
Filmkritik: Battle Royale
Die Zensur FSK hat es nicht leicht gemacht Battle Royale hierzulande zu sehen zu bekommen. Zweifellos ist der 2000 unter der Regie von Kinji Fukasaku gedrehte Film brutal und blutig, aber auf dem Markt dürften weit blutrünstigere Machwerke freier verfügbar sein. Wie meist, wenn die Zensur zuschlägt, tut sie das, weil ein Film der Gesellschaft heute am drastischsten die Realität vor Augen halten kann.
Japan in naher Zukunft. Die 9. Klasse einer Mittelschule findet sich plötzlich auf einer einsamen Insel wieder, wo ihr ein Ex-Lehrer erklärt, jetzt dem Battle Royale Akt zu unterliegen. An ihren Hälsen finden sich mit einem Sender und Sprengstoff versehene Halsbänder. Mit verschiedenen Waffen ausgestattet, wird ihnen gesagt, sie hätten 48 Stunden um sich gegenseitig zu töten. Nur der letzte Überlebende könne die Insel verlassen – bleiben nach den zwei Tagen mehr als ein Schüler am Leben, sterben beide. Das sind die Regeln.
Das sind die Regeln des Spiels und wohl auch des Lebens. Battle Royale ist so etwas wie die ungeschönte Variante von Die Tribute von Panem und soviel Blut und Gewalt der Film auch enthalten mag, in seinem Kern ist er eines der besten Sozialdramen, die je auf Film gebannt wurden. Es zeigt deutlich, was der Charakter und die Zivilisation der Menschen wert ist, wenn sie in Extremsituationen geraten.
Selbstmord, als die menschliche Alternative
Einige der Schüler entziehen sich dem grausigen Schauspiel durch Selbstmord, andere versuchen es dennoch als Team – und scheitern, entweder weil sie so leichte Beute von Einzelgängern sind oder weil am Ende doch das gegenseitige Misstrauen siegt. Doch nicht wenige nutzen das Wegfallen der moralischen Barrieren dafür ihre Rache an den vielen kleinen Grausamkeiten des Schulalltags zu nehmen. Rechnungen werden beglichen, sobald man die Gelegenheit dazu hat.
Battle Royale beschreibt realistisch, was wir tun würden, hätten wir nur die Gelegenheit dazu. Fern irgendwelcher Rousseau’schen Fantasiegebilde wird der Mensch auf seinen stärksten Instinkt reduziert, den Überlebensinstinkt. Zumindest, was die Mehrheit der Menschen angeht.
Ausnahmen bestätigen die Regel, Shuyo und seine Freundin Noriko zum Beispiel, die sich zwar nicht als einzige von Beginn an zu zweit durchschlagen, es aber bis zum letzten entscheidenden Gefecht tun. Oder der externe Kawada, zwielichtig, seinen eigenen Weg gehend, aber dennoch nicht der Blutgier verfallen wie ein zweiter externer Schüler, der aus purem Spaß am Töten an der Battle Royale teilnimmt. Diese Ausnahmen gehören eben – man sollte dafür dankbar sein – auch zum menschlichen Wesen.
Kurzum: Battle Royale ist ein blutiges Sozialdrama, ein Lehrbeispiel für alle, die dem menschlichen Wesen wirklich auf den Grund gehen wollen. Doch wie dieser Film, ist das kein Spaziergang und am Ende könnte man etwas erkennen, was einem ganz und gar nicht gefällt.
FACT: Battle Royale (Japan 2000) – Regie: Kinji Fukasaku – Darsteller: Tatsuya Fujiwara, Aki Maeda, Takeshi Kitano, Taro Yamamoto, Kou Shibasaki, Chiaki Kuriyama