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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Wenn das Handwerk mit dem rassistischem Klischee arbeitet

Die Kampagne des der deutschen Handwerkskammer war von keinem guten Start gesegnet. Als sie Frühjahr 2011 mit einem Werbespot herauskamen, der zeigen wollte was alles zusammenkracht, wenn es keine Handwerker geben würde, krachte in Japan alles wegen eines Erdbebens zusammen – der Spot wurde zurückgezogen. Und auch was danach kam, scheint mir nicht so erfolgreich gewesen zu sein. Da die Kampagne aber auf Jahre hinaus angelegt wurde, musste man sich offenbar etwas einfallen lassen:

Neulich von der Grombühlbrücke in Würzburg.

Es muss schon schlimm sein, wenn der deutsche Maurer von chinesischer Billigproduktion bedroht ist. Oder der Werber wollte einfach nur ein bisschen lustig sein und versucht es mal haarscharf an der Grenze zum rassistischen Klischee. Wobei, eigentlich ist es ja schon ein rassistisches Klischee. Vielleicht will sich die HWK ja dafür rächen, dass ihr toller Werbespot damals auch aus Asien torpediert wurde. Vielleicht hätte man sich den Scheiß auch besser sparen können und die Kosten dafür anderwertig investiert. Das hätte dem Handwerk wohl besser geholfen.

Battle Royale – oder: Man lernt fürs Leben, nicht für die Schule

Filmkritik: Battle Royale

Die Zensur FSK hat es nicht leicht gemacht Battle Royale hierzulande zu sehen zu bekommen. Zweifellos ist der 2000 unter der Regie von Kinji Fukasaku gedrehte Film brutal und blutig, aber auf dem Markt dürften weit blutrünstigere Machwerke freier verfügbar sein. Wie meist, wenn die Zensur zuschlägt, tut sie das, weil ein Film der Gesellschaft heute am drastischsten die Realität vor Augen halten kann.

Japan in naher Zukunft. Die 9. Klasse einer Mittelschule findet sich plötzlich auf einer einsamen Insel wieder, wo ihr ein Ex-Lehrer erklärt, jetzt dem Battle Royale Akt zu unterliegen. An ihren Hälsen finden sich mit einem Sender und Sprengstoff versehene Halsbänder. Mit verschiedenen Waffen ausgestattet, wird ihnen gesagt, sie hätten 48 Stunden um sich gegenseitig zu töten. Nur der letzte Überlebende könne die Insel verlassen – bleiben nach den zwei Tagen mehr als ein Schüler am Leben, sterben beide. Das sind die Regeln.

Das sind die Regeln des Spiels und wohl auch des Lebens.  Battle Royale ist so etwas wie die ungeschönte Variante von Die Tribute von Panem und soviel Blut und Gewalt der Film auch enthalten mag, in seinem Kern ist er eines der besten Sozialdramen, die je auf Film gebannt wurden. Es zeigt deutlich, was der Charakter und die Zivilisation der Menschen wert ist, wenn sie in Extremsituationen geraten.

Selbstmord, als die menschliche Alternative

Einige der Schüler entziehen sich dem grausigen Schauspiel durch Selbstmord, andere versuchen es dennoch als Team – und scheitern, entweder weil sie so leichte Beute von Einzelgängern sind oder weil am Ende doch das gegenseitige Misstrauen siegt. Doch nicht wenige nutzen das Wegfallen der moralischen Barrieren dafür ihre Rache an den vielen kleinen Grausamkeiten des Schulalltags zu nehmen. Rechnungen werden beglichen, sobald man die Gelegenheit dazu hat.

Battle Royale beschreibt realistisch, was wir tun würden, hätten wir nur die Gelegenheit dazu. Fern irgendwelcher Rousseau’schen Fantasiegebilde wird der Mensch auf seinen stärksten Instinkt reduziert, den Überlebensinstinkt. Zumindest, was die Mehrheit der Menschen angeht.

Ausnahmen bestätigen die Regel, Shuyo und seine Freundin Noriko zum Beispiel, die sich zwar nicht als einzige von Beginn an zu zweit durchschlagen, es aber bis zum letzten entscheidenden Gefecht tun. Oder der externe Kawada, zwielichtig, seinen eigenen Weg gehend, aber dennoch nicht der Blutgier verfallen wie ein zweiter externer Schüler, der aus purem Spaß am Töten an der Battle Royale teilnimmt. Diese Ausnahmen gehören eben – man sollte dafür dankbar sein – auch zum menschlichen Wesen.

Kurzum: Battle Royale ist ein blutiges Sozialdrama, ein Lehrbeispiel für alle, die dem menschlichen Wesen wirklich auf den Grund gehen wollen. Doch wie dieser Film, ist das kein Spaziergang und am Ende könnte man etwas erkennen, was einem ganz und gar nicht gefällt.

FACT: Battle Royale (Japan 2000) – Regie: Kinji Fukasaku – Darsteller: Tatsuya Fujiwara, Aki Maeda, Takeshi Kitano, Taro Yamamoto, Kou Shibasaki, Chiaki Kuriyama

Pulse – oder: Wie die Welt wirklich untergehen wird?

Filmkritik: Pulse

Wenn es im Film um das Thema “Weltuntergang” geht, sind wir es gewohnt, dass sich Helden dem entgegenstemmen oder danach zumindest damit zu Recht kommen. Das ist der beruhigende Kern in all den Endzeitszenarien, die uns Kino und Fernsehen seit jetzt gut 100 Jahren auf die Leinwand oder ins Wohnzimmer liefern. Die andere Seite, nämlich die des Publikums, wird weit seltener gezeigt. Der japanische Horrorfilm Pulse aus dem Jahr 2001 ist eine dieser Ausnahmen – und er ist eine gelungene.

 ”And when the apocalypse finally does happen, it happens not through an atomic blast but a vast emptiness.” – Quelle: Slant Managzin

Regisseur Kiyoshi Kurosawa lässt zum Ende des Films zwei Handlungsstränge zusammen laufen. Den der bei einem Gärtner angestellten Michi und des Studenten Ryosuke, zwei Menschen also, wie du und ich. Sie nehmen die Katastrophe um sich wahr, sehen wie ihre Freunde Teil einer unheimlichen Selbstmordwelle dahingerafft werden. Sie sehen, wie “verbotene Räume” fast schon verzweifelt mit rotem Klebeband verklebt werden. Wie die ins Reich der Lebenden zurückgekehrten Seelen als dunkle Schatten umherwandern. Sie sehen, aber sie bekämpfen das sich abzeichnende Ende der Welt nicht – sie versuchen nicht einmal zu verstehen,  was mit der Welt geschieht. Sie versuchen nur verzweifelt sich und ihre Freunde und Familie zu retten. Doch sie können es nicht, es sind keine Helden, Wissenschaftler oder Draufgänger, die sich gegen den Untergang stemmen könnten. Die beiden, die sich erst am Ende des Films treffen, sind eben Menschen, wie du und ich.

Kurosawa setzt ganz auf diese beiden Geschichten, nur in Form einer Theorie eines Bekannten von Ryosuke, liefert er eine “Theorie” was überhaupt passiert. So bleibt es doch weitgehend schleierhaft, was geschieht und über weite Teile des Films wird nicht einmal klar, worauf es am Ende hinströmt. Zwar werden die Bilder immer einsamer, aber erst in den letzten Minuten zeigt sich Tokio im Zeichen der Apokalypse. Die Häuser brennen, dunkler Rauch legt sich über die einsamen Straßen und Flugzeuge stürzen vom Himmel. Doch ist es vor allem die Ruhe und das Fehlen der Menschen auf den sonst so überfüllten Straßen Tokios, die diese apokalyptischen Bilder ungeheuer einprägsam machen.

Die Einsamkeit in der Gruppe

Pulse ist ein Horrorfilm, der neben der Todessehnsucht vor allem die Einsamkeit thematisiert. Die Einsamkeit der Lebenden, die sich gegenseitig anzuziehen und doch zur gleichen Zeit abzustoßen. Man ist in gewisser Weise gemeinsam einsam und wenn das Glück der Zweisamkeit an die Tür klopft, ist es nicht selten schlicht schon zu spät. Doch zugleich nimmt uns der Film aber auch die Illusion, danach würde alles besser werden. Denn auch wenn jene geäußerte Theorie davon spricht, die toten Seelen würden die Welt nur überleben, weil in ihrer eigenen Welt kein Platz mehr sei, auch dort herrscht nur die Einsamkeit des Individuums. Ein japanisches Thema, in der noch heute viel synchron in der Gruppe geschieht, ohne das die Individuen in der Gruppe dabei miteinander verbunden wären. Aber natürlich auch ein Thema, das überall in der Welt von der Einsamkeit der Massen in den Großstädten berichtet.

FACTS: Pulse (J 2001) – Regie: Kiyoshi Kurosawa – Darsteller: Masatoshi Matsuo, Yabe Koyuki, Michi Kudo, Ryosuke Kawashima

Buchkritik: Tokio, besetzte Stadt

Buchkritik: Tokio, besetzte Stadt

Ein Mann betritt eine Bank und gibt sich als Arzt aus. Die Ruhr sei im Viertel mitten im Tokio kurz nach dem 2. Weltkrieg ausgebrochen und die Angestellten müssten sich sofort impfen lassen. Kurz darauf sind 12 von ihnen tot, vier überleben knapp und der falsche Arzt hat sich als Bankräuber entpuppt.

Ein wahres Verbrechen. David Peace erzählt diese Geschichte wie einen alt-europäischen Briefroman nach einer alten japanischen Erzähltradition für Gespenstergeschichten. Zwölf Kerzen brennen und jede Kerze steht für eine Geschichte, eine eigene Geschichte und dennoch dieselbe Geschichte. Und nicht wenige der Erzählenden kommen gleiten ab in den Wahnsinn.

“Sie wollen die Wahrheit wissen? Entscheiden Sie sich! Was wollen Sie wissen: Was passiert ist oder was die Wahrheit ist? Was meinen Sie damit, das sei doch dasselbe? Natürlich nicht! Ich kann glauben, dass etwas passiert ist, aber das macht es noch nicht zur Wahrheit …”

Recht realistisch, denn Peace schreibt – auch in der äußeren Form der Buchstaben – so realistisch den Wahn herbei, dass es dem Leser nicht nur aufgrund des Inhaltes manchmal schwer fällt dem Autor in diese okkulte und düstere Welt des zerstörten Tokios nach dem Krieg zu folgen. Eine Realität, die nicht nur des Massenmords an den Bankangestellten wegen brutal und tödlich ist, sondern auch der Geschichte der Einheit 731 wegen, die im 2. Weltkrieg im besetzten China eine “Tötungsfabrik” betrieb. Eine Geschichte, die den Mord an den Bankangestellten, wie einen Nebenschauplatz aussehen lässt.

Es ist kein besonders schönes Buch, noch weniger mit dem Blick darauf, das es auf wahren Begebenheiten beruht. Aber es ist ein verdammt gutes Buch, schwere Kost, aber brillant geschrieben. Nur ein Happy End darf man nicht erwarten, das kann jetzt schon verraten werden, denn auch im wahren Leben gab es für niemanden ein Happy End – außer vielleicht für den Täter. Aber so ist das halt im Leben …

FACTS: “Tokio, besetzte Stadt” von David Peace – ISBN 978-3-453-67532-2

Restaurantkritik: An-Dat, Würzburg

Restaurantkritik: An-Dat

Neulich saß ich wieder einmal in einem der inzwischen ja recht zahlreichen asiatischen Restaurants und dachte mir beim lesen der Speisekarte den üblichen Gedanken. Warum gibt es eigentlich asiatische Restaurants? Die machen doch gar keinen Sinn, weil es die asiatische Küche gar nicht gibt. Und gibt es zumindest europäische Restaurants in Japan oder China?

Das ist doch irgendwie, als bekäme man beim Italiener zur Vorspeise Zaziki gereicht, oder? Man hat das Gefühl so manchem Restaurantgründer aus Asien fehlt der Mut sich ganz auf die eigene Küche zu konzentrieren und nimmt stattdessen alle Gerichte auf, die für den Deutschen eben einen asiatischen Touch haben.

So ist auch das An-Dat in der Würzburger Dompassage kein vietnamnesisches Restaurant, wie der Name nahe legen würde, sondern hat seine Karte mit einem asiatischen Allerlei angefüllt. Das Laufband der Sushibar rundet diesen Eindruck dann wie im sprichwörtlichen Sinn ab. Etwas typisch vietnamnesisches jedoch fällt dem Gast nicht wirklich ins Auge.

Was schade ist, denn man möchte es schon mal probieren, vor allem weil das Essen dort gar nicht mal so schlecht ist. Die Pekingsuppe hatte zwar auf den ersten Blick ein bisschen eine übertriebene Note des typisch süß-saueren, widerlegte das aber mit jedem weiteren Löffel. Die danach kommende Ente war knusprig und auf einem Sprosenbett platziert und mit einer – zumindest gut ausgesuchten – Erdnusssauce durchaus lecker. Doch das Erdnusssaucen-Problem ist wieder eine ganz andere Geschichte, die wahrscheinlich mit der ersteren zusammenhängt.

FACTS: An-Dat – Sushi Bar – Beim Grafeneckart 15, 97070 Würzburg

Buchkritik: Japanese Graphics Now!

Buchkritik: Japanese Graphics Now!

Wenn sich der hiesige ABC-Schütze mal wieder beschwert, das Buchstaben lernen sei ziemlich anstrengend, sollte man ihnen mal zu einem Schüleraustausch nach Japan schicken. Die Schüler dort haben es nicht nur mit einigen 1.000 Schriftzeichen zu tun, sondern auch gleich mit zwei Alphabeten – und das westliche ABC lernen sie übrigens dann auch noch. Mit Hiragana und Katakana lernen die japanischen Schüler das Schreiben, und welche Worte damit geschrieben werden, ist recht klar. Was von Außen nach Japan kam wird in Katakana geschrieben, da wird recht klar unterschieden.

Wenn den Herausgebern von “Japanese Graphics Now!” glauben mag, findet diese Unterscheidung auch noch in den Köpfen der japanischen Designern statt. Produkte mit einem traditionell-japanischen Background werden auch die traditionell-japanische Art gestaltet, während man westliche Elemente den westlich-importierten Produkten vorbehält. Sieht man sich die zahlreichen Grafiken, Produktdesigns und Plakate an, die in diesem Buch gesammelt sind, wird diese Trennung auch recht gut eingehalten.

Dabei scheint es schwer in Sachen Design in Japan eine Trennung einzuhalten. Denn obwohl es auch die gegenseitigen Pole der klassischen Schlichtheit und des quitsch-bunten Kitsches gibt, verschwimmt alles zu einer gelungenen Einheit. Wahrscheinlich ist dieser kleine Fotoband auch deshalb wie der Gang durch eine Designausstellung auf dem Sofa zu hause, man findet es bei so manchem Exponat nur schade, dass manch Grafik nicht einmal eine ganze Seite gegönnt wird, die man sich glatt übers Sofa hängen würde.

FACTS: Japanese Graphics Now! – Herausgegeben von Gisela Kozak und Julius Wiedermann – erschienen 2003 bei Taschen – ISBN 978-3-8228-5088-6

Filmkritik: Gothic & Lolita Psycho

Bewertung: 5 von 10 Punkten

Manchmal, das muss ich schon zugeben, sehe ich mir einen Film an und am Ende schüttle ich den Kopf und murmele: Okay, das muss ich jetzt nicht verstehen. Neu in dieser Reihe von Filmen, findet sich seit heute der “Einmal blutig bitte”-Streifen aus Japan “Gothic & Lolita Psycho”. Die ersten 3/4 des Films sind ja noch irgendwie logisch, nicht besonders einfallsreich, aber rasant, blutig – japanisches Gemetzelgenre halt. Yuki (Rina Akiyama) muss als Teenager mit ansehen, wie ihre Mutter von einer Bande brutal ermordet wird und beginnt ein paar Jahre später als Gothiclolita kostümiert mit einem tödlichen Regenschirm ihren Rachefeldzug. So’ne Art “Kill Bill”-Story auf gut 90 Minuten zusammengekürzt.

Es kommt zum finalen Kampf zwischen Yuki und dem Anführer der Bande, SPOILERWARNUNG !!! sie muss noch mit ansehen, wie ihr Vater ermordet wird und darüber wird sie so wütend, dass sie sich in einen Dämon verwandelt. Ein Erbe der mütterlichen Seiten, wie ein ein paar Szenen zuvor in die Handlung geschobener Traum nahelegt.

Wie gesagt, im Film wird das ganze nicht so recht verständlich. Aber macht ja auch nichts, man kann sich ja auf den “Kill Bill”-Teil konzentrieren, der langweilig ist, aber blutig und gut choreographiert. Der skurrile Humor kommt etwas zu kurz, einzig Lady Elle (Misaki Momose) hält ihn am Ende ein bisschen hoch – übrigens die deutlichste Hommage von Regisseur Gô Ohara an Quentin Tarantino’s “Kill Bill”. Als wollte sie sämtlich bizarren Humor auf sich vereinen, killt sie sich als Schulmädchen mit einer Augenklappe durch das Tokio der nahen Zukunft. Nur sie alleine reicht irgendwie nicht, aber zumindest hat es allein ihr Klingelton auch schon auf YouTube geschafft. Wie auch immer, sobald Yuki auch Lady Elle erledigt hat, fehlt dem Film auch die letzte Chance doch noch nennenswert zu werden.

Kurz um, so richtig zünden will “Gothic & Lolita Psycho” in keinerlei Hinsicht. Nicht einmal als Lückenfüller für Genrefans zwischendurch.

FACTS: Gothic & Lolita Psycho (Japan 2010) – Regie: Gô Ohara – Darsteller: Rina Akiyama, Ruito Aoyagi, Misaki Momose, Asami Sugiura