten Neumünsterkirche zu vermuten. Für Puristen und Traditionalisten, für die seit der vorletzten Jahrhundertwende auch bau- und kunsttechnisch die Zeit stehen geblieben ist, dürfte der neue Kreuzgang des Künstlers Jacques Gassmann freilich nichts außer ein Grund sich mal wieder so richtig über die Moderne aufzuregen. Wer sich aber auf das Neue einlässt, der kann hier eben auch völlig neue Impulse bekommen.

Dominant jedoch ist das vor dem alten, ganz im barocken Stil gehaltene Altarbild “Maria vom Siege” gehängte Bild “Himmlisches Jerusalem”, ebenfalls von Gassmann. Was mich daran stört ist nicht das Bild selbst, mit seinen bunten orangen und blauen Tönen passt es geradezu perfekt ins barocke Weiß des Stucks rundherum. Was mich stört ist die erstaunliche Inkonsequenz die hinter der Idee steckt das alte Bild im Chorraum nicht auszutauschen sondern ein neues davor zu hängen – um es ab und zu auch wieder abzuhängen. Das hat so einen faden Beigeschmack des halben Weges und der ist eigentlich nie gut …

… es sei denn, man geht in Richtung Kitsch. Und hier ist man bei der Neugestaltung leider auch den ganzen Weg gegangen. Im Chorraum sitzt seit einigen Wochen der Heilige Augustinus höchstpersönlich, aus Holz allerdings. Eine lebensechte und vielleicht genau deshalb recht kitschige Statue, die von Papierfahnen umweht wird, bei denen man nur unschwer auch auf die Assoziation Toilettenpapierfahnen kommen könnte. Wirklich, da bin ich kein Fan von. Zumindest hat man noch Holz als Material gewählt und nicht gleich eine Wachsfigur auf die Chorbank gesetzt. Was für einen bizarren Eindruck muss das erst machen, wenn die Bank besetzt wird?