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Frei nach dem alten Descartes: Ich blogge, also bin ich

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Frauenfußball – Mehr als ein Hype?

Am Anfang stand die Gleichberechtigung, zumindest die klebbare dank eines Panini-Sammelalbum.

Heute ist sie also zu Ende gegangen, die Frauenfußball-WM. Manche mögen sagen “endlich, schließlich läuft zumindest schon wieder in der 2. Bundesliga richtiger Fußball”, andere mögen sagen, “schade, war schon schön”.

Ich persönlich habe mich ja als Fan des Frauenfußballs geoutet, insofern gehöre ich zur letzteren Gruppe. Das einzige was man hätte besser machen können, wären mehr Spiele nach 20 Uhr gewesen, dann hätte ich nämlich auch mehr gucken können.

Dennoch scheint bei nicht wenigen die Meinung vorzuherrschen, rund um die Fußballfrauenweltmeisterschaft sei einzig ein künstlich-medialer Hype gemacht worden. Und die ausverkauften Stadien ließen sich eh nur durch massenweise verschenkte Karten erklären. Das mit dem Hype ist auch gar nicht mal so falsch, denn den gibt es – wie auch massenweise verschenkte Karten – auch bei der Männer-WM. Denn wenn die Männer bei einer WM oder EM kicken, steigt die Zahl der “echten” Fußballfans – männlich, wenn auch überwiegend weiblich – auch stets drastisch in die Höhe. 80 Millionen Bundestrainer gibt es nicht die ganze Zeit, sondern nur bei einem großen Turnier.

War also alles nur ein Sommermärchen und wenn wir morgen aufwachen ist alles wieder beim alten. Die Leute gucken Bundesliga und so manches Kreisligaspiel der Männer kann sich in Sachen Publikumsansturm mit einer Begegnung in der 1. Frauenbundesliga messen? Ganz ehrlich, ich fürchte so wird es fast kommen. Na ja, “fast”, denn der ein oder andere wird sicher inzwischen überzeugt sein, das Frauen eben auch Fußball spielen können.

Klar werden die Zuschauerzahlen nicht auf Bundesliganiveau steigen, aber ich bin mir sicher ein kleines Plus wird schon dabei herausspringen. Vielleicht macht Frauenfußball ja aus der Tatsache Kapital, dass sich Frauenfußball als Familiensportart entpuppt hat – während man zum Beispiel in der 2. Bundesliga nicht nur durch die Ultras der Frankfurter Eintracht bei so manchem Spiel seine Familie aus Sicherheitsgründen besser zuhause lässt. Und auch bei den Ligen darunter gibt es bei manchen Clubs im Osten geradezu italienische Verhältnisse und Unsummen Steuergelder gehen dort für den Polizeieinsatz drauf.

Und weil ich mit gutem Beispiel vorangehen will, habe ich mir auch fest vorgenommen in der nächsten Saison ein paar Spiele des ETSV Würzburg zu besuchen. Die sind zwar auch 2. Liga, aber eben 2. Frauenbundesliga.

Erfolg allein scheint dem Frauenfußball nicht weiter zu helfen

In ein paar Wochen gibt es wieder ein Sommermärchen, zumindest wenn alles nach Plan läuft und die deutschen Frauen bei der Fußballweltmeisterschaft im eigenen Land ihren Titel verteidigen. Allerdings selbst wenn, es ist wohl unwahrscheinlich, dass dieses Sommermärchen wieder ein Nachspiel im Kino haben wird. Und auch die Public Viewing-Veranstaltungen werden schwächer besucht sein und das ein oder andere Tippspiel im Büro wird nicht statt finden … sind ja nur Frauen.

Die Gleichberechtigung zum Einkleben - erstmals gibt es Panini-Sammelbildchen auch zur Weltmeisterschaft der Frauen.

Das eigentlich traurige an dieser Haltung ist die Widerlegung der Theorie, meist von Frauen selbst aufgebracht, dass eine Frau doppelt so hart arbeiten muss, um in einer Männerdomäne erfolgreich zu sein. Schließlich lassen die Erfolge der deutschen Frauen die Erfolge von Löw und seinen Jungs eher zweitklassig aussehen. Doch während ein Jürgen Klinsmann bei seinem Sommermärchen für ein schlechteres Abschneiden bei einer WM als sein Vorgänger gefeiert wurde, als hätte er den Titel geholt, kann Silvia Neid so viele Titel sammeln wie sie will, der Funke scheint ein paar Wochen vor der Heim-WM nicht richtig überspringen zu wollen.

Frauenfußball scheint die Massentauglichkeit so recht nicht zu erreichen. Das ist im Großen, wie im Kleinen so. Hier in Würzburg zum Beispiel haben die Frauen vom ETSV Würzburg gerade den Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft, auf Jahre hinaus werden die Mädels die einzigen in Würzburg sein, die eine Chance haben in der 1. Liga zu kicken. Während die beiden besten Männerfußballvereine sich gegenseitig, wenn auch in unterschiedlichen Ligen spielend, das Leben schwer macht und der nächste Aufstieg weniger ein Ergebnis sportlichen Erfolgs sondern der einer Ligareform der Bayernliga zu verdanken sein wird.

Die Frage nach dem “Warum” hat durchaus ihre Berechtigung. Gilt Fußball noch immer also so rein männlich, wie Rhythmische Gymnastik ein Frauensport ist? Hat sich bei den Aktiven viel getan, während die Fans dem klassischen Männerfußball treu geblieben sind? Wie sieht es überhaupt mit der Geschlechterverteilung unter den Fans aus? Oder fehlen trotz des bekennenden Frauenfußball-Freundes Theo Zwanziger noch an den professionellen Strukturen durch den DFB?

Ich persönlich habe Frauenfußball lange Zeit lieber angesehen, als die Männervariante. Das hatte weniger mit den Akteuren zu tun, als mit der Tatsache, das Frauen auch in den höheren Ligen eher taktisch und spielerische mit dem Ball umgingen, als wild drauflos zu bolzen. Das hat sich inzwischen ein wenig gegeben, das ein oder andere Spiel der kommenden WM werde ich mir aber wohl doch ansehen.