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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Warum der Africa Cup besser als jede EM oder WM ist

Wenn es um große internationale Fußballturniere geht, gibt es für mich alle zwei Jahre einen Geheimtipp: Der Africa Cup of Nations, oder kurz, die Afrikameisterschaft.

Wenn ich so Bilanz ziehe, habe ich in den letzten zehn Jahren wahrscheinlich mehr Spiele des Africa Cups gesehen, als zur Europameisterschaft. Und seit dem Wochenende baut der afrikanische Fußball seine Vorrangstellung bei mir wieder fleißig aus. Dazu muss ich nicht einmal einen Pay-TV Sportkanal einschalten, seit Jahren überträgt Eurosport das Turnier in voller Länge und mit allen Spielen.

Didier Drogba hat seinen wichtigsten Titel vor sich

Mag natürlich aber auch daran liegen, dass die Afrikaner alle zwei Jahre zum Turnier einladen, statt wie die Europäer nur alle vier. Während sich die Europäer also alle zwei Jahre entweder auf die EM oder auf die WM konzentrieren, haben die afrikanischen Mannschaften ein etwas ambitionierteres Programm. Vielleicht auch ein bisschen zu ambitioniert, denn nach 2012 müssen die Spieler heute schon im Folgejahr wieder ran. Damit soll die Meisterschaft künftig in einem ungeraden Jahr stattfinden, also nicht mehr gleichzeitig mit der WM, die in einem geraden Jahr stattfindet. Und nebenbei bekommt man in Europa vielleicht auch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit, wenn nicht im gleichen Jahr die Europameisterschaft stattfindet – die ebenfalls auf gerade Jahrgänge fällt.

Dem afrikanischen Fußball bleibt es zu wünschen, denn der ist für mich eine der am meisten links liegen gelassenen Perlen des internationalen Sports. Nun gut, der Africa Cup bietet vielleicht keinen Fußball wie in einem Finale der Champions League. Aber inzwischen sind auch die meisten afrikanischen Mannschaften mit Spielern am Start, die sich nicht nur ihre Brötchen, sondern auch ihren Ruhm in Europa verdienen. Klassisches Beispiel ist seit Jahren Didier Drogba, Kapitän der Elfenbeinküste und ziemlich tragischer Held der letzten Afrikameisterschaft.

Da hat man noch den Arsch in der Hose

Neben den großen Namen kann man beim Africa Cup aber viel öfter etwas finden, was man bei der Europameisterschaft kaum noch und bei der Weltmeisterschaft noch bei Exoten findet: Stolz und Freude mitspielen zu können und Begeisterung für das Spiel an sich. Da hätte ein Team wie die seit Jahren als nachwuchstalentierte Millionärstruppe von Jogi Löw nichts zu suchen, wer beim Africa Cup was reißen will, der – die Formulierung passt – muss auch mal in der Lage sein seinen Arsch hochzukriegen und sich für seine Mannschaft und seine Heimat einzusetzen. Für einen Spieler wie Drogba beispielsweise ist das Tragen des Nationaltrikots noch eine Ehre, kein weiteres Argument den eigenen Marktwert noch ein bisschen in die Höhe zu treiben.

Natürlich ist das nicht durch die Bank so, aber es scheint eben noch die Regel zu sein, während es bei unseren großen Turnieren eher die Ausnahme ist. Und leider keimt in einem alten Pessimisten wie mir bei dieser Gelegenheit natürlich auch ein bisschen die Befürchtung mit, dass uns die Afrikaner in diesem Fall sozusagen irgendwann auch einholen werden. Aber bis dahin, ist noch einige Turniere Zeit.

Hallenfußball war einmal

Wenn man erst einmal über 30 ist, bekommt man unweigerlich die Krankheit Nostalgie verpasst, gegen die auch nach Jahrzehnten an Forschung noch kein richtiges Heilmittel gefunden wurde. In diesen Tagen erinnere ich mich besonders an Hallenfußball, denn um Dreikönig fand immer das Ochsenfurter Hallenturnier statt. Fußball, Bratwürste – was brauchte man als kleiner Bub mehr, um ein gelungenes Wochenende zu haben? Außerdem konnte man endlich mal die Schulsporthalle von oben sehen, ohne selbst dabei schwitzen zu müssen. (Und das einzige Mal, als ich während eines Turniers doch unten auf dem Feld stand, musste ich als Torwart Gott sei Dank nicht allzu viel rennen.) Lange ist’s her, damals als es noch den FC Ochsenfurt und den – viel besseren, weil ich da mit meiner Geburt angemeldet wurde – SV 72 Ochsenfurt. Heute haben sich beide Vereine zusammengeschlossen, was man in Würzburg auch mal machen sollte – aber das ist eine andere Geschichte.

Noch ein paar Jahre danach lieferte das DSF, den jüngeren unter uns als Sport1 bekannt, in der Winterpause der Bundesliga dann einige Übertragungen von Hallenturnieren. Das tun sie heute noch, allerdings eben doch ganz anders.

Es lebe der Kapitalismus im Sport

Die Profiklubs verbringen ihre Winterpause heute lieber je nach Kassenlage im Ausland. Die, über die sowieso außerhalb des Ligabetriebs nie berichtet wird, zwar nicht, andere zieht es in den Süden, die reichen Klubs lassen sich von den Scheichs locken. Für Spiele in der Halle vor dem eigenen Publikum haben Clubs wie Schalke oder schon gar nicht die Bayern keinen finanziellen Anreiz mehr, lieber bereitet man sich in der Wüste vor. Vereine wie Bayern München leben nach dem Motto: Geld zieht Geld an, es lebe der Kapitalismus im Sport!

Vor dem heimischen Publikum spielen bei den Hallenturnieren, die es dennoch gibt, spielen derweil zwar große Namen, aber meist in alter Besetzung. Hallenfußball ist zu einer Alte Herren-Veranstaltung geworden, statt Stars kicken grauhaarige ehemalige von denen einige zumindest mit ihren Namen an vergangene Triumphe erinnern können. Und wenn die sich verletzten, kostet es dem Verein zumindest nichts.

Nach unten durchgereichte Entwicklung?

In die Amateurligen hat sich dieser Rückzug der A-Mannschaft noch nicht komplett durchgeschlagen, wer hier Stadt- oder Bezirksmeister werden will, der tritt noch mit der A-Mannschaft an. Allerdings scheint das Verhalten von denen da oben auf jene, die glauben sie seien ja auch schon irgendwie oben, obwohl sie objektiv unten spielen, abzufärben. Hier in meinen Breitengraden namentlich die Würzburger Kickers. Die Kickers sind durch die Reform der bayerischen Fußballligen plötzlich in der Regionalliga gelandet und bei den anstehenden Würzburger Stadtmeisterschaften weder mit Trainer noch mit 1. Mannschaft aufgelaufen. Stattdessen schickten sie die 2. Mannschaft und ein paar Nachwuchstalente ins Rennen. Sehr zum Unmut des SC Heuchelhof, der dieses Jahr Veranstalter war und an der Reihe mit dem Turnier die Vereinskasse aufzubessern. Wie im heutigen Volksblatt zu lesen ist, sind die Verantwortlichen alles andere als begeistert, dass die Kickers nicht in Bestbesetzung angetreten sind und damit wohl auch zahlendes Publikum ausgeblieben ist.

Zu Recht, wie ich finde, ein bisschen Solidarität mit den unterklassigen Klubs hätte man ja schon erwarten können. Der große Stadtkonkurrent, der eine Klasse weiter unten in der Bayernliga kickt, Würzburger FV war sich schließlich nicht zu fein, nur die 2. Garde zu schicken. Für den regionalen Fußballfan bleibt da nur zu hoffen, dass dieses Verhalten ein für die Kickers – die sich ja gerne auch in anderen Situation mal für was Besseres halten – zwar nicht untypischer Zug ist, aber eben nur für die Würzburger Kickers.

Buchkritik: “Sebastian Deisler: Zurück ins Leben” von Michael Rosentritt

Sebastian Deisler: Zurück ins Leben

Depressionen werden in unserer Gesellschaft, trotz allen Fortschritts, noch zu oft als Schwäche ausgelegt. Und wer ein Paradebeispiel dafür sucht, der ist im Profifußball nicht an der schlechtesten Adresse. Robert Enke ist ein (tragisches) Stichwort, Sebastian Deisler, der den Ausstieg für sich schaffte, ein anderes.

In Sebastian Deisler: Zurück ins Leben legt er zusammen mit dem Sportjournalisten Michael Rosentritt seine Geschichte dar. Die von einem jungen Talent berichtet, dass auserkoren schien den deutschen Fußball aus einem Jahre andauernden Tief zu befreien. Es ist aber auch eine Geschichte, die zeigt wie man an den hohen Ansprüchen der anderen scheitern kann, wenn man glaubt sich an ihnen auch messen zu müssen.

Offen und doch sensibel geschrieben berichtet diese Biographie nicht nur über den Menschen – der hinter dem Fußballer oft zurückblieb – Sebastian Deisler. Über die Gründe, warum er letztlich scheiterte – die wesentlich vielfältiger sind, als das ein oder andere Klischee uns glauben machen will. Es ist eben nicht nur das sensible Wesen Deislers, das dazu führte. Es ist aber auch nicht die harte und ungerechte Welt des Profifußballs.

Mit den Medien als ständiger Begleiter hatte Deisler kaum eine Chance zu reifen oder unter normalen Umständen erwachsen zu werden. Mit der Wahl seines ersten Vereins, der sich bei seinem unschönen Wechsel alles andere als mit Ruhm bekleckerte, traf er wohl keine glückliche Wahl. Umso erstaunlicher, dass er sich beim FC Bayern München so lange halten konnte, gilt der Club vielen doch als deutsches Paradebeispiel für kaltherzigen Profifußball als Geldmachmaschine. So wird zum Beispiel nach der Lektüre mancher ein bisschen anders über Ulli Hoeneß denken. (Und auch über Franz Beckenbauer, nur in die andere Richtung.)

Depressionen treffen jeden, aber die wenigsten zeigen den Mut offen damit umzugehen, wenn sie in einer Situation wie Sebastian Deisler stecken. Leider zeigt dieses Buch auch warum, wenn Deisler nach seinem Klinikaufenthalt eine zum Teil im Verhältnis zu ihm veränderte Mannschaft vorfindet. Zu allem Unglück auch noch mit einem neuen Trainer, der Felix Magath – einem Trainer, der glaubt noch wie 1950 trainieren zu müssen. Eine Mannschaft, in der ein Oliver Kahn seine Charakterstärke nicht nur beweist, indem er seine hochschwangere Frau verlässt, und ein sich selbst umkreisender Mehmet Scholl per BILD nach dem Karriereaus noch nach Deisler tritt. Es sind in rückständiges Denken verfangene Männer wie sie, die den Mut von Sebastian Deisler seine Krankheit zu bekämpfen noch um einiges Erhöhen.

Ich jedenfalls finde diesen Mut bewunderswert, wenn man gerade in einer Welt, in der jede (wenn auch vermeintliche) Schwäche gnadenlos ausgenutzt wird, die Stärke zu haben zu seinen Depression zu stehen. Das allein macht dieses ehrliche und mutige Buch schon lesenswert.

FACTS: “Sebastian Deisler: Zurück ins Leben” von Michael Rosentritt – erschienen 2010 bei Knaur – ISBN: 978-3426784211

Die erste echte Europameisterschaft kommt!

So richtig Begeisterung scheint nicht aufzukommen, für die erste richtig gute Idee die Michel Platini als UEFA-Präsident hatte. In der spanischen Sportzeitung Marca sprachen sich 62 % gegen die Idee aus die EURO 2020 nicht an ein Land zu vergeben, sondern in ganz Europa spielen zu lassen. Und auch in Deutschland scheint die Idee nicht viel Anklang zu finden, in der aktuellen Ausgabe des Kicker halten es sogar fast 64 % für eine weniger gute Idee.

Da wird die UEFA also noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Denn eines zeichnet sich jetzt schon ab: Auch wenn die Idee für 2020 dem Jubiläumsjahr der UEFA geschuldet ist, mittel- bis langfristig könnte sich dieses Konzept durchsetzen.

Europa ist ein kleiner Kontinent, voller kleiner Staaten. Die Europameisterschaft aber ist ein großer Wettbewerb, der wie die meisten seiner Art mit einer Gigantismusschraube nach oben ausgestattet ist. Im Grunde gibt es nur drei Alternativen für die Zukunft:

  1. Eine kleine Anzahl von Nationen wechselt sich ab: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, vielleicht noch Spanien und Italien. Die anderen Länder können eine solche Großveranstaltung kaum noch stemmen.
  2. Es gibt bald eine EM in Skandinavien, den Benelux-Staaten, auf der iberischen Halbinsel, in Großbritannien und Irland usw. usf.
  3. Es gibt die paneuropäische Meisterschaft, bei der sich die großen Städte bewerben, die durch Vereine in der Champions oder Euro-League ohnehin schon Top-Stadien haben.

Und ganz ehrlich, ich finde diese dritte Alternative am reizvollsten. Was würde schon wegfallen? Ein nationaler Begeisterungssturm die EM zu sich nach Hause geholt zu haben? Der vergeht doch recht schnell. Ein ausbleibender Infrastrukturausbau in Vorbereitung für die EM? Sicher, aber der schließt auch bombastische Stadien ein, die für die EM gebraucht werden und danach nicht zu finanzieren sind. Kurze Anfahrtszeiten der Teams während des Turniers? Erzählt das mal den Teilnehmern bei der EURO in Polen und der Ukraine. (Wobei man hier sagen muss, die Gruppenphase sollte schon nur auf zwei oder drei nahliegende Austragsorte verteilt werden.)

Kurzum, ich bin durchaus für diese Idee zu begeistern. Übrigens wäre das auch ein bisschen konsequent, denn eigentlich wird die Europameisterschaft ja schon in ganz Europa ausgetragen. War wir als EM bezeichnen, ist eigentlich ja nur die Endrunde, die Meisterschaft selbst beginnt schon mit den Qualifikationsspielen für diese.

Ein Vormittag in München

Die letzten zwei Tage war ich unten in München alte Freunde besuchen. Jetzt, wo man Zeit hat, hat man halt auch keine Ausrede mehr in eine Stadt zu fahren, die man ehrlich gesagt gar nicht so mag. Ich meine, was will man auch denken von einer Stadt, deren Fußballfans in den Zügen skandieren: “Bauern, kniet nieder, eure Hauptstadt ist zu Gast”?

Aber ernsthaft, so schlimm ist München eigentlich gar nicht. Würzburg ist nur schöner!

P.S.: Ach ja, und für das Protokoll, ich war natürlich nicht auf dem Oktoberfest.

Warum Italien Europameister wird

… und warum Deutschland wieder mal im Halbfinale gescheitert ist.

“Balotelli ist der Mann, der jene Prostituierte beschläft, die zuvor Wayne Rooney beglückt hat. Er bricht in Frauenknäste ein und bewirft die Jugendspieler seines Vereins mit Dartpfeilen. Darin lediglich das Wuchern eines Unerzogenen zu vermuten, übersieht die Dimension dieses Einmannaufstandes.”

Quelle: Welt online

Allerdings liegt es nicht nur an Balotelli, dennoch hat er die Headline in diesem Artikel sehr wohl verdient, in dem Ulf Porschardt gut analysiert, was im Halbfinale Deutschland – Italien wirklich passiert ist: Balotellis Ein-Mann-Kriegserklärung an die Welt