“Das Original – endlich auch auf Deutsch” heißt es auf dem Cover von “jamie – Mehr Leben in der Küche”. Na ja, es hätte mich auch überrascht, wenn die kochende Marketingmaschine Jamie Oliver nicht auch ein eigenes Magazin auf den Markt bringen würde. Damit ich nicht falsch verstanden werde, neben Tim Mälzer ist Jamie Oliver einer der Fernsehköche, die ich durchaus schätze und gelegentlich auch nachkoche. Auch wenn mein Küchengott natürlich weiterhin Anthony Bourdain heißt, von dem ja die Erkenntnis stammt, dass Kochshows im Fernsehen die neue Pornographie seien. Im Sinne von, viele gucken, aber keiner macht es selbst – was Angesichts der heutigen Pornos gar nicht mal so schlecht ist.
Das sich Mälzer und Oliver davon abheben mag auch darin liegen, dass beide Vertreter der Theorie sind, man müsse keine Sterneköche produzieren – so schätze ich Mälzer besonders weil ich dank ihm perfekte Bratkartoffeln zubereiten kann und meine Bolognese ist eigentlich die von Jamie Oliver.
Man könnte jetzt also fragen, wie sieht die Sache mit Kochmagazinen aus. (Bücher sind eine eigene Angelegenheit, denn Kochbücher sind ja auch ein beliebtes Geschenk.) Der Unterschied zum Fernsehen ist signifikant, zum einen muss ich selbst aktiv eine Zeitschrift kaufen und zum anderen gezielt dafür Geld ausgeben. (Im Fernsehen zahle ich die Kochsendung selbst bei Pay-TV ja quasi mit.) Aber ein Magazin nur voller Rezepte wäre ja nur ein Kochbuch in anderer Form, und so hat auch “jamie” mehr im Angebot.
Natürlich auch reichlich von Jamie Oliver selbst. Man muss sich schon in Erinnerung rufen, dass Jamie eigentlich ein ganz sympathischer Typ ist, sonst ginge einem – um ehrlich zu sein – diese ganze Selbstdarstellerei schon irgendwie auf die Nerven. Und bei “jamie” ist der Name Programm, wenn natürlich auch nicht alle Artikel von ihm selbst verfasst wurden.
Dennoch stimmt die Mischung nicht so ganz, zwischen Artikeln und Rezepten. Für meinen Geschmack waren es ein paar Rezepte zu viel und ein paar Geschichten rundherum zu wenig. Das perfekte Magazin ist da dann doch nicht herausgekommen, oder sollte man sagen, übersetzt worden?
FACTS: “jamie – Mehr Leben in der Küche” erscheint 6x im Jahr bei Gruner + Jahr – www.jamiemagazin.de