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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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I’m sorry, but I’m not British!

Die Woche hat mich einer meiner neuen Kollegen gefragt, ich würde ja schon ein bisschen so in Richtung England tendieren. Hmm, damit hat er wahrscheinlich nicht so Unrecht. Auch wenn Engländer manchmal wegen ihrer Inselmentalität (zurecht) schief angesehen werden, ein bisschen anglophil bin ich ja schon. (Muss man wohl sein, wenn man sogar das englische Essen für essbar und auch gut hält.)

Mich hat diese Feststellung aber auch noch an eine Anekdote erinnert, die gut ein Jahr zurückliegen muss. Damals war ich ebenfalls neu in einer Firma und ein Kollege – ein Freelancer der nur gelegentlich im Unternehmen war – sprach mich in der Kaffeeküche immer auf Englisch an. Auch wenn man deutlich hören konnte, dass seine Muttersprache Deutsch war.

Das klingt strange, kam mir aber nicht mal so vor, weil ich damals für eine US-Wannabe-Company gearbeitet habe. Die Geschäftsführer planten gar die Betriebsversammlungen komplett in Englisch abzuhalten, obwohl im ganzen Unternehmen nur ein Amerikaner, ein Inder und noch ein Russin Deutsch nicht als Muttersprache hatten. Wenn einen da einer auf Englisch ansprach war er entweder ergeben oder hatte einen Sinn fürs sarkastische. (Der Leser darf raten, war mir im Kopf herumging, wenn ich ins Englische gewechselt bin.)

Eines Morgens, die Nacht war kurz oder der Tag drohte lang zu werden, ich bin mir nicht ganz sicher, hatte ich aber vom Small talk in Englisch genug und murmmelte über meine Kaffeetasse hinweg: “Please, do me a favor. It’s early in the morning, talk in German to me.” Woraufhin mit der Gute erklärte, er hätte sich gedacht, für mich als Engländer sei es ganz angenehm mal in meiner Muttersprache zu sprechen.

Tja, des Rätsels Lösung war schnell gefunden, ich habe mir das Büro damals mit einer anderen neuen Mitarbeiterin geteilt, und die war wirklich Engländerin. Woraufhin das Büro offenbar einen unsichtbaren Union Jack an die Tür geheftet bekommen hat und ich sozusagen gleich mit auf die Insel eingebürgert wurde.

Comickritik: Dracula – Die Graphic Novel

Romane, ob neu oder Klassiker, in einen Comic zu verwandeln scheint mir so etwas wie das Gegenstück der Bestsellerverfilmung im Kino zu sein. Vielleicht erscheint auch deshalb demnächst Stieg Larssons Millenium: Verblendung bei Pannini, wo man jetzt aber schon eine Graphic Novel von Bram Stokers Horrorklassiker Dracula kaufen kann.

Comickritik: Dracula – Die Graphic Novel

Wie bei jeder Klassikeradaption für ein anderes Medium haben sich hier auch die Autoren Leah Moore und John Reppion, sowie Zeichner Colton Worley auch bei Dracula hohe Ziele gesetzt. Allen voran ein uralter Widerspruch bei solchen Projekten: Zum einen will man dem Original möglichst nahe und gerecht werden, zum anderen aber auch ein eigenes Werk mit einem eigenen Stil vorlegen. Allein die Versuche verschiedener Regiseure oder Autoren dies mit dem Dracula-Stoff zu schaffen sind Legion.

Mit dem vorliegenden Comic legt der Verlag unterm Strich einen weiteren gescheiterten Versuch vor. Zwar mag die Graphic Novel kein völliger Fehlgriff sein, aber auch keine Kaufempfehlung für Fans oder Neugierige, die mit dem Geld nicht gerade um sich werfen können.

Das liegt ironischerweise nur zu einem Drittel an einer eigenen Note der Macher, im Großen und Ganzen stellt sich der Brief- und Tagebuchroman Stokers als für das Comicgenre ungeeignet heraus – will man ihm zumindest in der Erzählform nahe bleiben. Genau diesen Fehler machen die Autoren dann auch und beharren darauf die Geschichte aus Tagebucheinträgen und Briefen zusammenzusetzen. Gerade bei den Briefen, die dann aber nur die Form längerer Telegramme haben, geht das aber gewaltig schief. Es funktioniert einfach nicht.

Da ist es dann auch nicht hilfreich, dass der Band stellenweise dann zu der altbackendsten Version der Dracula-Geschichte wird, die ich seit langem irgendwo angetroffen habe. Es scheint irgendwie, als hätten die Autoren ihre Dokumententreue und unreflektierte Berichterstattung aus Blick der Betroffenen ernst genommen. Ganz so, wie es Stoker in seinem Roman tat, aber irgendwo zwischen Stoker und der Graphic Novel ist dabei die unterschwelige Angst und Erotik verloren gegangen. Im Comic ist nicht mehr geblieben als die Angst des britischen Gentleman vor dem südländischen Macho, der ihm die Frauen abspenstig macht. Wobei man da bei dem blass gezeichneten Dracula in diesem Fall auch schon wieder reichlich Fantasie braucht.

Skyfall – oder: Der Abgesang auf das British Empire

Filmkritik: James Bond – Skyfall

Es war der fantastische Titelsong von Adele, der mich doch noch einmal dazu gebracht hat mir einen James Bond-Film anzusehen. Lange habe ich mich dagegen gewehrt, schon Pierce Brosnan hatte für lediglich noch den Bonus, dass Remington Steele eine meiner Lieblingsserien als Kind war. Aber ansonsten, hat auch Skyfall nicht mehr zu bieten, als die Erkenntnis, James Bond gehört in Rente geschickt.

In einer Zeit entstanden, als sich Großbritannien zumindest noch einbilden konnte eine größere Rolle in der Weltgeschichte zu spielen, wirkt James Bond heute wie ein größenwahnsinnig gewordener Nachrichtendienstler eines europäischen Kleinstaates. Als ob sich Andorra anschicken würde, eine entscheidende Rolle in der Geschichte zu spielen. Bei all dem Realismus, der dem Mythos Bond in unsere Zeit katapultieren sollte, kommt man über diese simple Erkenntnis nicht hinweg.

Auch der Cyberwar ist keine Frischzellenkur

Zudem ist auch dieser Bond nicht auf der Höhe der Zeit, auch wenn gerade mit Skyfall der Cyberkrieg Einzug gehalten hat. Noch immer darf sich ein Bondgirl sicher sein, an die Szene nach der Bond sie flachlegt, wird die Szene ihrer mehr oder minder grausamen Exekution folgen. Es ist ein bisschen wie in den alten Folgen von Raumschiff Enterprise, wo man bei jeder Bodenmission sicher sein konnte, das unbekannte Gesicht im Landetrupp wird von Scotty nicht mehr nach oben gebeamt werden. Aber Bond ist nun einmal etwas für Jungs, und nicht für Feministinnen. Wobei es schon interessant wäre, einmal zu analysieren warum Sex mit James Bond und eine anschließende grausame Ermordung scheinbar nicht selten zusammenhängen.

Das die Tage von James Bond eigentlich vorbei sind, das thematisiert auch Skyfall. Kommt aber am Ende, wie könnte es anders sein, zu einem vollkommen anderen Schluss. Denn auch wenn der Streifen kaum mehr ist, als ein ordentlicher Agententhriller mit bekannten Namen, ist sein einziger Verdienst eine simple Erkenntnis. James Bond hat für sich selbst keine Existenzberechtigung mehr, James Bond existiert nur noch, weil die Filmindustrie aufgegeben hatte neue und innovative Konzepte zu erfinden, und nur noch auf altbewährtes setzt. James Bond ist nicht mehr der Held von vielen Generationen Kinogänger, er ist herab dirigiert worden zur Titelfigur einer Fortsetzungsreihe – einer von vielen, die im Kino das Geld für Neues abziehen.

Es gibt in dem Film eine Szene in der Ralph Fiennes der von Judi Dench gespielten “M” ihren Rücktritt in Würde nahelegt, doch sie lehnt ab und pfeift auf die Würde. Und so tut es leider auch ihr Schützling James, der Absprung ist verpasst und in ein zwei weiteren, zweifellos finanziell erfolgreichen, James Bond-Filmen, wird es für den würdevollen Abschied zu spät sein.

FACTS: James Bond – Skyfall (UK 2012) – Regie: Sam Mendes – Darsteller: Daniel Craig, Judi Dench, Javier Bardem, Bérénice Marlohe, Ben Whishaw, Albert Finney, Ralph Fiennes

DVD-Kritik: Doctor Who – 1. Staffel

DVD-Kritik: Doctor Who

Zugegeben, eigentlich ist dieser Titel ja eine faustdicke Lüge, denn bei den Episoden von Doctor Who, die 2005 entstanden sind, handelt es sich ja nur um die Fortsetzung der BBC-Kultserie nach einer 16-jährigen Pause. 1989 war der Doctor plötzlich vom Bildschirm verschwunden, aber wie jeder gute Kult war er nicht tot zukriegen. Und 2005 war er noch so lebendig, dass die BBC ihn zurück ins Leben rief – und tatsächlich, es klappte sogar.

Der 9. Doctor, gespielt von Christopher Ecclestone, trat vor eine treue Anhängerschaft und, obwohl er von vornherein nur für eine Staffel angelegt war, bestand den Härtetest. Was in solchen Fällen bekanntlich gar nicht so einfach ist, wenn Erwartungen hochgeschraubt sind und Fans manchmal auch ein Stadium erreicht haben, das mit dem Wort Fan nur noch annähernd umschrieben werden kann.

Doch Eccelstone, auch wenn er sich von seinen Vorgängern ebenso unterscheidet, wie den zwei Doctoren, die ihm schon gefolgt sind, macht seine Sache erstaunlich gut. Auch dann, wenn man sich da eigentlich nicht so ganz sicher ist. Vielleicht hilft ihm aber auch, wie kaum einem anderen Doctor, seine Begleiterin Rose (Billie Piper) ein wenig auf die Sprünge.

Wie auch immer, vorwiegend verlässt sich der Neuanlauf auf die alten Geschichten. Oder besser, auf die alte Erzählstruktur. Denn überraschenderweise ist das Genre ScienceFiction ja besonders gut geeignet die Zeit wiederzugeben, in der die Geschichte entstanden ist. Und damit ist nicht nur gemeint, das Britney Spears-Songs in einigen Millionen Jahren zu den Klassikern gehören werden. Ursprünglich war Doctor Who, in seinen Anfängen 1963, auch als eine Art Geschichtsunterricht für Kinder konzipiert. Schon damals reiste der Doctor durch die Zeit und traf auf bekannte Persönlichkeiten. Nun, Kindern würde ich diese Staffel nicht zeigen, im Gegenteil, manchmal ist FSK 12 sogar recht großzügig, aber inzwischen ist Doctor Who in gewisser Weise dieser Linie treu geblieben und zeichnet, wenn auch nur unterbewusst, die Zeit der britischen Nachkriegsgeschichte auf. So wie sich die Engländer sehen und gesehen werden wollen, was freilich nicht immer dem Bild der Wirklichkeit entspricht. Und wenn wir schon beim Thema Geschichte sind, natürlich spielt auch der 2. Weltkrieg in einer – wie ich finde, besonders guten – Doppelfolge eine Rolle. Ohne diese Rückbesinnung auf den letzten großen Erfolg des British Empire, kamen die Engländer offenbar auch im Jahr 2005 nicht aus.

Seit Jahrzehnten beeinflusst Doctor Who die britische (und internationale) Popkultur, zeigt sich aber auch immer aufnahmebereit in die andere Richtung. Da reitet ein Freund des Doctors als Reinkarnation von Dr. Seltsam eine Bombe (richtig, eine deutsche Bombe) oder auf einem Satelliten werden im Jahr 200.000 gleich mehrere Dutzend Staffeln von Big Brother gleichzeitig aufgezeichnet, nur das die Rausgewählten eliminiert werden und der Gewinner als Preis sein Leben behalten darf.

Kurzum, the Doctor is back und es hat sich gelohnt, die TARDIS wieder in Gang zu setzen.

FACTS: Doctor Who – Season 1 (UK 2005) – Darsteller: Christopfer Eccelstone, Billie Piper, John Barrowman

Hackbraten Wellington mit Minzsauce

“Das arme Schwein.”, ist eine historisch belegte Aussage von Obelix, als er zusammen mit Asterix nach Britannien übergesetzt war und feststellen musste, dass die Briten ihre Wildschweine mit Pfefferminzsoße zubereiten. Und was soll ich sagen, der Dicke hatte Recht. Auch ich werde mich mit Minzsauce wohl nicht anfreunden.

Auftakt zum Hackfleisch-Wochenende: Hackbraten Wellington mit Minzsauce

Zum Auftakt meines Hackfleischwochenendes gab es eines meiner Lieblingsrezepte von Jamie Oliver: Hackbraten Wellington. Ein ziemlich simples Gericht:

Die klein geschnittene Möhre, Kartoffel, Zwiebel, Sellerie, Pilze und Knoblauch werden in einer Pfanne gut acht Minuten angebraten, dann noch eine Handvoll Erbsen dazu. Die Mischung wird dann unters Hackfleisch gemischt, dazu vorher noch ein Ei, gehackter Rosmarin, Salz und Pfeffer. Anschließend wird alles zu einer langen Rolle geformt und in Blätterteig eingerollt. Das komplette Rezept samt ausführlicher Zubereitungsanleitung finden sich auch im Blog Nesrin’s Küche

Und morgen bleibe ich dann auch gleich bei Jamie Oliver und mache meinen Burger selbst.

David “Adam Sutler” Cameron

Kann es eigentlich sein, dass David Cameron gerade dabei ist aus Großbritannien eine Diktatur zu machen. Ich meine Informationsfreiheit beschneiden, unliebsame Personen auf die Straße setzen, das Militär im eigenen Land einsetzen … das klingt jetzt nicht so wirklich demokratisch. (Und wie können sich die LibDems überhaupt morgens noch in die Augen sehen?)