Fußball in den USA ist merkwürdiger, je länger man sich damit beschäftigt. Trotz des Versuchs mit der MLS sich erneut im Herzen der sportbegeisterten Amerikaner zu verankern, kommt der Fußball dort nicht so richtig in die Gänge. Mag vielleicht auch daran liegen, dass die Zugpferde der Teams nicht selten europäische Stars sind, die zwar noch ihren großen Namen haben, aber nicht mehr ihre große Zeit. Wobei es natürlich vielsagend ist, dass die dann in der MLS den Ton angeben können. Da es aber auch bei den „alten Herren“ mehr ums Geld geht, als ums Erlebnis Amerika, dürfte diese Strategie, mit Blick auf das Fußballhobby manche Scheichs, bald auch nur noch mittelgroße Namen in die Staaten locken.
Scheichs zahlen jetzt schon mehr
Warum der Fußball nicht richtig in die Gänge kommt, fragt sich manch europäischer Beobachter aber auch, weil die Grundvoraussetzungen auf beiden Kontinenten gleich sind: Fußball ist der beliebteste bei den Kindern. Doch diese Begeisterung der Jungend scheint sich nicht ins Erwachsenenleben zu retten. Denn schon im Collegebereich ist der Fußball zwar nicht mehr unter fernerliefen, aber hinter Basketball oder American Football spielt er nur eine marginale Rolle.
By Joel Solomon from Denver, CO, USA (Women’s Soccer) – CC-BY-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0), via Wikimedia Commons
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass amerikanische Fußballmannschaften nicht gewinnen können. Zumindest nicht, so wie sich das die Amerikaner vorstellen, die in ihren drei großen Mannschaftssportarten American Football, Baseball und Basketball dominierend sind. (Was in Sachen Baseball oder American Football natürlich auch einen simplen Grund hat, den man nicht weiter ausführen muss.)
Bei den Fußballfrauen in den USA fällt dieses „Vielleicht“ freilich weg, die US-Girls dominieren den Frauenfußball zwar nicht, sind aber immer an der Spitze mit dabei. Und das, obwohl ihnen der eigene Ligabetrieb fehlt. Das soll sich mit der neuen NWSL (National Women Soccer League) ändern, die sich als Profiliga in den USA behaupten will.
NWSL mit Startproblem im Netz
Ob es wohl ein schlechtes Omen ist, dass die offizielle URL derzeit auf eine nicht vorhandene Facebook-Seite verlinkt? Die richtige findet sich übrigens hier, dort lässt sich die Entwicklung praktisch live nachvollziehen.
Der neue Versuch erregt auch deshalb ein bisschen Aufsehen, weil der US-Verband die Gehälter der eigenen Nationalspielerinnen zahlt, der kanadische und mexikanische Verband entsendet ebenfalls einige ihrer Spielerinnen. Die restlichen Spielerinnen müssen die beteiligten Vereine natürlich selbst zahlen. Diese Finanzierung ist im knallharten Profitgeschäft eine ungewöhnliche Finanzspritze, denn das US-Profisystem unterscheidet sich fundamental vom Rest der Welt. Die Profiligen sind geschlossene Ökosysteme in die keine Amateurmannschaft aufsteigen kann. Kommt ein neues Team hinzu, steckt dahinter kein sportlicher Erfolg, sondern ein (hoffentlich) gut durchdachter Businessplan.
US-Profiligen sind geschlossene Ökosysteme
Und damit sind wir dann am Kernproblem der Sache angelangt, es geht nur sekundär um den Sport. Primäres Ziel ist die Meisterschaft eben auch, weil sich mit Titeln am meisten Geld verdienen lässt. Und eine Liga besteht nur dann, wenn sie den Besitzern ihrer Clubs genug Geld abwirft. Deshalb ja auch die „großen Namen“ in der MLS, die ziehen Publikum an und steigern die Gewinnmargen im Trikotverkauf usw. Wobei, wenn die Liga erst einmal etabliert ist, diese Ökosystem natürlich auch Vorteile hat, wie zum Beispiel die Tatsache, dass die Finanzkraft und damit zusammenstellbare Team in der NFL nicht annährend so differiert wie in der deutschen Bundesliga, die in dieser Hinsicht nicht einmal ein Extrembeispiel darstellt. Doch am Anfang einer Liga stellt sich das ganze eben als eine große Hürde heraus, die auch die NWSL erst einmal überspringen muss.
Bleibt zu hoffen, dass es diesmal gelingt einen Profispielbetrieb zu etablieren. Sonst gehen dem US-Verband am Ende nur die passenden Namen für einen neuen Versuch aus. Wusa, WPS, NWSL ….




