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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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#BostonMarathon bei Twitter

Eigentlich wollte ich mich an dieser Stelle darüber auslassen, wie mich diese Aufrechner ankotzen, die sich bemüßigt fühlen ihr eigenes Weltbild zu rechtfertigen, in dem sie Gewaltopfer gegeneinander aufrechnen. Aber folgender Tweet drückt es ganz passend aus:

medienerziehung for dummies: etwas schlimmes niemals mit anderen schlimmigkeiten unschlimm reden. sowas ist geistig sehr tief angesiedelt.
@weltherrscher
weltherrscher

Und auch über eine andere bei Twitter und Facebook nach den Anschlägen auf den Marathon in Boston muss ich mich nicht ausführlich äußern, sondern kann einen Tweet einbinden:

So viele hier, die auf diese oder jene Täter hoffen - als ob man so einen Anschlag nur abhängig davon wer ihn beging widerwärtig finden kann
@Elquee
♚Elquee♚

Warum Massenmedien gut für die Demokratie sind

Einer der besten Blogartikel, die ich dieser Tage gelesen habe war Die Lebenslüge der digitalen Avantgarde und der Verlage im Onlinejournalismusblog. Obwohl es nur ein ähnliches Thema ist, musste ich an diesen Artikel auch beim Lesen von Kilian Martins Aus der Zeit gefallen denken.

Er beschreibt dort wie sich sein Medienkonsum individualisiert hat, und Broadcastmedien wie Fernsehen oder Zeitung mehr oder weniger nur noch ab und zu eine kleine Nebenrolle spielen. Derart liest man oft im Internet, nicht wenige verkünden mit Stolz geschwellter Brust gar keinen Fernseher mehr zu besitzen.

Als ewiger Contra-Geber bin ich bei solchen Aussagen immer geneigt auf zwei Tatsachen hinzuweisen. Wobei es zuerst einmal eine Frage ist, inwiefern ist diese sogenannte Individualisierung überhaupt represantativ. Erfasst sie tatsächlich eine breite Bevölkerungsgruppe. Will Otto-Normalverbraucher sich seine Unterhaltung und seine Informationen selber zusammensuchen? Will die Mehrheit sich durch die Mediatheken des Internets klicken, oder zappt man sich nicht lieber mit einem “passt schon” durch die Kanäle? Was an Zahlen bekannt ist, spricht gegen die Annahme, dass Massen von Menschen ihren Medienkonsum selbst bestimmen wollen. Und das wird sich meiner Ansicht nach in nächster Zeit auch nicht ändern, zumindest nicht so stark, dass zum Beispiel – bei allen Todesgesängen – das Fernsehen an sich wirklich in Gefahr ist. Die Masse, für die diese Medien konstruiert sind, werden sich mit SmartTV oder ähnlichen Entwicklungen zufrieden geben.

Massenmedien machen es uns einfach

Die Sache hat natürlich ihre Vorteile, und damit komme ich über einen Zwischenschritt zu meinem Punkt 2. Es spart Zeit, man muss, um sich zu informieren informiert sein. Google benutzen kann jeder, aber die Suchergebnisse einschätzen ist eine ganz andere Geschichte. Hier spielt der Journalismus seine eigentliche Rolle. Es geht nicht darum Meinungen zu schaffen, es geht darum objektiv einzuordnen.

“Und ich folge natürlich dauernd Links zu Online-Angeboten von Print-Medien, welche mir so über die verschiedenen Netzwerke in die Timeline gespült werden.”

Quelle: Die Testphase

Neben dieser Funktion, haben die Massenmedien einen großen Vorteil, sie sind nicht individualisiert. Klingt komisch, aber dieser Vorteil ist gewaltig. Sich selbst seine Unterhaltung und Informationen zusammenzusuchen ist nämlich ein Mär. Wie Kilian im obigen Zitat zugibt, wenn auch indirekt. Denn wer bestimmt zum Beispiel seine Timeline bei Facebook. Er selbst, nicht ganz, Facebook spricht dabei ein gehöriges Wort mit. Natürlich nicht auf die böse Art und Weise, man will ihm etwas Gutes tun und anhand seiner erkannten Interessen hantieren. Was aber bedeutet, Neues, Abwechslung, von den Interessen und Meinungen abweichende Punkte werden ausgeschlossen.

Massenmedien sorgen auch für Meinungsvielfalt

Hier wird ein System perfektioniert, das wir unbewusst ohnehin schon betreiben, wenn wir uns ausschließlich im Netz informieren. Wer seine tägliche Newsdosis nicht von der Tageschau oder aus der Tageszeitung holt, der stellt sich meist ein Nachrichtenpaket zusammen, das seiner Meinung entspricht. Mit anderen Meinungen wird er gar nicht konfrontiert, was ihn wiederzum in seiner eigenen nur noch bestärkt. 

Das gilt dann übrigens auch für den Bereich Unterhaltung, auch die “Das könnte Ihnen gefallen”-Vorschläge von YouTube, Spotify usw. usf. sind nicht darauf angelegt Neues zu entdecken. Sie sind darauf angelegt den eigenen, ganz persönlichen Einheitsbrei immer und immer wieder warm zu kochen. Damit kann man zufrieden sein, wenn man das andere auch nicht mehr wahrnehmen wird, ist man damit wahrscheinlich auch zufrieden.

Aber sollte das wirklich das Ziel der Individualisierung sein, schlägt die Waage zwischen Idividuum und Masse dann nicht zur falschen Seite aus? Ein Gleichgewicht ist es auf jeden Fall nicht mehr. Es ist ein individuelles Leben, ja, aber es wird auf die Dauer stinklangweilig werden.