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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Alle guten Dinge sind drei – US-Fußballerinnen bekommen neue Chance

Fußball in den USA ist merkwürdiger, je länger man sich damit beschäftigt. Trotz des Versuchs mit der MLS sich erneut im Herzen der sportbegeisterten Amerikaner zu verankern, kommt der Fußball dort nicht so richtig in die Gänge. Mag vielleicht auch daran liegen, dass die Zugpferde der Teams nicht selten europäische Stars sind, die zwar noch ihren großen Namen haben, aber nicht mehr ihre große Zeit. Wobei es natürlich vielsagend ist, dass die dann in der MLS den Ton angeben können. Da es aber auch bei den „alten Herren“ mehr ums Geld geht, als ums Erlebnis Amerika, dürfte diese Strategie, mit Blick auf das Fußballhobby manche Scheichs, bald auch nur noch mittelgroße Namen in die Staaten locken.

Scheichs zahlen jetzt schon mehr

Warum der Fußball nicht richtig in die Gänge kommt, fragt sich manch europäischer Beobachter aber auch, weil die Grundvoraussetzungen auf beiden Kontinenten gleich sind: Fußball ist der beliebteste bei den Kindern. Doch diese Begeisterung der Jungend scheint sich nicht ins Erwachsenenleben zu retten. Denn schon im Collegebereich ist der Fußball zwar nicht mehr unter fernerliefen, aber hinter Basketball oder American Football spielt er nur eine marginale Rolle.

Association football at the 2012 Summer Olympics 005

By Joel Solomon from Denver, CO, USA (Women’s Soccer) – CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons

 

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass amerikanische Fußballmannschaften nicht gewinnen können. Zumindest nicht, so wie sich das die Amerikaner vorstellen, die in ihren drei großen Mannschaftssportarten American Football, Baseball und Basketball dominierend sind. (Was in Sachen Baseball oder American Football natürlich auch einen simplen Grund hat, den man nicht weiter ausführen muss.)

Bei den Fußballfrauen in den USA fällt dieses „Vielleicht“ freilich weg, die US-Girls dominieren den Frauenfußball zwar nicht, sind aber immer an der Spitze mit dabei. Und das, obwohl ihnen der eigene Ligabetrieb fehlt. Das soll sich mit der neuen NWSL (National Women Soccer League) ändern, die sich als Profiliga in den USA behaupten will.

NWSL mit Startproblem im Netz

Ob es wohl ein schlechtes Omen ist, dass die offizielle URL derzeit auf eine nicht vorhandene Facebook-Seite verlinkt? Die richtige findet sich übrigens hier, dort lässt sich die Entwicklung praktisch live nachvollziehen.

Der neue Versuch erregt auch deshalb ein bisschen Aufsehen, weil der US-Verband die Gehälter der eigenen Nationalspielerinnen zahlt, der kanadische und mexikanische Verband entsendet ebenfalls einige ihrer Spielerinnen. Die restlichen Spielerinnen müssen die beteiligten Vereine natürlich selbst zahlen. Diese Finanzierung ist im knallharten Profitgeschäft eine ungewöhnliche Finanzspritze, denn das US-Profisystem unterscheidet sich fundamental vom Rest der Welt. Die Profiligen sind geschlossene Ökosysteme in die keine Amateurmannschaft aufsteigen kann. Kommt ein neues Team hinzu, steckt dahinter kein sportlicher Erfolg, sondern ein (hoffentlich) gut durchdachter Businessplan.

US-Profiligen sind geschlossene Ökosysteme

Und damit sind wir dann am Kernproblem der Sache angelangt, es geht nur sekundär um den Sport. Primäres Ziel ist die Meisterschaft eben auch, weil sich mit Titeln am meisten Geld verdienen lässt. Und eine Liga besteht nur dann, wenn sie den Besitzern ihrer Clubs genug Geld abwirft. Deshalb ja auch die „großen Namen“ in der MLS, die ziehen Publikum an und steigern die Gewinnmargen im Trikotverkauf usw. Wobei, wenn die Liga erst einmal etabliert ist, diese Ökosystem natürlich auch Vorteile hat, wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Finanzkraft und damit zusammenstellbare Team in der NFL nicht annährend so differiert wie in der deutschen Bundesliga, die in dieser Hinsicht nicht einmal ein Extrembeispiel darstellt. Doch am Anfang einer Liga stellt sich das ganze eben als eine große Hürde heraus, die auch die NWSL erst einmal überspringen muss.

Bleibt zu hoffen, dass es diesmal gelingt einen Profispielbetrieb zu etablieren. Sonst gehen dem US-Verband am Ende nur die passenden Namen für einen neuen Versuch aus. Wusa, WPS, NWSL ….

Blattkritik: 11 Freunde

11 Freunde, das gab es nicht mal zu Beckenbauers Zeiten.

Das männliche Hirn ist ziemlich einfach zu manipulieren, man muss ihm nur was zum ausklappen geben und schon kann man sein Magazin verkaufen. Nein, ich hab mir keinen Playboy gekauft, sondern das Fußballmagazin “11 Freunde”, das die Stadien der Bundesliga zum ausklappen beilegt – in dieser Ausgabe die Mercedes Benz Arena in der der VfB Stuttgart seine Heimspiele austrägt.

Um ehrlich zu sein, habe ich mir die “11 Freunde” eigentlich gekauft, weil ich auf die “11 Freundinnen” neugierig war – die als Beilage zum Thema Frauenfußball mit im Heft zu finden war. D. h., es ist so eine kleine Beilage, dass man sie auch richtig suchen musste. Fast könnte man den Eindruck haben, für das ausklappbare Stadionposter sei mehr Papier verbraucht worden. Eine Besprechung lohnt sich also kaum …

Wenn man den “Kicker” als eine Art aktuelle Ergebnis- und Spielanalysezeitung bezeichnen möchte, liefert die “11 Freunde” die fundierten Hintergrundberichte aus dem Fußball. Man könnte fast sagen, es geht eigentlich nicht mal so sehr um das Spiel an sich, sondern um die Geschichten dahinter. Die aus ihren Verträgen geprügelten Profis in Osteuropa, die von heute auf morgen zu Fußballclub-Präsidenten gewordene Arminia Bielefeld-Fans oder portugiesische Universitäts-Clubs die helfen Diktatoren zu stürzen, um dann von Revolutionskomitees aufgelöst zu werden. Kurzum, all die großen Geschichten, denen sich der durchschnittliche Zuschauer der Sportschau jeden Samstag ebenso wenig bewusst zu sein scheint, wie der durchschnittliche deutsche Sportjournalist.

Die “11 Freunde” scheint mir sowas zu sein, wie das Fußballmagazin für den intellektuellen Sportfan. Oder auch einfach für den Fußballfan, der mehr wissen will, und sei es nur die Rubrik “Fußballschule”, die Themen wie “Vom Pressing zum Gegenpressing” erklärt – so oft schon von Fußbalkommentatoren gehört, aber wer kann es wirklich erklären.

Ganz ehrlich, wäre nicht die Enttäuschung über die mickrige Beilage “11 Freundinnen”, ich würde das Muttermagazin glatt auf meine monatliche Liste der teueren Fachmagazine setzen, die ich mir Monat für Monat vom Zeitschriftenhändler hole. Aber so …

FACTS: “11 Freunde” erscheint monatlich für 4,50 Euro – www.11freunde.de

Frauenfußball – Mehr als ein Hype?

Am Anfang stand die Gleichberechtigung, zumindest die klebbare dank eines Panini-Sammelalbum.

Heute ist sie also zu Ende gegangen, die Frauenfußball-WM. Manche mögen sagen “endlich, schließlich läuft zumindest schon wieder in der 2. Bundesliga richtiger Fußball”, andere mögen sagen, “schade, war schon schön”.

Ich persönlich habe mich ja als Fan des Frauenfußballs geoutet, insofern gehöre ich zur letzteren Gruppe. Das einzige was man hätte besser machen können, wären mehr Spiele nach 20 Uhr gewesen, dann hätte ich nämlich auch mehr gucken können.

Dennoch scheint bei nicht wenigen die Meinung vorzuherrschen, rund um die Fußballfrauenweltmeisterschaft sei einzig ein künstlich-medialer Hype gemacht worden. Und die ausverkauften Stadien ließen sich eh nur durch massenweise verschenkte Karten erklären. Das mit dem Hype ist auch gar nicht mal so falsch, denn den gibt es – wie auch massenweise verschenkte Karten – auch bei der Männer-WM. Denn wenn die Männer bei einer WM oder EM kicken, steigt die Zahl der “echten” Fußballfans – männlich, wenn auch überwiegend weiblich – auch stets drastisch in die Höhe. 80 Millionen Bundestrainer gibt es nicht die ganze Zeit, sondern nur bei einem großen Turnier.

War also alles nur ein Sommermärchen und wenn wir morgen aufwachen ist alles wieder beim alten. Die Leute gucken Bundesliga und so manches Kreisligaspiel der Männer kann sich in Sachen Publikumsansturm mit einer Begegnung in der 1. Frauenbundesliga messen? Ganz ehrlich, ich fürchte so wird es fast kommen. Na ja, “fast”, denn der ein oder andere wird sicher inzwischen überzeugt sein, das Frauen eben auch Fußball spielen können.

Klar werden die Zuschauerzahlen nicht auf Bundesliganiveau steigen, aber ich bin mir sicher ein kleines Plus wird schon dabei herausspringen. Vielleicht macht Frauenfußball ja aus der Tatsache Kapital, dass sich Frauenfußball als Familiensportart entpuppt hat – während man zum Beispiel in der 2. Bundesliga nicht nur durch die Ultras der Frankfurter Eintracht bei so manchem Spiel seine Familie aus Sicherheitsgründen besser zuhause lässt. Und auch bei den Ligen darunter gibt es bei manchen Clubs im Osten geradezu italienische Verhältnisse und Unsummen Steuergelder gehen dort für den Polizeieinsatz drauf.

Und weil ich mit gutem Beispiel vorangehen will, habe ich mir auch fest vorgenommen in der nächsten Saison ein paar Spiele des ETSV Würzburg zu besuchen. Die sind zwar auch 2. Liga, aber eben 2. Frauenbundesliga.

USA vs. Kolumbien – Hope Solo gucken

Die Frauen-WM läuft, seit gut einer Woche hat der Frauenfußball in Deutschland eine nie gekannte Aufmerksamkeit bekommen. Für manche ist das durchaus auch ein Fluch, siehe die mediale Behandlung von Deutschlands Spielführerin Birgit Prinz, für den Frauenfußball unterm Strich aber wohl ein Segen.

Gut, das letzte Spiel der deutschen Mannschaft war trotz Rekordeinschaltquote nicht gerade eine lupenreine Werbeaktion für den Frauenfußball. Und unter uns, selbst ein alter Frauenfußballfan wie ich, lag der Satz auf den Lippen, mit einem männlichen Schiedsrichter der die Fußballregeln beachtet, statt zu glauben er würde ein Rugbyspiel pfeifen, wäre es vielleicht besser gelaufen. Aber sei’s drum, man wird ja wohl auch den Frauen mal ein schlechtes Spiel zugestehen.

Solo tribute

Heute heißt es endlich auch Hope Solo (USA) live gucken.

Das es beim Deutschland-Nigeria-Spiel eine Rekordquote fürs Fernsehen gab, lag neben der deutschen Beteiligung aber sicher auch an der Sendezeit. Ich persönlich ärgere mich ja ein bisschen über die meisten Spielzeiten, für jemanden der bis 19 Uhr arbeitet, sind Spiele um 15 und 18 Uhr nicht gerade ideal. (Zudem das Frauenfußballfieber wohl auch bei den meisten Chefs nicht angekommen ist, die schon nur zähneknirschend bei Männerweltmeisterschaften Fußball gucken erlauben. :-) ) Und weil Urlaub nehmen derzeit nicht ist, bleibt einem eben nur das Wochenende.

Also hab ich heute schon fleißig Schweden – Nordkorea geguckt, und was soll man sagen, man muss sich angstvoll fragen, ob jetzt auch die nordkoreanische Frauenmannschaft gleich nach der Ankunft zuhause ins Bergwerk geschickt wird. Sicher kann man da ja nie sein, und auffallen würde es auch keinem. Schließlich beweist ein Blick in mein Panini-Album, dass die nordkoreanische Frauenmannschaft genauso geklont aussieht, wie ihre männlichen Kollegen in Südafrika.

Und dankenswerterweise wurde auch das Spiel USA – Kolumbien auf den heutigen Samstag gelegt. Unter uns, Patriotismus hin oder her, ich hab einen Fünfter auf die USA als Weltmeister gesetzt. Vielleicht auch, weil dort meine absolute Lieblingsspielerin Hope Solo im Tor steht.