Menschen bei McDonalds ist das Thema der folgenden Fotoserie. Und mal ehrlich, sieht der Rauschbart nicht aus, wie der Weihnachtsmann in Zivil? Fotografie: Menschen bei McDonald’s
Tagesarchive: Kunst
Und da ist er wieder auf, der Würzburger Dom
Heute Nachmittag konnte ich natürlich nicht mehr widerstehen, mir den Würzburger Dom nach seiner 16 Monate langen Frischzellenkur anzusehen. Und damit war ich wohl nicht allein, denn selten habe ich den Dom außerhalb von Gottesdiensten so voll gesehen. Die Würzburger wollten halt endlich sehen, was dort über ein Jahr lang passiert ist. Auch wenn man die Menschen für Touristen hätte halten können, die bestimmende Sprache war heute Fränkisch.

Heute habe ich einen alten Grundsatz gebrochen und in einer Kirche ein Foto gemacht.
Die Leute haben schon Recht, alles wirkt jetzt heller und offener. Wobei ich dem Dom schon vorher im Vergleich zu anderen Kirchen mit diesen Attributen ausgestattet hätte.
Ein paar kleinere Veränderungen hat es gegeben, so lohnt sich der Besuch nicht nur, weil das Innere der Kirche ein bisschen vom Zahn der Zeit abeschmiergelt bekommen hat. Insgesamt ist dabei eine sehr gute Kombination zwischen Alt und Neu herausgekommen. Die Domminanz der Geschichte ist zurecht noch immer da.Aaber anders als in vielen anderen Kirchen diesen Ranges, wird man sich in Würzburg bewusst, dass Geschichte nicht irgendwann aufhört, sondern fortgeschrieben wird. Mal unter uns Kunstfreunden, möge uns Domkapitular Jürgen Lenssen noch lange erhalten bleiben.
So richtig hervorheben möchte ich dabei gar nicht einmal etwas. Dennoch ein kleiner Tipp, wer den Dom durch das Hauptportal betritt, sollte vor den Gittern auch mal einen Blick hinter sich werfen. Die beiden dortigen Gemälde erst bei der Verabschiedung zu sehen, wäre eine Spur zu lange gewartet.
Also mein Tipp, unbeding reingehen. Es lohnt sich.
Ein Vormittag in München
Die letzten zwei Tage war ich unten in München alte Freunde besuchen. Jetzt, wo man Zeit hat, hat man halt auch keine Ausrede mehr in eine Stadt zu fahren, die man ehrlich gesagt gar nicht so mag. Ich meine, was will man auch denken von einer Stadt, deren Fußballfans in den Zügen skandieren: “Bauern, kniet nieder, eure Hauptstadt ist zu Gast”?
Aber ernsthaft, so schlimm ist München eigentlich gar nicht. Würzburg ist nur schöner!
P.S.: Ach ja, und für das Protokoll, ich war natürlich nicht auf dem Oktoberfest.
Keine Gnade für die Pussy Riots
Wenn man wie ich zumindest noch passiv in der katholischen Internetszene unterwegs ist, ergibt sich in Sachen der drei politschen Punkaktivistinnen der Band Pussy Riot und ihrer Verurteilung zu zwei Jahren Straflager, ein wenig schmeichelhaftes Bild. Im Wesentlichen teilt man brüderlich die offizielle Position der russisch-orthodoxen Kirche, fühlt sich dann aber aufgrund der in Westeuropa herrschenden Umstände doch gezwungen ein gequältes “na ja, zwei Jahre Gefängnis sind schon – vielleicht – wahrscheinlich ein bisschen hart” hinterher zu schieben. In Wahrheit kann man aber zwischen den Zeilen die unstillbare Sehnsucht nach einem starken Anti-Blasphemiegesetz auch bei uns in Deutschland nur mit Absicht überlesen. Und westliche Politiker, die angesichts der Punkatkion von Nadezhda Tolokonnikova, Maria Alekhina und Ekaterina Samutsevich in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale davon reden, moderne Demokratien müssten das aushalten, bekommen gleich verbal eines auf den Deckel – dabei zeigen die auf den Deckel-Geber damit recht deutlich, welches Geistes Kind sie sind.
Um es vorweg zu sagen, was die Pussy Riots in dieser Kirche veranstaltet haben, gefällt mir ganz und gar nicht. Ich finde es respektlos gegenüber den Gläubigen und nach meinem persönlichen Kunstgeschmack sogar unter diesem Gesichtspunkt recht geschmacklos. Ich fand es also alles andere als in Ordnung. Und genau das ist es auch, eine Ordnungswidrigkeit. Deshalb hätte man die drei Frauen zur Rechenschaft zwingen müssen, stattdessen hat man sie aber wie Schwerverbrecher behandelt. Insofern erklärt sich hier auch ein wenig der Titel dieses Beitrags, die Pussy Riots brauchen keine Gnade, sie bräuchten Gerechtigkeit. Aber welche Gerechtigkeit kann man in einem Land erwarteten, dessen Präsident sich für ein Zar hält und dessen mächtige Kirche noch nicht ganz den Unterschied zwischen Gott und Vaterland begriffen hat?
Bleiben wir aber noch ein bisschen bei dem Begriff Gnade.
In meiner Facebook-Timeline beschwerte sich eine engagierte Katholikin darüber, das jemand in ihrer Timeline Fotos einer Maria mit Pussy Riot-Maske postet. Keine Ahnung, ob sie dieses hier gemeint hat, wie auch immer. However, ich finde das auch geschmacklos. Bei mir kam allerdings der Gedanke dabei auf, der vielleicht der Lieblingsspruch aller Wischiwaschi-Christen ist: Was würde Jesus tun? Er würde den drei Frauen vergeben. Nein, würde er nicht.
Jesus hat oft und gerne vergeben und Gnade verteilt, aber er hat es nicht ohne Gegenbedingungen getan. Deine Sünden seien dir vergeben, gab es nur, wenn der Betroffene seine Sünden als solche erkannte. Dieses Prinzip hat die katholische Kirche mit dem Sakrament der Beichte quasi in Stein gemeiselt. Gnade? Kannst du haben, so viel und wann immer du willst, aber nur wenn du bereust und des künftig nicht wieder tust tun willst.
Vor ein paar Jahren gab es viel Aufregung, als der Bundespräsident eine verurteilte RAF-Terroristin begnadigen wollte. Eine Frau, die sich von ihren Ansichten nicht distanziert hatte und keine Reue von sich gab. Damals gab es auch viele Diskussionen, welchen Sinn so ein Reuebekenntnis hätte, es wurde aber auch die Frage aufgeworfen, ob an Bedingungen geknüpfte Gnade wirklich Gande sei.
Gnade ist ein Geschenk
Ich bin der Meinung, dass es sich dabei eben nicht mehr um Gnade handelt. Gnade ist ein Geschenk, das man jemanden machen kann. Und für ein Geschenk, darf ich keine Gegenleistung erwarten – sonst ist es ein Deal oder Tausch. Wenn ich etwas schenke, dann will ich kein Gegengeschenk, ich will bestenfalls, dass sich der andere darüber freut – aber nicht einmal das darf ich eigentlich erwarten. Natürlich kann ich hoffen, dass sich der andere freut, oder ich kann hoffen, dass sich der Betroffene vielleicht Gedanken macht und den Fehler einsieht. Aber das sind meine Erwartungen, wenn ich diese umsetzen will, dann ist Gnade nicht das richtige Mittel, dann ist es ein Geschäft.
Die Gnade ist ein Geschenk, das Menschen anderen Menschen machen können. Es scheint mir aber am Ende doch ein allzu seltenes Geschenk zu sein.
Filmkritik: I’m not a F**king Princess

Filmkritik: I'm not a F**king Princess
Es ist nicht leicht bei einer Kritik über Eva Ionescos autobiographischem Film “I’m not a F**king Princess” einen Einstieg zu finden. Es gibt nämlich zu viele davon.
Beginnt man mit der Frage, was darf Kunst und wo ist gerade in der Erotik die Grenze zu ziehen. Sind Fotos kleiner Mädchen nicht pädophil, wenn man ihnen das Label “Kunst” aufdruckt? Es ist schon das ein oder andere Jahr her, als die rumänisch-französische Fotografin Irina Ionesco der Weltöffentlichkeit diese Frage stellte – und immer wieder auch Nacktfotos ihrer 11-jährigen Tochter veröffentlichte.
Mehr als 30 Jahre später legt die Tochter einen autobiographischen Film vor, der diese Kunst als das brandmarkt, was es ist: Missbrauch Nicht allein sexueller Missbrauch, eher psychischer Missbrauch. Eine bizarre Mutter-Tochter-Beziehung, in jeglicher Hinsicht. Als eine Art pervertierte Eislaufmutter lebt die Mutter, mittelmäßig talentiert, auf, als sie mit den Fotos von ihrer Tochter zu Ruhm kommt – obwohl sie doch behauptet, sie wolle damit ihre Tochter berühmt machen. Doch saugt sie ihr wie ein Vampir das letzte Blut der Kindheit aus, wie eine Art fotografierende Elisabeth Báthory. Ihr Erfolg basiert allein auf der Tochter, der sie zugleich die gesamte verpfuschte und vergewaltigte Familiengeschichte wie eine Bürde weitergibt.
“I’m not a F**king Princess” ist schonungslos realitätsnah. Auch dank Isabelle Huppert als manisch-wahnhaft-depressive Fotografin, die als Mutter nur noch in der Lage ist ihre Tochter als Objekt für den eigenen Erfolg lieben zu können. Vor allem aber auch dank Anamaria Vartolomei als zuerst verführte und sich dann des Missbrauchs bewusst werdende Tochter. Beide für sich allein liefern eine hervorragende schauspielerische Leistung ab, im Paar allerdings lassen sie ihr Spiel zu etwas werden, was man selbsten im Film zu sehen bekommt: zu Realität – Freilich, eine sehr bedrückende Realität, die den Zuschauer nachdenklich zurück lässt, mehr als das.
FACTS: “I’m not a F**king Princess” (Frankreich, Rumänien 2010) – Regie: Eva Ionesco, Anamaria Vartolomei, Denis Lavant
Würzburg und seine Graffiti

Sind Sprayer kleine grüne Männchen?
Im (Würzburger Teil des) Web ist mir heute gleich zwei Mal der Begriff Graffiti über den Weg gelaufen. Bei Würzburg.erleben hat man ein Fanfoto von einem Teil einer mit zahlreichen Graffiti verzierten Straßenunterführung online gestellt und die klassische Frage dazu gestellt: “Graffiti in Würzburg. Subkultur oder etablierte Kunst?” Die meisten der Kommentatoren sagen Kunst, freilich betonen aber auch nicht wenige, dass es genau an dieser Stelle Kunst sei.
Bei meiner morgendlichen Blogschau bin ich auf A tribute to BZA / Ware und Kunst gestoßen, eine Erinnerung an eine Gruppe von Sprayern, die vor ein paar Jahren überall in Würzburg und Umgebung unübersehbar ihre Spuren hinterlassen haben. Dort hat der Autor mit Streetart wie in der Würzburger Zeppelinstraße wenig im Sinn.
“Selbst, wenn sich Streetart-MalerInnen nicht mit ihrer Leidenschaft ihre Brötchen verdienen: Sie kommen in der öffentlichen Diskussion nur derart gut weg, weil sie das gleiche verwelkte Empfinden von menschlicher Kreativität besitzen wie diejenigen, die den Markwert ihrer Stadt erhöhen möchten. Stadtbildkommissionen haben nichts anderes im Sinn.”
Quelle: Wissenswertes aus Würzburg
Da schwingt der Vorwurf mit, Streetartkünstler hätten die ursprünglichen Ziele von Graffiti verraten uns sich sozusagen ans Establishment verkauft. Ist Graffiti als nur echtes Graffiti, wenn irgendein Hausbesitzer, die Behörden oder meinetwegen auch die Deutsche Bahn Anzeige erstatten muss und das Graffito dann wieder verschwinden muss?

Der Teufelsritt der einbeinigen Lady.
“Der Anfangskeim von Graffiti [...] war das Aufbegehren gegen das, was man Stadtbild nennt und sich gegen den Menschen selbst richtet. Graffiti, betrachtet als die Kunst der Zerstörung, kommt menschlichem Schaffen näher als jedes eingerahmte Piece eines Bansky.”
Quelle: Wissenswertes aus Würzburg
Die Geschichte von Graffiti ist lang und nicht immer ging es um den Kampf gegen ein angeblich gegen den Menschen geschaffenes Stadtbild, meist jedoch darum eine Aussage zu platzieren oder einfach nur ein Zeichen zu hinterlassen. Manchmal war es Protest, von Underdogs, die sich nicht anders zu Wort melden konnten, manchmal aber auch nur jugendlicher Vandalismus – vielleicht auch, weil kein anderes – legales – Ventil zur Verfügung stand.
Kurzum, die Geschichte von Graffiti ist lang und voller Missverständnisse. Vor allem ist sie aber eben ziemlich umfangreich und weiß so unterschiedliche Dinge wie Kunst, politischen Protest, Hilfeschrei und purer Vandalismus unter einen Hut zu bringen. Von einer allzu strikten Trennung halte ich persönlich nicht besonders viel. Vor allem wenn es um den Faktor Kunst geht, denn Kunst ist ein recht weicher Begriff und bekanntlich eine Frage der Definition. Und da spielt die Einteilung “legal” oder “illegal” nicht gerade die größte Rolle, denn selbst ein aus purer Lust am Vandalismus oder als Protest gegen ein Stadtbild, das einen (eingebildet oder nicht) ausschließt, kann am Ende (unbeabsichtigt) Kunst sein. Ebenso wie man stolzer Sprayer am Ende einfach nur eine Wand verunstaltet hat.
PS: Mehr Bilder von der Graffiti-Unterführung habe ich letztes Jahr auf einer Fototour gemacht: Der Graffiti-Wahnsinn
Augustinerkirche in Würzburg – Auch ein Lenssen kann mal danebenliegen

Der Heilige Augustinus als Holzkopf.
Als Kirchenbesucher in Würzburg ist mir der Name Jürgen Lenssen natürlich ein Begriff, der Domkapitular zeigt sich seit Jahren verantwortlich in einer hervorragenden Symbiose von Kunst und Kirche. Sein Einfluss auf die Neugestaltung von Neumünster in Würzburg halte ich nach wie vor für die gelungenste Kombination moderner Kunst und dem klassischen Inneren einer Kirche. Und auch bei der Umgestaltung der Augustinerkirche, im Herzen Würzburg, ist Jürgen Lenssens Handschrift unverkennbar.
Und eigentlich ist man versucht, die erfolgreich Fortsetzung der Arbeit in der nicht weit davon entfernten Neumünsterkirche zu vermuten. Für Puristen und Traditionalisten, für die seit der vorletzten Jahrhundertwende auch bau- und kunsttechnisch die Zeit stehen geblieben ist, dürfte der neue Kreuzgang des Künstlers Jacques Gassmann freilich nichts außer ein Grund sich mal wieder so richtig über die Moderne aufzuregen. Wer sich aber auf das Neue einlässt, der kann hier eben auch völlig neue Impulse bekommen.
Dominant jedoch ist das vor dem alten, ganz im barocken Stil gehaltene Altarbild “Maria vom Siege” gehängte Bild “Himmlisches Jerusalem”, ebenfalls von Gassmann. Was mich daran stört ist nicht das Bild selbst, mit seinen bunten orangen und blauen Tönen passt es geradezu perfekt ins barocke Weiß des Stucks rundherum. Was mich stört ist die erstaunliche Inkonsequenz die hinter der Idee steckt das alte Bild im Chorraum nicht auszutauschen sondern ein neues davor zu hängen – um es ab und zu auch wieder abzuhängen. Das hat so einen faden Beigeschmack des halben Weges und der ist eigentlich nie gut …
… es sei denn, man geht in Richtung Kitsch. Und hier ist man bei der Neugestaltung leider auch den ganzen Weg gegangen. Im Chorraum sitzt seit einigen Wochen der Heilige Augustinus höchstpersönlich, aus Holz allerdings. Eine lebensechte und vielleicht genau deshalb recht kitschige Statue, die von Papierfahnen umweht wird, bei denen man nur unschwer auch auf die Assoziation Toilettenpapierfahnen kommen könnte. Wirklich, da bin ich kein Fan von. Zumindest hat man noch Holz als Material gewählt und nicht gleich eine Wachsfigur auf die Chorbank gesetzt. Was für einen bizarren Eindruck muss das erst machen, wenn die Bank besetzt wird?







