
Gestern in Bad Windsheim fotografiert.

Gestern in Bad Windsheim fotografiert.
Würzburgs und Unterfrankens größtes Volksfest geht in die zweite und letzte Woche. Und so wie es aussieht sind alle zufrieden. Die Schausteller, die Stadt, die Besucher – und die Verkäufer von Dirndln. Denn auch in diesem Jahr wird auf dem fränkischen Volksfest wieder (ober-)bayerische Tracht getragen. Wobei man natürlich sagen muss, was die Kilianibesucherin unter “Dirndl” versteht, würde in Oberbayern eher ein Aufruf zur Hexenverbrennung darstellen – aber die Problemtracht läuft ja auf dem Würzburger Kiliani herum.

Für was wird hier geworben? a) Oktoberfest b) einen Faschingsumzug oder c) Würzburger Kiliani
Ich sage es ganz ehrlich, bayerische Tracht gehört nicht auf ein fränkisches Volksfest, soviel Heimatverbundenheit muss schon sein. Niemand verlangt ja, dass man sich in die Ochsenfurter Gautracht wirft, um die Wilde Maus herunter zu fahren, aber ein bisschen Lokalpatriotismusanstand darf man doch wohl erwarten. Besonders wenn sich nicht nur die üblichen jeden noch so affigen Trend Hinterherlaufenden wie zum Oktoberfest kostümieren, sondern auch so manche die es eigentlich besser wissen müssten.
Das nicht nur mir dieser Trend nicht passt, zeigen auch die Kommentare auf der eher Pro-Dirndl-Facbookseite von Würzburg.erleben. Ebenfalls nicht unzufrieden mit diesem Trend scheint Herbert Kriener von der Main Post zu sein, wie er heute in seiner Kolumne “Boulevard Würzburg” schrieb. Kriener betrieb dort auch ein bisschen Ursachenforschung und hat den Stadlwirt als eben solche identifiziert – zurecht übrigens. Mit jener pseudo-kitschigen Almhütte hat das Unglück vor ein paar Jahren auf dem Würzburger Kiliani Einzug gehalten, erst kam der Alpentrash und dann die dazugehörige Alpentrashtracht.

Kann nicht auch manches Dirndl eine Waffe sein?
Aber, so Kriener, man müsse es dem Stadlwirt lassen, dass man nicht mehr wie früher billige Trainingsanzüge auf dem Kiliani sieht, sondern eben bayerische Tracht. Billige Trainingsanzüge sind hier wohl ein Synonym für HARTZ IV-Empfänger, die, wenn sie aus finanziellen Gründen auch sonst von den meisten gesellschaftlichen Ereignissen ausgeschlossen sind, zumindest auf dem Kiliani Volksfest ihren Spaß haben wollen. Und wissen Sie was Herr Kriener, diese billigen Trainingsanzüge sind wenigstens authentisch!
Gut, muss man Dirndl jetzt auf dem Kiliani gleich verbieten? Nein, natürlich nicht. Geht ja übrigens auch gar nicht und will auch niemand ernsthaft.
Aber man wird sich doch wohl mal über diesen Scheiß aufregen dürfen, oder etwa nicht?

Neues Museum in ehemaliger Schule?
Der Freistaat Bayern wird demnächst 100 und zur Party will man sich ein neues Museum gönnen. Nur ist noch nicht raus, wo im Freistaat das Museum stehen soll – Bewerberstädte sind allerdings schon im Gespräch.
Als das Gerücht auftauchte Nürnberg wolle sich als Standort bewerben, brodelte es bei fränkischen Patrioten. Manch Leserbriefschreiber der Nürnberger Zeitung soll den Vergleich gezogen habe, ein Bayern-Museum in Franken sei so, als wenn man ein China-Museum in Tibet eröffnen würde.
Als in Würzburg die Pläne konkret wurden, dass man sich als Standort für das Museum bewerben wird, blieb ein derartiger Proteststurm aus. Keine rot-weißen Fahnen wurden geschwenkt, keine Demo vom Vierröhrenbrunnen zur Residenz … entweder stimmte man zu oder, ganz fränkisch, man fand sich damit ab.
Vielleicht auch, weil dem Stadtrat mit der Bewerbung ein kleines Meisterwerk gelang. Schließlich soll seit Menschengedenken, oder ein paar Jahren, was in der Diskussion um das Thema ziemlich aufs Gleiche hinausläuft, auf dem Areal der ehemaligen Mozartschule ein Einkaufszentrum entstehen. Nur so richtig entstehen wollte da nichts, so wenig, dass es die Leute vom Programmkino Central sicher genug fanden sich dort erst einmal einzuquartieren – und nicht wenige glaubten, damit sei die Umgestaltung des Mozartareals auch mehr oder weniger abgeschlossen.
Das Museum gehört nach München und sonst nirgendwohin.
Doch offenbar hat man die Rechnung in Würzburg ohne die Politik gemacht, oder vielmehr ohne die Geschichte und der Idee das neue Museum über den Freistaat Bayern nach Würzburg zu holen. Zwar war auch die Festung Marienberg, irgendwie naheliegender als Museumsstandort, im Gespräch, aber schnell kam man auf die ehemalige Mozartschule. Vielleicht auch, weil dem jeder – na ja, fast – zustimmen konnte, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren – auch wenn man zuvor noch so vehement für das nicht entstehende Einkaufszentrum eingetreten war. Würzburg verdankt es also München, dass ein Thema in der Stadt weniger diskutiert wird – zumindest bis die Entscheidung gefallen ist. Und ob Würzburg den Zuschlag bekommt ist, sagen wir es einmal optimistisch, alles andere als eine ausgemachte Sache?
Überhaupt, mal unter uns, ein solches Museum gehört auch nicht nach Würzburg, es gehört nach München. Allein die Diskussion scheint mir wie eine billige Satire auf den Regionalproporz der CSU zu sein, als ob irgendwie ein Museum für bayerische Geschichte irgendwoanders suchen würde, als in der Landeshauptstadt.
Ja, ich wurde in der Pampa geboren, und ich bin stolz darauf. Okay, eigentlich bin ich im Kreiskrankenhaus Ochsenfurt geboren, als das noch nicht Main Klinik hieß, aber für manche Münchner scheint das ja die Pampa zu sein.
Schon heftig, was man da in der Main Post lesen musste: Schöne Grüße aus der Pampa – Ochsenfurt liegt am A… der Welt – glauben zumindest einige CSU-Stadträte aus München Okay, ich gestehe, auch ich habe Vorurteile gegen Münchner und die sind durch diesen Artikel so ziemlich alle bestätigt worden.
Und hier noch das passende Lied zum Tag der Franken ….
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=sf3xMC_x_0w?rel=0&w=450&h=349]
Mal unter uns, für was genau ist die fränkische Küche eigentlich berühmt – na ja, richtig, berühmt ist sie wahrscheinlich gar nicht. Oder für was ist sie bekannt, oder was verbindet man am ehesten mit der fränkischen Küche? Das erste was den meisten Leuten, selbst dem ein oder anderen Franken, einfallen dürfte, wären wohl die Bratwürste und danach kommt lange nichts. Irgendwann kommt einem vielleicht noch in den Sinn, dass es auch einen fränkischen Sauerbraten gibt und dann diese Zipfel. Saure Zipfel, blaue Zipfel – oder so ähnlich halt, aber jeden Fall nicht jedermanns Sache.
Fränkische Küche gehört irgendwie in alte – ehemals verauchte – Gasthäuser, sie ist deftig, schwer, nicht besonders kreativ usw. usf. Natürlich könnte man aber auch sagen, die fränkische Küche ist traditionell, kräftig und ehrlich, frei von Schnörkeln die nur dazu dienen weniger Essen auf den Tisch, dafür aber mehr Euro auf die Rechnung zu bringen.
Schlicht gestaltete der Tandem Verlag sein im Imprint 7Hill erschienenes Kochbuch “Alte Fränkische Küche”. Bilderlos und im Stil von Großmutters Kochbuch ist es auf die beiden wesentlichen Dinge beschränkt, mit denen ein Kochbuch daher kommen muss: Rezept und Zubereitung Ein “Merkzettel” am Ende jeder Zubereitungsanleitung, der Ratschläge zum Gericht oder bestimmten Zutaten enthält, oft sinnvoll, manchmal eine Binsenweisheit, ist so ziemlich die einzige Zusatzinformation in einem Buch, das so schlicht gehalten ist, dass selbst das Register schon irgendwie wie eine Zusatzinformation anmutet.
Diese Schlichtheit ist irgendwie schade, denn sie wird dazu führen das wohl nur die klassische Hausfrau zu dem Buch greifen wird, statt eine breitere Schicht für die fränkische Küche zu begeistern. Dabei scheint man bei der Zusammenstellung der Rezepte durchaus auch wenig Am-Herd-Steher im Auge gehabt zu haben, die man tatsächlich z. B. mit einem Rezept für Leberkäse mit Spiegelei – richtig, Leberkäse braten und Spiegelei in die Pfanne hauen – versorgt.
Freilich sind auch ein wenig kompliziertere Rezepte vorhanden, keines aber, das man als nicht nachkochbar bezeichnen würde. Besagter fränkische Sauerbraten, Hähnchen im Silvaner, fränkisches Bierfleisch und freilich dürfen auch die Scheufele nicht fehlen Und natürlich dürfen auch die saueren Zipfel, nicht jedermanns Sache, aber man sollte sie mal probiert haben.
FACTS: “Alter fränkische Küche” von Klaus Teuber – erschienen 2010 bei Tandem – 1. Auflage – ISBN 978-3-8331-5951-0


Wenn schon Kitsch, dann g'scheiter Kitsch.
Wenn man in Japan die bekannteste Stadt in Deutschland wählen würde, hätte Rothenburg ob der Tauber neben Berlin, München und vielleicht auch Düsseldorf, eine gute Chance auf den 1. Platz. Nicht umsonst lautet ein Klischee, dass die Straßen der Stadt stets angefüllt mit japanischen Touristen ist. Die werden zwar in gleicher Geschwindigkeit auch durch München geschleust, gehen dort aber in der Masse unter.
Und so hat es Rothenburg ob der Tauber schwer das zu sein, weshalb es eigentlich besucht werden will: Ein beschauliches, mittelalterliches und romantisches Städtchen im Herzen von Franken Es gehört eben zur bizarren Ironie des Tourismus, dass er Beschaulichkeit sucht, sie findet und dann zerstört. Da macht auch Rothenburg ob der Tauber keine wirkliche Ausnahme.
Natürlich ist es auch nicht besonders hilfreich wenn man Seitens der Rothenburger an den Stadttouren Kassen aufbaut und mahnt, nur wer sich einen Button für 2,50 Euro an die Brust heftet, dürfe sich später den Umzug durch die Stadt ansehen. Und für den gleichen Eintritt einen Mittelaltermarkt zu besuchen, der mit fünf Schritten durchwandert ist, rechtfertigt es zweifellos sich an den Aufpassern vorbei zu schleichen. Zumindest aber kann man sich den Eintritt in das örtliche Weihnachtsmuseum komplett sparen, denn der dazugehörige Laden befriedigt den Weihnachtsfan zu allen Jahreszeiten und total kostenlos – es sei denn natürlich man widersteht den durch die Weihnachtsdeko ausgelösten epileptischen Anfällen und kauft das ein oder andere aus dem Sortiment.
Verlässt man die ausgetretenen Touristenpfade allerdings, meidet die Stadtmauer, das Weihnachtsmuseum oder die Folterkammer. Geht ein bisschen abseits in die Gassen hinein, in denen eigentlich nur die Einheimischen – so es in Rothenburg ob der Tauber noch welche geben sollte – unterwegs sind, ja dann kann man tatsächlich noch etwas von dem mittelalterlich-romantischen Charme finden, der in den Prospekten angepriesen wird. Enge Gässchen, mit renovierungsbedürftigen Häuschen, Fensterläden, kleinen Geschäften, die Abseits der Touristenströme existieren können. Kein Gedränge, kein Fotogeknipse – nur Rothenburg ob der Tauber eben.