Die Woche hat mich einer meiner neuen Kollegen gefragt, ich würde ja schon ein bisschen so in Richtung England tendieren. Hmm, damit hat er wahrscheinlich nicht so Unrecht. Auch wenn Engländer manchmal wegen ihrer Inselmentalität (zurecht) schief angesehen werden, ein bisschen anglophil bin ich ja schon. (Muss man wohl sein, wenn man sogar das englische Essen für essbar und auch gut hält.)
Mich hat diese Feststellung aber auch noch an eine Anekdote erinnert, die gut ein Jahr zurückliegen muss. Damals war ich ebenfalls neu in einer Firma und ein Kollege – ein Freelancer der nur gelegentlich im Unternehmen war – sprach mich in der Kaffeeküche immer auf Englisch an. Auch wenn man deutlich hören konnte, dass seine Muttersprache Deutsch war.
Das klingt strange, kam mir aber nicht mal so vor, weil ich damals für eine US-Wannabe-Company gearbeitet habe. Die Geschäftsführer planten gar die Betriebsversammlungen komplett in Englisch abzuhalten, obwohl im ganzen Unternehmen nur ein Amerikaner, ein Inder und noch ein Russin Deutsch nicht als Muttersprache hatten. Wenn einen da einer auf Englisch ansprach war er entweder ergeben oder hatte einen Sinn fürs sarkastische. (Der Leser darf raten, war mir im Kopf herumging, wenn ich ins Englische gewechselt bin.)
Eines Morgens, die Nacht war kurz oder der Tag drohte lang zu werden, ich bin mir nicht ganz sicher, hatte ich aber vom Small talk in Englisch genug und murmmelte über meine Kaffeetasse hinweg: “Please, do me a favor. It’s early in the morning, talk in German to me.” Woraufhin mit der Gute erklärte, er hätte sich gedacht, für mich als Engländer sei es ganz angenehm mal in meiner Muttersprache zu sprechen.
Tja, des Rätsels Lösung war schnell gefunden, ich habe mir das Büro damals mit einer anderen neuen Mitarbeiterin geteilt, und die war wirklich Engländerin. Woraufhin das Büro offenbar einen unsichtbaren Union Jack an die Tür geheftet bekommen hat und ich sozusagen gleich mit auf die Insel eingebürgert wurde.


