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Während sich so manch FDP-Gegner nach der Bundestagswahl wohl denken könnte, Totgesagte leben länger, dürfte der Piratenspuk allerdings nach den Wahlen vorbei sein. Umfragen hin oder her, am Ende dürfte es noch genug CDU-Wähler geben, die nicht wirklich mit der SPD wollen und ihr Kreuz deshalb bei den (sogenannten) Liberalen machen. Die Piraten können unterdessen keine solche Rückversicherung aufweisen. Sie stehen ganz alleine da und sie haben sich am Abgrund der politischen Bedeutungslosigkeit postiert. Noch ehe 2013 zu Ende ist, werden sie wohl den berühmten Schritt weiter sein.
Rechter Sumpf und Führungunsunfähigkeiten waren die einzigen Anlässe für mediale Aufmerksamkeit, nach dem die Wahlerfolge ausblieben. Das hat die Piraten hart getroffen, schlimmer aber dürfte sein, dass der Charme der Unwissenheit verflogen ist. Sich hinzustellen und ehrlich zu sagen, entschuldigung, in dem Punkt weiß ich nicht genug, um etwas dazu zu sagen, hatte beim Wähler eine Zeit lang einen gewissen Charme. Doch im medialen Brennglas muss eine neue Partei schneller erwachsen werden, als damals zum Beispiel die Grünen. Und obwohl die Piraten durchaus genug Zeit gehabt haben, Antworten haben sie nach wie vor nicht gefunden. Die Wahlprogramme sind dünn, die Experten noch dünner gesät. Manche wissen noch nicht einmal über sich selbst Bescheid, so differieren die Mitgliederzahlen der bayerischen Piraten um 2000, je nach dem welchen der beiden Top-Piraten im Bezirk Unterfranken man fragt – wie in der heutigen Main Post zu lesen war.
Warum dieses Fiasko? Vielleicht ist es die Schwarmintelligenz und die Liquid Democracy? Man kann den Piraten nicht vorwerfen, dass sie nicht bei sich selbst versuchen, was sie als besseres Model für die Gesellschaft sehen. Allein, es funktioniert nicht einmal in der Partei selbst. Schwarmintelligenz ist nur ein hübsches Wort für, alle dürfen schreien und wer am lautesten schreit, gewinnt. Womit die (Austragung) der Machtkämpfe innerhalb der Partei schon perfekt erklärt wären.
Zu stark ist der Unwille sich an dem System zu beteiligen, dessen Regeln man unterliegt. Die Piraten wollen anders sein und haben zu spät begriffen, dass der Wähler das nur eine gewisse Zeit mitmacht. Die Wahlerfolge haben die Piraten siegestrunken gemacht, irgendwann glaubten sie selbst, der Wähler würde in ihnen eine ernstzunehmende Partei sehen. Dabei waren sie nie mehr als die typische Protestpartei und am Ende hatten sie trotz aller Gegensteuerungsversuche eine starke Rechstschlagseite. Für die engagierten Mitglieder – oder besser für die Engagierten unter den Mitgliedern – mag das ein tragisches Ende sein, vielleicht hätte der ein oder andere in einer anderen Partei tatsächlich mehr erreichen können – vorrausgesetzt er hat einen langen Atem.
Wer sich in einigen Jahren an die Piraten erinnern wird, der wird zwei Sichtweisen haben. Der Ex-Pirat wird sagen, die Partei ist an dem System gescheitert, das es abschaffen wollte und demnach nie sein wollte. Der Rest wird sich schon beim Namen “Piraten” fragen, wie eine nicht ernstzunehmende Spaßpartei in Landtage einziehen konnte. Ein bisschen Recht werden beide haben.
