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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Comickritik: Grimm Fairy Tales – Mythen & Legenden (1)

Im ersten Augenblick habe ich mich beim Aufblättern von Grimm Fairy Tales – Mythen & Legenden (1) ja gefragt, ob meine Sehfähigkeit langsam nachlässt. War die Schrift in Comics immer so klein? Habe ich in letzter Zeit nur Comics für alte Menschen in Großschrift gelesen? Wahrscheinlich nicht.

Rotkäppchen ist in “Grimm Fairy Tales – Mythen & Legenden” gewohnt sexy unterwegs.

Doch auch nachdem ich mich an die zu kleine Schriftgröße gewöhnt hatte, weckte der Comiv con Gregory, Miller und Embury nicht gerade Begeisterung. Märchen auf moderne Art zu erzählen ist ja nicht nur gerade dank TV-Serien wie Once upon a time in Mode, leider geht man dabei nicht immer allzu kreativ vor.

Und so ist auch die Rotkäppchen-Variation im 1. Band von Grimm Fairy Tales – Mythen & Legenden nicht besonders gelungen. Es ist das alte Spielchen von auf sexy gemachter Heldin, die es mit einer Art Werwolf zu tun bekommt. Auch die Tatsache, dass dieses Rotkäppchen mit den Wölfen im Bunde ist, ist eben nicht neu.

Selbst die Rahmenhandlung kommt einem irgendwie bekannt vor. Geht es doch um eine Gruppe von Ärzten und Patienten, die in einer Klinik eingeschlossen sind, während sich das Monster munter auf dem Weg zur Heldin durchmetzelt.

Alles schon mal da gewesen, dürfte es wohl am Besten treffen. Was an sich ja auch noch verschmerzbar wäre, hätten die Macher dieses Comics das Altbewährte wenigstens gut umgesetzt. Stattdessen ist nicht mal die Sexiness wirklich gelungen, sondern wirkt mehr als gezwungen. Was für einen Comic dieser Kategorie natürlich beinahe schon einem Armutszeugnis gleich kommt.

So muss man insgesamt eben sagen, der furiose Auftakt zu einer neuen Serie sieht etwas anders aus. Dabei hätte ich am Anfang eigentlich vermutet, dass sich hier die Geschichte der Wonderland-Serie von Neuem abspielen würde. Guter Auftakt, gute Ideen, aber mit unzähligen Bänden am Ende eben doch tot getreten.

House at the End of the Street – Jennifer Lawrence Double Feature

Filmkritik: House at the End of the Street

Tja, offenbar entwickle ich mich gerade zu einem Fan von Jennifer Lawrence, denn an dieser Stelle folgt schon die zweite Kritik über einen aktuellen Film mit dem neuen Darling von Hollywood innerhalb weniger Tage.

Ganz ähnlich wie Silver Linings hat mich auch House at the End of the Street überrascht. Regisseur Mark Tonderai legt einen fürs Genre erstaunlich vielschichtigen und sensiblen Film vor, besonders in der Zeichnung seiner beiden Hauptfiguren Elissa (Jennifer Lawrence) und Ryan (Max Thieriot). Fast im Sinne eines Dramas stellt er die beiden als einsame Charaktere vor. Gerade bei Ryan gibt er sich sichtlich Mühe, was aufgrund des Backgrounds allerdings auch recht leicht fällt. Ryan ist der einzige Überlebende eines tödlichen Familiendramas, bei dem seine Schwester die eigenen Eltern ermordet hat. Von den Einwohnern der Kleinstadt zum Aussätzigen erklärt, freundet er sich mit Elissa an, die zusammen mit ihrer Mutter (Elisabeth Shue) aus Chicago hierher gezogen ist. Von der Freundschaft und der sich daraus entwickelnden Beziehung der beiden ist die Mutter zwar wenig begeistert, kann aber eben nicht verhindern dass es passiert. Dazu ist nur Ryans Vergangenheit in der Lage, oder besser, seine Gegenwart.

Manch einem mag wahrscheinlich denken, dass sich gerade die erste Hälfte des Films ein wenig hinzieht. Hinzu kommt noch, dass die Handlung mit vermeintlich offenen Karten spielt. Zwar ist das Ende dann nicht wirklich, als hätte man Psycho zum ersten Mal gesehen, es ist aber in sich durchaus stimmig. Wie in Hitchcocks Klassiker beendet Tonderai seinen Film übrigens in einer Nervenheilanstalt und mit Stimmen im Kopf, wohl um noch einmal sicherzustellen, dass sich der Zuschauer beim rasanten Ende die Auflösung des Rätsels auch richtig zusammengereimt hat.

So lohnt es sich bis zum Ende im Kinosessel zu sitzen, natürlich auch, weil das Finale dann doch rasant die Schockgesetze des Genres einhält. Für meinen Geschmack übrigens auch ein bisschen zu rasant. Dabei ist das Ende durchaus dem Anfang ebenbürtig, der den Doppelmord an den Eltern darstellt. Wie in einer Hommage an den japanischen Klassiker Ringu nähert sich das Mädchen mit einem Messer dem Schlafzimmer der Eltern.

Auf diese Weise ist House at the End of the Street ein durchaus gelungener Film. Vielleicht kein Highlight, aber ein unterhaltsamer Streifen, den man sich durchaus ansehen kann.

FACTS: House at the End of the Street (USA 2012) –  Regie: Mark Tonderai – Darsteller: Jennifer Lawrence, Max Thierot, Elisabeth Shue, Gill Bellows

Filmkritik: The Raven

Filmkritik: The Raven

Die Idee, dass ein verrückter Serienkiller die fiktiven Morde eines Autors in die Tat umsetzt, ist heute weder besonders neu, noch sonderlich interessant. Da muss schon mehr kommen, um zumindest noch ein bisschen Aufmerksamkeit zu erzeugen. The Raven versucht dieses Problem auf die elegante Art zu lösen und macht aus dem Autor einen der bekanntesten Schriftsteller der Welt: Edgar Allan Poe

Wie kaum ein Zweiter prägte Poe das Genre des Grusel und des Horrors, und nach Meinung vieler Literaturwissenschaftler steht er mit “Der Mord in der Rue Morgue” auch am Anfang der Kriminalliteratur. So gesehen ist die getroffene Wahl für Edgar Allan Poe ebenso folgerichtig, wie die Tatsache, dass auch eben jene Geschichte den Auftakt zu The Raven bildet.

Um der Sache zumindest einen halbherzig realen Touch zu geben, ist die Handlung in die letzten Lebenstage des großen Autors verlegt worden. In denen Poe in der Tat für einige Tage spurlos verschwand, um dann benommen und im Sterben liegend in Baltimore gefunden zu werden. Auch ohne diesen Film gab es über diese Geschehnisse einige Verschwörungstheorien. Die traurige Wahrheit dürfte aber wohl ein Rückfall des Alkoholikers Poe gewesen sein.

In dem vorliegenden Film ist Poe (John Cusack) dagegen gemeinsam mit dem Polizisten Fields (Luke Evans) auf der Jagd nach dem Serienkiller, der sich seine Werke zum Vorbild gemacht hat. Nicht ohne Grund, denn der Killer hat auch Poes Verlobte entführt und droht sie zu töten.

Dabei herauskommt ein Film, der im Vergleich zum kürzlich Vampire jagenden Abraham Lincoln geradezu historisch korrekt ist. Aber ernsthaft, herauskommt vor allem ein ordentlicher Film, der allerdings ohne den Kniff Poe in die Handlung einzubinden kaum mehr als uninteressante Massenware geworden wäre. So ist er zumindest interessant, wenn man auch freilich nicht unbedingt ein Kenner von Poe sein sollte – denn auch wenn die Story manchmal eine gewisse Liebe zum Detail aufweist, die Bezüge auf das wirkliche Leben von Edgar Allan Poe, wenn er zum Beispiel von seiner toten Frau Virginia spricht, wirken allzu gequält. So ist The Raven am Ende ein Film, den man sich anschauen kann, aber auch nicht unbedingt anschauen muss.

FACTS: The Raven (USA 2012) – Regie: John McTeigue – Darsteller: John Cusack, Luke Evans, Alice Eve, Brendan Gleeson

Filmkritik: Twixt – Virginias Geheimnis

DVD-Kritik: Twixt – Virginias Geheimnis

Dieser Film hat aus meiner Sicht etwas Erstaunliches, in gewisser Weise ist er ein Phänomen. Die Handlung ist so wirr und verwoben, das es kaum möglich ist alle Erzählstränge zusammenzufügen und Val Kilmer ist ganz ehrlich ein Paradebeispiel für eine Fehlbesetzung. Aber trotzdem, kann ich Twixt – Virginias Geheimnis nur weiter empfehlen.

Wer den Namen Francis Ford Coppola liest, der wird wahrscheinlich reichlich enttäuscht sein. Wer sich allerdings auf den Film enlässt, der kann einen atmosphärisch perfekten Gruselstreifen erleben.

Es ist ein bisschen wie eine Szene aus dem Film selbst. Der heruntergekommene Horrorschriftsteller Hall Baltimore muss seinem Verleger einen neuen Stoff verkaufen, doch der will vor allem eines nicht, stimmungsvollen Nebel. Coppola befolgt dies nicht, großartig spielt er mit den Klischees der atmosphärischen Stimmung, ohne je auch nur in Gefahr zu geraten eine Grenze zu überschreiten. Und das tut er so perfekt, dass man ihm eigentlich alles verzeiht, was man durchaus an Twixt auszusetzen hätte.

Den Film auf seine hervorragende Optik zu reduzieren, würde ihm aber auch nicht gerecht werden. Trotz des Fehlgriffs bei der Hauptbesetzung bewies Coppola auch hier das ein oder andere gute Händchen.

Wenn er den undursichtig-skurrillen Sheriff zum Beispiel mit Bruce Dern besetzte, oder Elle Fanning als Virginia ihren großen Auftritt gibt. Und so verwirrend manchmal der Plot zusammengeschustert ist, so gelungen wirken doch die Traumszenen von Hall Baltimore, wenn er sich in seiner Not bei Edgar Allan Poe selbst Rat holt.

So kann ich mich am Ende also in den Kritiken, die den Film entweder zerreißen oder in den Himmel loben, eher der letzteren Fraktion anschließen.

FACTS: Twixt – Virginias Geheimnis (USA 2011) – Regie: Francis Ford Coppola – Darsteller: Val Kilmer, Elle Fanning, Bruce Dern, Ben Chaplin

andere Kritiken:

Filmkritik: Livid – Das Blut der Ballerinas

Filmkritik: Livid – Das Blut der Ballerinas

Ich mag Erklärungen bei Horrorfilmen, wirklich. Sie müssen nicht mal logisch sein, selbst die absurdeste Erklärung ist mir recht. So gesehen ist der französische Film Livid – Das Blut der Ballerinas von Alexandre Bustillo und Julien Maury eigentlich kein Streifen für mich. Denn der Film kommt im Wesentlichen ohne jede Erklärung aus. Der Film hat in gewisser Weise lediglich eine Handlung, aber kein Wie oder Warum wird auch nur in Ansätzen aufgeklärt.

Aber das macht er immerhin nicht schlecht. Ich würde sogar sagen Livid ist die beste Mischung aus traditionellem Spukfilm und neuem Splaterfilm, die ich seit langem gesehen habe. Kein Wunder, dass der Film aus Frankreich und nicht aus den USA kommt.

Am Anfang scheint das Regieduo eher ein Sozialdrama zu zeigen. Die junge Lucy kommt an ihrem ersten Tag als Praktikantin bei einem mobilen Pflegedienst in das Haus einer alten Ballettlehrerin, die nur noch von Beatmungsmaschinen am Leben gehalten wird. Die Verlockung auf den Schatz der “lebenden Toten” spornt noch in der gleichen Nacht ihren Freund und dessen Bruder an in das abgelegene Haus der Alten einzubrechen. Lucy, widerstrebend mit von der Einbruchspartie, ahnt Böses und das Böse tritt dann auch recht bald auf den Plan.

Wie gesagt, wer Erklärungen oder Logik in diesem Film sucht, der wird lange suchen und dann irgendwann aufgeben. Was aber bleibt ist ein Film in mächtigen Bildern, düster und romantisch. Manchmal, besonders am Ende, ein bisschen zu klischeehaft, insgesamt aber für Genrefans sehr sehenswert.

FACTS: Livid – Das Blut der Ballerinas (Frankreich 2011) – Regie: Alexandre Bustillo, Julien Maury – Darsteller: Chloé Coulloud, Béatrice Dalle, Catherine Jacob, Jérémy Kapone

andere Kritiken:

DVD-Tipp: Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

Mad Circus – Eine Ballade von Liebe und Tod

Spanien während des Bürgerkrieges und der Franco-Diktatur. Faschisten und Republikaner wollen nur das Beste für Spanien, sie lieben ihr Land. So wie die Clowns Sergio und Javier die schöne Artistin Natalia lieben. Und die ist hin und her gerissen, kann sich nicht entscheiden.

Álex de la Iglesia’s bluttriefende Analogie Mad Circus auf das Spanien und Franco hebt sich vor allem durch die bloße Tatsache ab, dass er nicht nur die Verbrechen einer Seite brandmarkt. Er zeigt, wie beide Seiten für Spanien über (spanische) Leichen gingen. So wie beide Clowns am Ende im Kampf um die schöne Natalia dem Wahnsinn verfallen und es für ihre Geliebte kein gutes Ende nimmt.

“Wenn ich nicht Clown geworden wäre, wäre ich Mörder geworden.”

In oppulenten Bildern zeichnet Regisseur Iglesia ein vor Gewalt und Blut, von Liebe und Schönheit triefendes Portrait eines zerissenen Spaniens. Eine manchmal an Theater erinnernde Clowneske mit einem Fingerzeig auf uns Menschen, die wir – wie man so schön sagt – das Gute wollen, aber das Böse schaffen.

Iglesia teilt seinen Film in drei Teile, die dabei doch kaum Bruchstellen aufwesen. Zuerst – in der Zeit des Bürgerkriegs – ist der Film ein Historiendrama. Als Javier sich dann in die mit dem sadistischen Sergio lebende Natalia verliebt, wird ein Drama daraus. Und als sich Javier – nachdem er Sergio verstümmelt hat – selbst zu einem traurigen Clown verstümmelt – mit Natronlauge und Bügeleisen – wird Mad Circus endgültig zum blutigen Horrorfilm.

Mad Circus ist von einer bizarren Großartigkeit. Er reicht nicht an Pans Labyrinth heran, nimmt sich aber wie gesagt beider Seiten an. Hinter all dem Wahnsinn, dem Blut und der Gewalt steckt eine tiefere Erkenntnis. Am Ende ist es einer jener Filme, die man erst einmal sacken lassen muss und über die es sich nachzudenken lohnt.

Mad Circus ist mehr als sehenswert, nur hätte der deutsche Verleih für den spanischen Titel Balada triste de trompeta vielleicht eine bessere Wahl treffen können.

FACTS: Mad Circus – eine Ballade von Liebe und Tod (Spanien 2010) – Regie: Álex de la Iglesia – Darsteller: Carlos Areces, Antonio de la Torre, Carolina Bang, Manuel Tejada, Enrique Villèn, Gracia Olayo