
Die Zukunft des Fernsehens findet nicht im Fernseher statt.
In der aktuellen Printausgabe von tn3 philosophiert BR-Vorzeige-Web 2.0er Richard Gutjahr über das wohl bald kommende Apple TV und kommt zu dem nicht wirklich unlogischen Schluss, dass es sich dabei nicht um einen Fernseher an sich handelt, sondern eher einer Verkleinerung der Apple TV Box.
Eine solche Apple TV Box nenne ich ja auch mein eigen, und es ist schon richtig, obwohl sie an sich auch ein bisschen was mitbringt, eigentlich macht sie nur in Verbindung zu iPad oder iPhone wirklich Sinn. Da frag ich mich schon, ob die Bezeichung Second Screen für mein iPad in diesem Fall überhaupt noch passend ist.Nichts desto trotz scheinen sich die Hinweise zu mehren, dass die Verschmelzung zwischen Fernsehen und Internet anders stattfinden wird, als sich das Fernsehhersteller und auch Fernsehmacher vorstellen. Denn bei beiden Gruppen halten sich nach wie vor die Schlagwörter Smart TV und HbbTV.
Die Hersteller von Fernsehgeräten rüsten ihre neuen Geräte fleißig mit den jeweils eigenen Apps aus und ignorieren dabei fleißig, dass die Dinger kaum einer nutzt. Der durchschnittliche User tut mit seinem Fernseher nach wie vor das, was er seit Jahrzehnten getan hat: Er glotzt TV. Das digitale Begleitprogramm aber spielt sich zunehmend auf Tablets und Smartphones ab. Wer sich tatsächlich aktiv beteiligen will, Buzzwords wie Social TV mit Leben füllen möchte, der tut das mit den Geräten von der Couch aus.
Der Übertragungsweg ist die große Unbekannte
Bei Fernsehleuten hingegen kommt man nach wie vor nicht vom HbbTV weg, Paradebeispiel ist hier die Politik, zum Beispiel in Vertretung der BLM. Deren Präsident darin noch immer soetwas wie Zukunft zu sehen glaubt. Freilich glaubt er auch, der Zuschauer würde sich damit zufriedengeben über HbbTV zum Beispiel die Rezepte zu den Kochshows im Lokal TV herunterladen zu können. Dahinter steckt natürlich auch die bei manchen Fernsehmachern immer noch weit verbreitete Broadcast-Mentalität. Es gibt immer noch einige, die glauben das Internet sei nur ein zusätzlicher Übertragungskanal wie das Kabel oder der Satellit, über den man den Zuschauer einseitig zusenden kann.
Die Zukunft, allein schon der Teil, der bereits da ist, scheint aber deutlich eine andere Sprache zu sprechen. Apple-Fan Gutjahr sieht praktisch schon das Fernsehen für die Hosentasche, in Form einen Apple Sticks, den man per HDMI in jedes Gerät einstecken kann. Das Fernsehgerät an sich hat in dieser Welt kaum mehr Funktionen, als die gute alte Röhre.
Schöne neue Fernsehwelt also, wäre das nicht das rosa Schreckgespents, das die Weböffenlichkeit seit kurzem in Drosselcom umbenannt hat. Wie sich die geplannte Drosselung, ab 2016 für jetzige Neukunden und ab 2018 auch für Altkunden, aufs Fernsehgeschäft auswirken wird, ist derzeit das eigentliche große Damoklesschwert über der Branche. Lovefilme & Co. werden sich freikaufen, aber wie sieht es zum Beispiel mit den kleinen TV-Sendern aus und den innovativen Startups, die auf Video setzen?


